Trouble Witches Neo

Am 25. Mai 2011 unter spiel

Es ist 20:30 Uhr. Meine Tochter ist endlich im Bett und ich sollte eigentlich das gleiche tun, denn ich bin hundemüde. Aber ich mag nicht. Ich lehne mich zurück, schalte die Dreisechzig ein und kaufe mir für 10 Euro online das Shoot’em-up Trouble Witches Neo. Ich bin müde.

Im Spiel muss ich mich für eine von fünf kleinen Hexen entscheiden. Ich mag Hexen. Ich mags aber nicht, wenn sie aussehen wie Lolitas. Ich entscheide mich für Sakuroka, deren caniner Sidekick eine Mischung aus Amaterasu (Ôkami) und Brian (Family Guy) zu sein scheint. Großartig, denke ich. Ich wähle den mittleren von drei Schwierigkeitsgraden, Heartpounding, der laut der japanischen Videospiellogik als Easy beschrieben wird, sich aber als Hard herausstellt. Im ersten Level angekommen erwartet mich, wie in jedem weiteren Level auch, eine geloopte Vektorgrafik-Sequenz als Hintergrund. Schade. Ich schieße mich, von rechts nach links scrollend, durch nett gestaltete fliegende Schiffe, weiche knallbunten Projektilen aus und erreiche bereits nach kurzer Zeit einen fliegenden Shop. Dort angedockt kann ich aufgesammeltes Geld gegen maximal drei Spezialkarten eintauschen. Neben dem normalen Schuss kann ich über die B-Taste diese Karten einmalig verwenden, um mit Spezialattacken besonders viele Gegner zu erledigen, deren Projektile dann in wertvolle Goldmünzen verwandelt werden. Ich verlasse den Laden, aktiviere die erworbene Karte und ergötze mich am bildschirmfüllenden Goldregen. Wunderschön. Mit der X-Taste erzeuge ich eine Aura, die Projektile ausbremst, in denen ich ab Level 3 förmlich ersticke. Schnelle, bunte Schüsse verschiedenster Formen lassen mich schon bald den Überblick verlieren. Das Spiel wird zum virtuellen Münzgrab. Anstelle von pfiffigem Level-Design habe ich das Gefühl, im absoluten Chaos zu versinken. Tolle Schussmuster lassen sich in dem bunten Gewirr nur schwer ausmachen. Lediglich die erste Form des finalen Endgegners überrascht mich diesbezüglich. Nach dessen Ableben und einem Achievement im Wert von 7 Gamescore mag ich nicht mehr und gehe ins Bett.

Dieser Artikel ist mein Beitrag zu Manus Aufforderung, mal ein Review in 300 Worte zu fassen. Ich gestehe, es ist mir nicht leicht gefallen. Ich habs eigentlich gar nicht geschafft, denn es sind 301 Worte geworden. Macht von daher nix, da es das Wort caniner im Deutschen ja gar nicht gibt und somit kein Wort sondern eine Verunstaltung ist (sozusagen der Ephialtes hier im Text unter den 300 Spartiaten).

Update: Fairerweise muss ich hier noch aufführen, dass mich das Spiel im Wachzustand derzeit nicht loslässt und meine erste Wahl ist, wenn ich für eine halbe Stunde zocken möchte. Vielleicht schreibe ich in Zukunft also noch einen weiteren Test zu Trouble Witches.