True Detective (Staffel Zwei)

Am 27. Februar 2016 in serie oberlippenbarthouse

Ich gehöre zu den gefühlt eher wenigen Menschen, die von der ersten Staffel True Detective nicht durchgehend begeistert waren. Die ersten fünf Episoden haben mich umgehauen, danach aber fiel es meiner Meinung nach stark ab und endete desaströs mit verträumten Blicken in den Sternenhimmel.

Da waren die Erwartungen gegenüber Staffel Zwei erst einmal nicht besonders hoch. Das änderte sich mit einem Artikel zum Piloten besagter Staffel auf Polygon.com: True Detective Staffel Zwei sei deprimierend und wirr. Das klang nach einer echten Herausforderung. Das wollte ich sehen!

If it were a video game, its difficulty would be set to hard. Or extra-hard. Or double-extra-super-pro-n0-n00bz-allowed-hardcore-xtreme.

Nun, True Detective Staffel Zwei hat, wir bleiben bei der Videospiel-Metapher, sicher kein Tutorial, in dem alles und jeder erst einmal haarklein erklärt und vorgestellt wird, aber wirklich schwer zu verstehen ist die Handlung nun wirklich nicht. Es traut dem Zuschauer auch mal zu, Zusammenhänge selbst zu erkennen, ja. Das meiste davon wird aber spätestens ein, zwei Episoden später noch einmal deutlich untermauert. Eine besondere Herausforderung für den eigenen Intellekt ist True Detective also nicht, begeistert bin ich trotzdem.

Das liegt am Drehbuch von Nic Pizzolatto, das mir nach seinem Buch Galveston gerade genau in den Kram passt. Das liegt an Colin Farrell, den ich interessanterweise immer noch gleichermaßen scheiße und genial finde. Aber das liegt vor allem an Vince Vaughn, der (unfairerweise) bitte nie wieder etwas anderes als einen Gangsterboss spielen soll.

In der letzten Stunde wird dann doch noch vieles wieder eingerissen, was die Serie über sieben Episoden so gut aufgebaut hat. Immerhin ohne Sternenhimmel!

Erwähnenswert sind die großartigen, von Lera Lynn beigesteuerten Songs, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn sich Ray (Farrell) und Frank (Vaughn) in dessen Bar über das Geschehene austauschen. Hier scheint es, als würde eine unsichtbare Hand kurz die Pausetaste drücken und die Handlung für einen Moment anhalten. Nur ein Beispiel für den handwerklich oft sehr geschickten Umgang mit dem Medium.

Für die Masse ist das scheinbar nichts, für mich ist es eine erfreuliche Überraschung. Falls es noch eine dritte Staffel geben sollte, stehe ich jetzt aber definitiv wieder in der ersten Reihe und schreie „Hier!“