Zeitreisen

Am 12. März 2014 in prosa

Er hasste Zeitreisen. Er hasste es auch, über Zeitreisen zu schreiben. Er bekam immer Kopfschmerzen, wenn er über das Reisen durch die Zeit nachdachte. Passt man einen Moment nicht auf, lief man Gefahr, ein Paradoxon zu beschreiben. Und dann die Fakten, die es nicht gab und die sich jeder Autor immer wieder willkürlich neu zurecht legte. Zeitreise. Das war neben dem Klonen die Thematik, die ausgelutschter nicht sein konnte. Er grübelte über seinem noch dampfenden Kaffee. Nichts. Keine Idee. Der Kaffee schmeckte. Die Hitze schien sich in seinem Körper direkt in Energie zu wandeln. Er fühlte sich gestärkt, wach, motiviert. Er … Zeitreisen? Verdammt. Ausgerechnet Zeitreisen. Puh! Er wippte den Stift zwischen Daumen und Zeigefinger, sodass beide Enden abwechselnd auf den Block vor ihm auf dem Tisch klopften. Wie ein Metronom erfühlte der Rhythmus den Raum. Im Zeitraffer. Zeit. Die Zeit war nie sein Freund. Er seufzte, strich sich über die Stirn und fuhr sich über die letzten Haare, die ihm die Zeit gelassen hatte. Er verharrte.

Der Kaffee schmeckte nicht mehr. Er war kalt geworden und das einzige was jetzt noch dampfte war sein Atem in der Kälte des kleinen Zimmers. Er fühlte sich schwach, müde und demotiviert. Er blickte einige Minuten starr nach oben aus dem kleinen Klappfenster in die Nacht. Die Zeit verging, ohne das er auch nur ein einziges Wort auf das leere Blatt Papier vor ihm auf dem Tisch brachte. Er wurde so müde, dass er drohte einzuschlafen. Sein Kopf wippte in der Folge des Sekundenschlafs einmal auf und ab. Er resignierte. Er grub sein Gesicht in die Hände und musste plötzlich mit stark zusammengekniffenen Augen lächeln. Durch die Zeit reisen, dachte er bei sich, das kann doch jeder! Er ließ die Gelenke in seinen Fingern knacken, griff den Stift und schrieb eine genaue Anleitung nieder, nach der jeder durch die Zeit in die Zukunft reisen könne:

Reise in die Zukunft in drei Schritten

  1. Du brauchst einen Stift und ein Blatt Papier.
  2. Eine Tasse frischen Bohnenkaffee oder ähnliches.
  3. Die Idee, eine Zeitreise-Geschichte zu schreiben.

Fertig. Nach einer Stunde des erfolglosen Grübelns ist man angekommen.

To-do: Reisen in die Vergangenheit.

Inspiration war dieses Blog von David.