Watch Dogs

Am 20. Juni 2014 in spiel

„Möchten Sie Uplay aktivieren?“

„Nö“
„Okay, aber Sie verpassen dadurch einiges! Sind Sie sich wirklich ganz sicher, dass Sie kein Uplay aktivieren wollen?“
„Nein, will ich nicht“

Nächster Tag.

„Möchten Sie Uplay aktivieren?“
„Nee“
„Okay, aber Sie verpassen dadurch einiges! Sind Sie sich wirklich ganz sicher, dass Sie kein Uplay aktivieren wollen?“
„Nein, will ich immer noch nicht“

Ein neuer Tag.

„Möchten Sie Uplay aktivieren?“
„Hmm … Nö“
„Okay, aber Sie verpassen dadurch einiges! Sind Sie sich wirklich ganz sicher, dass Sie kein Uplay aktivieren wollen?“
„Ich bin mir sehr sicher“

Donnerstag.

„Möchten Sie …“
„NEIN, VERDAMMTE AXT, WILL. ICH. NICHT!“

Ein aktuelles Spiel von Ubisoft, sei es nun Watch Dogs oder das wunderbare Child of Light, fängt immer so ein bisschen an wie ein Murmeltiertag. Zum Glück ohne Sonny und Cher. Interessant, wie sehr man im französischen Rennes der Konkurrenz im Hause Electronic Arts nacheifert. Koste es den Ruf, was es wolle. Nun, ich bin da eigen und spiele bei Uplay gerne den unerschrockenen Fels in der Big-Data-Brandung. Der, der hier mal nicht mit dem Strom schwimmt. Der, der sich gegen das System auflehnt und einfach mal auf Uplay verzichtet. Auch, wenn mich Ubisoft bei jedem Start des Spiels immer und immer wieder fragt.

Aiden Pearce, Antiheld des Spiels Watch Dogs, da bin ich mir sicher, würde seinen PSN-Account ebenfalls nicht mit dem Uplay Konto verbinden. Und wenn, würde er seine Spuren einfach einige Minuten später wieder von den Servern entfernen. Aiden Pearce ist ein Hacker in einer Stadt, die über ein einziges großes Computersystem kontrolliert wird. Er nutzt diesen Umstand, um seine eigenen Regeln in der Stadt durchzusetzen. Ampeln hören auf sein Kommando, Stromkästen explodieren nach seinen Wünschen, Zugbrücken öffnen und schließen sich, wie es ihm beliebt. Sowas kann äußerst nützlich sein, wenn man, wie Aiden es tut, Arbeiten nachgeht, die ganz weit auf der anderen Seite des Gesetzes stattfinden.

Jetzt will er allerdings bloß Rache. Für seine Nichte. Unschöne Sache, das. Irgendjemand wollte ihm eins auswischen und hat dabei die Nichte erwischt. Fies. Da macht der Aiden aber eben alles andere als mit und ist jetzt auf der Suche nach den Verantwortlichen. Desweiteren gibt es noch eine bla, bla, bla. Ihr kennt das mittlerweile: Ich drücke sowas gerne weg. Ich will ja nur spielen.

Und das macht einen Heidenspaß. Hätte ich gar nicht gedacht. Gibt sich Watch Dogs äußerlich doch wie ein weiterer Offene Welt Grand Theft Auto Klon und versagt auch immer genau dann für mich, wenn es dieses allzusehr nachäfft. “Hier, nehmen Sie diese Schrottkarre und verfolgen Sie den Sportwagen!”, “Folgen Sie diesem Auto, aber unauffällig!”, “Ihr Ziel entwischt, IHR ZIEL ENTWISCHT!”. Es gab mal einen Assassin’s Creed Teil, der schien gefühlt nur noch aus Verfolgungsjagden zu bestehen. Habe vergessen welcher. Da hieß es aber auch immer “Ihr Ziel entwischt!”. Verkleidete Zeitlimits, Hektik. Mag ich nicht mehr.

Das hätte Watch Dogs alles gar nicht nötig. Dessen Grundmechanik, sich auf Missionen über sein Smartphone in Kamera-Systeme zu hacken und mit Hilfe deren eingeschränkter Mechanik Sichtkontakt zu anderen Kameras an Wänden, Laptops oder auch mal am Mann herzustellen, um so möglichst effizient und Resourcenschonend einen Server zu hacken, wirkt frisch und macht Laune.

Wenn ich mal keinen Bock auf die Hackerei habe oder keine Lösung finde, über die Kameras ans Ziel zu kommen, gehe ich als Aiden Pearce persönlich rein. Und das macht dann richtig Spaß, weil Ubisoft Montreal einfach mal zum Splinter Cell-Schreibtisch rübergeschielt hat und da dessen Cover-System entliehen hat. Dann geht es wie ein Panther, als unsichtbares Raubtier, auf die Jagd. Durchaus spaßig, wenn man wie ich gerade im Fargo-, beziehungsweise im Lorne Malvo-Fieber ist.

Drei Akte lang war das für mich der absolute Hammer. Im vierten wirds dann wegen der weiter oben erwähnten Geschichten teilweise unerträglich. Die Krönung ist die finale Mission. Die macht alles falsch, was nur geht und das, obwohl ihr eine eigentlich schon finale Mission vorweg geht, die ganz, ganz großartig ist. Zum Glück gibt es nach dem Durchspielen aber noch die Gang Hideouts in der Stadt, die wieder auf die tolle Grund-Mechanik des Spiels zurückgreifen und deren Komplettierung für mich selbstverständlich war.

Interessant ist, dass mich vor allem der Aspekt der offenen Welt bei all dem eher nervte. Die ewige Fahrerei von A nach B kann ich zwar halbwegs mit dem Schnellreise-System via Straßenbahn überbrücken, gelaufen werden muss dann aber immer noch recht viel. Früher waren diese Städte mal toll. Heute kriegen wir jedes Jahr neue. New York, Venedig, Los Angeles, New York, Rom, Istanbul, New York. Immerhin ist es jetzt mal nicht New York, sondern Washington Chicago. Viel Interaktivität bietet die Hauptstadt allerdings nicht (sie ist sogar scheiße langweilig) und sorgt oft lediglich dafür, dass es seine Zeit dauert, bis ich am Ziel bin.

Im Großen und Ganzen aber war ich sehr positiv überrascht, wie gut mir Watch Dogs dann doch gefallen hat. Ich weiß, dass Ubisoft das jetzt solange ausschlachtet, bis wir die Zeit bis zum nächsten Weihnachtsfest nicht mehr an Assassin’s Creed Ankündigungen messen sondern an Watch Dogs Nachfolgern, aber bis dahin ist dieses Spiel einzigartig und die meiste Zeit über richtig gut. Das ist doch was.