Valhalla Rising

Am 18. Juni 2010 in film

Mads Mikkelsen ist mit Abstand der beste Exportartikel, den Dänemark für mich zu bieten hat. Spätestens seit Adams Äpfel gehört er zu meinen favorisierten Schauspielern der Nordhalbkugel. In Nicolas Winding Refns Film Valhalla Rising mimt er den wortlosen, einäugigen und mysteriösen Krieger One-Eye. Eine Rolle, die ihm wohl die wenigsten zugetraut haben dürften und die sprichwörtlich auf ihn passt wie die Faust aufs Auge. Oder besser, um dem Film gerecht zu werden, ins Auge.

An dieser Stelle würde ich eigentlich auf die Handlung des Films eingehen, die ist in ihrem Ausmaß aber derart knapp geraten, dass ich selbst mit drei Sätzen eigentlich schon zuviel verraten kann. Nur soviel: Mads Mikkelsens Charakter One-Eye ist neben der Tatsache, dass er nicht spricht, extrem gewalttätig, wird im Mittelalter von einer kleinen Gruppe Wikinger in einem Käfig gehalten und nur dann unter starker Bewachung herausgelassen, wenn er einen Duell-Gegner mit roher Gewalt und extremer Brutalität in Grund und Boden stampfen kann und für volle Kassen beim Veranstalter sorgt. Bei einem Zwischenfall erlangt One-Eye seine Freiheit und schließt sich, begleitet von einem kleinen Jungen, einer Gruppe Christen an, die nach Jerusalem reisen wollen, um das gelobte Land zu befreien.

Valhalla Rising ist schön. Verdammt schön. Jede Einstellung scheint mit viel Bedacht gewählt zu sein und wurde mit äußerster Präzision nachbearbeitet. Das ist wichtig, denn jede dieser Szenen im Film ist lang, still und enthält wenig bis gar keine Bewegung. Das macht zuweilen den Eindruck einer Diashow, aber einer, die man nicht mal eben aus dem Urlaub mit nach Hause bringen kann. Wenn One-Eye minutenlang regungslos in den Himmel starrt, kann das auch schon mal arg beklemmend auf den Betrachter wirken. Richtig heftig wird es immer dann, wenn diese regungslose Stille von bestialischer Eskalation in Form von Kämpfen zerrissen wird. Meist ohne Vorwarnung und nicht selten mit einem Schockeffekt. Hier schreckt der Film auch nicht vor Blut und Eingeweiden zurück, bevor wir uns dann wieder in der Wiege lakonischer Filmkunst in Sicherheit wähnen.

Der heimliche Star des Films und der Grund, warum wir uns in den langatmigen Einstellungen so herrlich verlieren, ist die gelegentliche musikalische Untermalung von Peter Peter & Peter Kyed. Seit „The Fountain” hat mich keine Musik dermaßen atmosphärisch gefesselt und ganz unähnlich ist er der Mansell, Mogwai und Chronos-Quartett Produktion auch nicht. Mir völlig unverständlich ist dieses Werk bisher allerdings nicht veröffentlicht. In Zeiten digitaler Distribution eigentlich ein Manko, das hätte vermieden werden können.

Ich gebe zu, ich habe mich mit dieser Art Film lange schwer getan. Und Valhalla Rising ist nicht gerade der einfachste Film seiner Art. Mehr noch. Gegen ihn wirkt Jarmushs Limits of Control flott arrangiert und ein Sergio Leone Western wie ein Action-Spektakel á la Crank. So langsam aber sicher, eben genau wie der meist zähe Fluss dieser Filme, beginne ich sie zu lieben. Mittlerweile weiß man eben nach einigen Minuten woran man ist und kann die geballte Ladung Kunst auf sich wirken lassen. Hierzulande ist der Film bisher leider weder im Kino gelaufen, noch ist er als DVD, geschweige denn als Blu-Ray erschienen. Interessenten müssen deswegen zum UK-Import greifen.