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Am 4. Januar 2015 in spiel

Mir war langweilig. Aus Ermangelung eines Stapels der Schande lud ich mir daher bereits vor Wochen die letzten beiden Prince of Persia Teile für die Playstation 3 aus Sonys Online Store herunter. Einen, den feigen aber dennoch sehr guten Rückschritt zur Original-Serie, habe ich gleich darauf durchgespielt. Zum wiederholten Male. Auch den Vorgänger, ein mutiger Reboot der Serie, die schon damals so an die Wand gefahren wirkte, wie Assassin’s Creed aus dem selben Hause heute, habe ich bereits mehr als einmal auf der Xbox 360 durchgespielt. Trotzdem beendete ich es soeben noch ein weiteres mal.

Und erneut komme ich zum Fazit, dass dieses Prince of Persia, der Cel Shade Prinz, wie er in meinen Kreisen aufgrund seiner Optik genannt wird, eines der schönsten und großartigsten Videospiele ist, die ich kenne. Ja, da scheucht der Realist die Superlative mit angehobenem Zeigefinger wieder in den Stall, aber das ist bei mir eben so. Punkt.

Der Cel Shade Prinz vereint für mich alle Vorzüge eines Shadow of the Colossus: Die Isolation in einer wunderschönen Welt und das große Klettern in dieser, kann dann aber noch mit einem weiteren sehr attraktivem Pluspunkt aufwarten. Und zwar einem, der gleichzeitig das Defizit von Sonys Kolossi-Jagd ist: Technische Finesse. Das Spiel ist verdammt noch einmal sieben Jahre alt und spielt sich immer noch gut.

Auf die Kritik vieler Spieler bezüglich der Rücksetz-Punkte, die hier in einer Spieldesign-Meisterleistung als Rettungsaktion seitens der virtuellen Begleiterin Elika dargestellt werden, aber eben trotzdem immer noch die alten Rücksetz-Punkte sind, gehe ich außer mit diesem Satz einfach gar nicht weiter ein. Ha!

Der Cel Shade Prinz ist ein Reboot, wie ein James Bond. Der fuhr irgendwann plötzlich keinen Aston Martin mehr und es war ihm schnurzpiepegal, ob sein Martini nun gerührt, geschüttelt oder aus den Tränensäcken des großen Oleg Popov extrahiert wurde. Ähnlich frech springt dieser Prince of Persia-Teil mit seinen Vorgängern um. Sein im Sandsturm abhanden gekommener Esel mit Unmengen an Reichtümern auf dem Rücken trägt hier zum Beispiel schlicht den Namen Farah. Eben wie die weibliche Hauptfigur vergangener Teile der Serie. Schöner Humor, den der Prinz dann auch regelmäßig in seinen Dialogen beweist.

James Bond fuhr dann irgendwann wieder einen Aston Martin, aber natürlich nur, wenn er nicht gerade den geschüttelten und nicht etwa gerührten Martini zu sich genommen hatte. Und auch der Prinz war im nächsten Teil wieder der alte, die Optik und der Rest ebenfalls. Das ist zwar arg langweilig und zeugt von kleinen Eiern, macht aber deutlich mehr Kasse.

Egal, denn wenn immer ich den Cel Shade Prinz spiele, sehe ich dieses tolle, wunderschöne Spiel vor mir, das mich erneut dazu animiert, stundenlang Licht-Samen für die digitale Begleiterin einzusammeln, ohne Unterbrechung des Flows, kletternd und an Wänden entlang laufend von einem Ort zum anderen zu gelangen oder einfach mal das Pad beiseite zu legen und abzuwarten, bis der Bildschirmschoner mit fantastischen Bildern der Spielwelt anspringt.

Und um am Ende erneut zu sehen, was Liebe doch für Dummheiten auch in die Köpfe von Videospiel-Figuren pflanzen kann. Alles natürlich für mich völlig nachvollziehbar, denn schließlich ist dieser Teil eh nur ein einziges langes Date. Zwischen Elika und dem namenlosen Prinzen. Zwischen mir und diesem wunderschönen Spiel.

Hier geht es zu meinem Orginal-Review aus dem Jahr 2009.