Too Late

Am 6. Dezember 2016 in film

Am „Day of the Ninja“ sollte man eigentlich Filme mit Michael Dudikoff oder Sho Kosugi und vor allem ohne viel Niveau anschauen. So gebietet es die Tradition. Indie, Art House oder womöglich noch beides zusammen passt da eher weniger ins Bild. Wenn Netflix aber überraschend das 35mm-Drama „Too Late“ eingekauft hat, auf das ich schon sehnsüchtig gewartet habe, müssen die Ninja erstmal schmollend in ihren Dachkammern ausharren. Dann ist Kunstkino angesagt.

Und es ist einige Zeit her, dass ich dabei so positiv überrascht wurde, wie es hier der Fall war. Bereits den Trailer brach ich seinerzeit nach der Hälfte ab, weil mir das bis dahin gezeigte so dermaßen gut gefallen hat und ich keine Sekunde mehr davon verraten bekommen wollte. Die Info, dass John Hawkes einen Privatdetektiv spielt, reichte mir damals eh schon für das volle Paket Vorfreude. Und genau wie bei der Vorschau war auch beim abendfüllenden Film bereits nach wenigen Minuten klar, dass „Too Late“ etwas ganz Besonderes ist.

Von den einzelnen Akten, die jeweils ohne einen einzigen Schnitt auskommen, über das talentierte Ensemble bis hin zur Auflösung eines Rätsels, welches sich erst zum Ende hin formt, hält dieser Dialogfilm sein durchgängig hohes Niveau. Und John Hawkes kantiges Goldene-Jahre-Hollywood-Gesicht ist dabei das I-Tüpfelchen in jeder Szene.

Wenn ich jetzt anfange haarklein aufzuschreiben, warum ich „Too Late“ für höchste handwerkliche Kinokunst halte und weshalb ich genau von dieser Art Film einfach nicht genug bekommen kann, sitzen wir morgen noch hier. Stattdessen schone ich lieber eure Aufmerksamkeit und lege euch den Film hier und jetzt einfach wärmstens ans Herz. Netflix ist ja nicht aus der Welt.