Way of the Samurai 2

Am 19. September 2014 in spiel chambara

Wurde man im ersten Teil der Samurai Dô Serie noch mit einem umfassenden Plot in einer kargen überschaubaren Umgebung konfrontiert, habt ihr es beim Nachfolger mit den eher oberflächlichen Scherereien zweier lokaler Banden und der polizeilichen Autorität zu tun. Wie auch im Vorgänger beginnt das Spiel mit der Ankunft eines Ronin, der diesmal allerdings nicht alleine in einem verschlafenen Nest sondern in einer an reisendem Durchgangsverkehr reichlich gesegneten ausgewachsenen Ortschaft.

Gleich zu Beginn wird euer ausgehungerter Held von einem kleinen stummen Mädchen vor dem Zusammenbruch gerettet, um von da an mit Bewohnern und Besuchern des kleinen Städtchens durch Dialoge einen der vielen möglichen Verläufe und Ausgänge der Geschichte zu erfahren. Eine der wichtigsten Änderungen ist die Tatsache, dass dieses mal nicht nur die Gespräche den Verlauf der Geschichte verändern, sondern Plottwists in erster Linie durch eure Anwesenheit zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort zu sein. Das tragische an diesem Triggersystem ist, dass man eher selten eine Information bekommt, wann und wo wichtige Situationen entstehen. Die Tatsache das es dieses mal fünf Tageszeiten gibt und die gesamte Story über mehr als eine Woche hinweg stattfindet, macht die ganze Sache auch nicht gerade einfacher.

So werdet ihr die meiste Zeit mit dem Protagonisten durch die Strassen der verschiedenen Stadtteile ziehen auf der Jagd nach neuen Informationen zu anstehenden Events. Hier wäre noch anzumerken, dass die einzelnen Bezirke dieses mal nicht miteinander verbunden sind. Verlasst ihr also eine Gegend, befindet ihr euch auf dem Stadtplan von wo aus ihr jederzeit einen der anderen Orte betreten könnt.

Hat sich euer Ronin im ersten Teil noch von Rüben und Pilzen ernährt und geheilt, so seid ihr im aktuellen Teil auf die Bewohner des Ortes und dessen Geschäfte angewiesen. Vom Gemüsehändler, über Schneider, öffentliche Bäder, Seidenhändler und Kneipen bis hin zu einem Bordell gibt es zahlreiche Möglichkeiten euer sauer verdientes Geld umzusetzen. Sauer verdient? Richtig. In Samurai Dô 2 benötigt ihr Geld und dafür müsst ihr Arbeiten. Dies bewerkstelligt ihr über die sogenannten Jobbroker, die vor den Hauptquartieren der drei großen Parteien mit Aufträgen auf geeignete Tagelöhner warten.

Leider hat man sich bei den Jobs nicht allzu viel Mühe im Hause Acquire gegeben und so bieten die paar Minimissionen die es zu bewältigen gilt, wie etwa Entführungen aufklären, Vermisste wiederfinden, einen Meuchelmord begehen usw. schon nach kurzer Zeit leider recht wenig neues. Da spart man lieber ein wenig an seinen Ausgaben und begibt sich nach alter Tradition auf die Schwertsuche. Hier steht Samurai Dô 2 seinem Vorgänger nämlich in nichts nach. Ganz im Gegenteil, es gibt noch einiges mehr an Waffen zu ergattern. Auch neue Kampfstile wie etwa der grandios in Szene gesetzten Iai-Methode bei der ihr die Gegner mit dem Ziehen des Schwertes besiegt machen den Umgang mit letzterem wieder mal zu einem wahren Genuss.

Die Engine beruht zum größten Teil auf der des ersten Teils und auch die Spezialmanöver der Waffen lassen sich wieder wie gewohnt im Kampf in bestimmten Situationen erlernen. Auch das Balancesystem beim Blocken wurde von Samurai übernommen und mit einer kleinen Finesse verfeinert. So ist es jetzt möglich, den um sein Gleichgewicht gebrachten Gegner mit einem einzigen Schlag im richtigen Augenblick niederzustrecken. Dazu müsst ihr lediglich im richtigen Augenblick die Angriffstaste betätigen, wenn euer Widersacher an euch vorbeitaumelt, ähnlich wie bei Kengo Teil 2 und 3.

Neu ist auch die Möglichkeit, das man Schwerter beim Schmied oder mit bestimmten Items aufbessern lassen kann und so die Angriffs und Verteidigungsattribute der Klinge verbessert. Dies geht allerdings nicht unendlich, sondern nur solange wie der aktuelle und der maximale Modifizierwert dieses zulässt. Letzteren kann man mit bestimmten Gegenständen aus den Shops des Ortes auch verbessern und sich so eine extrem starke Waffe schmieden lassen. Aber Vorsicht! Wer die Warnungen vom Schmied missachtet, riskiert eine liebgewonnen Waffe zu zerstören. Glücklicherweise hat sich Acquire von der nervigen Speicherpolitik getrennt und so dürft ihr euren Spielstand dieses mal jederzeit speichern und bei einer misslungen Aktion neu laden.

Um eure Schwerter zu meistern gibt es dieses mal nicht nur die Möglichkeit Streitereien in den überfüllten Strassen vom Zaun zu brechen, was meistens mit einer aufgebrachten Menge und der Polizei auf den Fersen endet, sondern auch das lokale Dojo mit einem alten Bekannten als Meister, der euch immer für ein Duell zur Seite steht. Wem das zu förmlich ist, der begibt sich zum Festivalplatz, wo Tagsüber ebenfalls ein alter Bekannter sein Geld als Vermittler für Mini-Turniere verdient.

Es gibt also zahllose Wege, die Zeit im Ort zu verbringen und das macht Samurai Dô 2 zu einem besonderem Erlebnis. Der Spielablauf kann trotz der recht oberflächlichen Konflikte der ortsansässigen Banden teilweise recht epische Ausmaße annehmen und es sind diese Momente, wenn man als Assistent und Racheengel, als feudaler Privatdetektiv oder als bewaffneter Samariter den Hilfebedürftigen vor Ort zur Seite steht, die das Spiel zu einem Erlebnis machen. Auch wenn die Atmosphäre nicht mehr so dicht ist wie im ersten Teil.

Wer sich übrigens der Seite der Unterdrücker anschließt, oder sich als Waffenschwingender Wahnsinniger in den Straßen einen Namen macht, der muss damit rechnen, das ihm der Zugang zu Läden und Geschäften verweigert wird, oder man auf offener Straße von angeheuerten Ronin attackiert wird. Die Dorfbewohner sind in dieser Hinsicht recht nachtragend.

Wem die Belange der Städter nicht mehr interessieren, der betritt den Ort vielleicht einfach mal wieder um vom Schwertinformanten einen heißen Tipp zu einer sich in der Stadt befindlichen guten Waffe zu bekommen. Unnötig darauf hinzuweisen, dass der Besitzer der Waffe diese nicht freiwillig hergibt. Aber so ist er bei Acquire, der Weg des Samurai.