Volume

Am 25. August 2015 in spiel

Stealth. Seit ich mich das erste Mal mit Ayame und Rikimaru an Wachen des bösen Kaufmanns Echigoya vorbei schleichen durfte, war meine Leidenschaft für dieses Spielgenre entflammt. Und das Feuer brennt bis heute lichterloh, wie der Morgen nach einem zünftigen Abend mit zwei großen Portionen Chili con Carne.

Jetzt kommt Mike Bithell ins Spiel, der mich bereits mit Thomas Was Alone großartig unterhalten hat und der offensichtlich auch gerne schleicht. Sein neues Spiel Volume wirkt wie eine Ode an das Genre, eingepackt in ein zugängliches Pick-up-and-play Puzzle Format und in fast allen Belangen exzellent raffiniert.

Ich könnte mir vorstellen, dass Bithell zwar ein Freund von Schleichspielen ist, nicht aber von den frustrierenden Momenten, die diese oft mit sich bringen. Und genau da punktet Volume mit der althergebrachten Formel Easy to play, yet hard to master aus längt vergangenen Zeiten. Wer einfach nur eine tolle Schleicherfahrung haben möchte, probiert aus, lässt sich Zeit, macht Fehler, wiederholt diese und macht trotzdem Fortschritte. Wer die harte Herausforderung sucht, spielt Volume auf Zeit und versucht erst die vorgegebenen Zeiten zu schlagen, bevor es an die Netzbestenlisten geht.

Es geht beides und das tolle ist, dass das eine dem anderen nicht im Weg steht. Wer die Zeit ignoriert wird nicht bestraft. Damit ist Volume ein echtes Juwel. Und für all diejenigen, die das nicht tolerieren gibt es mit dem ersten Update einen höheren Schwierigkeitsgrad, der ganz klassisch wieder eine Trennung zwischen beiden Spielvarianten hoch zieht.

Hilfreiche Gadgets, die schrittweise über die einhundert Missionen umfassende Kampagne eingeführt werden, und die immer Teil einer möglichen Lösung sind, erweitern den Spielablauf um immer wieder neue Schichten. Und wer nach hundert Missionen noch nicht genug hat, wagt sich vielleicht in die Liga der Profis, spielt auf Zeit oder testet Level der Community, die im spieleigenen Editor gebastelt werden können.

Wenn es Volume an etwas fehlt, dann dem Abenteuer. Das ist normalerweise ein wichtiger Teil des Genres, der sich aber nur schwer in ein Puzzle Format integrieren lässt. Die sicherlich komplexe Geschichte wird erzählt, während ich spiele. Ressourcen habe ich dafür allerdings wenig, wenn ich gerade versuche, eine knifflige Passage zu meistern oder einem bewaffneten Wachposten davon laufe. So habe ich bereits nach wenigen Missionen aufgehört, der Geschichte absichtlich zu folgen und setze darauf, dass sich am Ende alles selbst erklärt. Irgendwie. Da ist es schade um die tollen Stimmen, wie etwa die von Andy Serkis, aber wirklich geschmälert hat es meine Spielerfahrung nicht.

Volumes wunderschöne Optik und der tolle Soundtrack sorgen für die nötige Atmosphäre, die sehr gut ausbalancierten Level für den Spaß. Und der scheint noch einige Zeit anzuhalten, denn Bithell hat versprochen, regelmäßig Updates mit kuratierten Listen von Community Missionen vorzustellen. So soll es sein.