Valiant Hearts: The Great War

Am 19. Juli 2014 in spiel

UbiArt ist mein neues Lieblingswort in der Videospiel-Industrie. Es steht für wunderschöne, zweidimensionale Animationen aus dem Hause Ubisoft. Rayman Origins, Rayman Legends und zuletzt Child of Light sind die Wunschkinder dieser tollen Beziehung. Allesamt wunderschön, intelligent und sehr unterhaltsam. Bei Valiant Hearts geht es jetzt thematisch allerdings erstmals etwas ernster zu. Es teilt sich das Thema mit den Journalen und Nachrichtensendungen dieser Tage: Der Erste Weltkrieg, dessen Jahrestag sich Ende diesen Monats zum hundertsten Mal jährt.

Krieg ist eigentlich ein sehr heikles Thema. Wäre da nicht die Videospiel-Industrie, die die letzten zwanzig Jahre damit verbracht hat, das Thema Krieg in unseren Köpfen einmal komplett zu desensibilisieren. Der Erste Weltkrieg ist seltener Teil dieser Behandlung gewesen. Das wird auch Valiant Hearts (zum Glück) nicht ändern. Denn es ist kein gängiges Kriegsspiel. Hier kann ich niemanden wissentlich töten. Viel mehr erfahre ich die Leiden des Krieges an der eigenen virtuellen Person.

Als der deutsche Karl, der zu Kriegsbeginn von seiner Familie in Frankreich getrennt wird, diene ich als Soldat auf der deutschen Seite. Emile, seinen französischen Schwiegervater und ebenfalls eingezogen, bewege ich auf der französische Seite. Mit Anna, einer Sanitäterin mache ich mich auf die Suche nach ihrem von den Deutschen entführten Vater und mit Freddy, dem Amerikaner und meinem persönlichen Liebling, mime ich den Mann fürs Grobe.

Die Pfade dieser Figuren kreuzen sich im Laufe der Geschichte mehrmals und oft teilen sie sich dabei einen treuen Freund: Ein für den Einsatz an der Front ausgebildeter Schäferhund, der für mich Sammler-Gut ausbuddelt und hin und wieder auch mal Teil eines Rätsels Lösung ist. Diese Rätsel sind gerade so anspruchsvoll, dass ich sie trotz akuten Schlafmangels und mit tatkräftiger Unterstützung meiner Frau allesamt ohne Hilfe des Systems lösen kann. Das mag für Hardcore-Adventure Klicker zu wenig sein, passt mir aber sehr, sehr gut.

Valiant Hearts ist am besten als eine Mischung aus Point’n’Click Adventure und Interactive Drama zu beschreiben. Auf Objekt- und Spielmechaniken basierende Rätsel lösen sich ab mit Geschicklichkeitsaufgaben. Moment! Bitte kommen Sie zurück! Das klingt schlimmer als es ist. Genauer gesagt machen diese kleinen, oft nahtlos in den Spielablauf integrierten Minispiele einen Heidenspaß und viele von ihnen wären als eigenständige App auf Mobilsystemen locker noch ihr Geld wert.

Optisch ist Valiant Hearts schlicht Zucker. Akustisch auch. Wie ein zu einem belgischen Comic gewordener Jean-Pierre Jeunet Film präsentiert sich das Spiel und das wirklich einzige, was ich diesem negatives vorwerfen könnte, ist der knuffige Grafikstil, der auf der einen Seite zwar aussieht, wie ein Metal Slug bereits nach drei Teilen hätte aussehen sollen, auf der anderen Seite aber deutlich zu knuffig für das traurige Kriegsthema an sich ist. Metal Slug sollten wir nicht ernst nehmen, Valiant Hearts schon. Das fällt mir, obwohl ich mir der Tragik des Krieges und der Einzelschicksale im Spiel deutlich bewusst bin, angesichts dieser Präsentation merklich schwer.

Das heißt aber nicht, dass ich mir wirklich eine andere Optik gewünscht hätte. Dafür fiel mir im Laufe des Spiels viel zu oft die Kinnlade ob der Bildgewalt herunter. Zeppeline, Panzer und anderes Kriegsgerät sehen hier einfach gnadenlos toll aus. Vielmehr wünschte ich mir für das nächste UbiArt Projekt diese wunderschöne Grafik und Spielmechanik mit einem etwas fröhlicheren Thema. Schlicht, weil es für mich besser zusammenpasst. Trotzdem ist Valiant Hearts ein großartiges Spiel, dass ihr alle spielen solltet. Alle!

Ich hole mir derweil noch die fehlenden Trophäen. Das hat dieses tolle Spiel einfach verdient.