The Warriors

Am 12. Februar 2007 in spiel

Als Rockstar “The Warriors”, ein Spiel basierend auf dem Film von Walter Hill und dem Roman von Sol Yurick, ankündigte, war die eingefleischte Warriors Fangemeinde erst einmal skeptisch. Schließlich wusste man zu der Zeit noch nicht, dass Rockstar ein für allemal klarstellen würde, dass es möglich ist, Filmumsetzungen qualitativ hochwertig zu Stande zu bringen. Wenn sich die Macher von Grand Theft Auto dem Thema Warriors annehmen, bleibt natürlich auch kein Auge trocken. Das wusste jeder und so ist es nicht verwunderlich, dass diese Spieleperle niemals offiziell in Deutschland erschienen ist. Leider, denn ein derartig komplexes Spiel wie The Warriors mit seiner dichten Atmosphäre und dieser Liebe zum Detail sucht man auf der Playstation Portable vergebens.

New York, Ende der Siebziger. Gangs haben die Straßen der City in Reviere unterteilt und lassen kaum eine Gelegenheit aus, sich mit ihren Widersachern anzulegen. Cyrus, der charismatische Boss der Riffs, plant alle Gangs zu vereinen, um eine Armee der Nacht aufzustellen, die größer als das gesamte Aufgebot der Polizei in New York City wäre. Bei einer Massenkundgebung der Gangs wird Cyrus allerdings hinterrücks von Luther, seinerseits Anführer der Rogues, erschossen. Da Fox, ein Mitglied der Warriors den Mord beobachtete, werden er und die Gang von Luther des Mordes an Cyrus beschuldigt. Angestachelt vom Piraten-Radiosender in New York City beginnt eine Hetzjagd durch die Nacht auf die Warriors, die erst einmal nur eins im Sinn haben: zurück nach Coney Island in ihr Hauptquartier zu gelangen. Lebend.

Anstelle die Geschichte des Film stur nachzuerzählen, will The Warriors als Spiel mehr. Nach der eins zu eins übernommenen Eingangssequenz des Films erfahren wir spielend, was vor dem Unglück geschah. Beginnend mit dem Graffiti-Künstler Rembrand und seiner Aufnahmeprüfung bei den Warriors schlüpfen wir abwechselnd in die Rollen bekannter Gesichter aus dem Film, um reichlich Chaos in den Straßen New Yorks zu veranstalten. Selbst die Gründung der Gang darf in Bonus-Episoden nachgespielt werden. Das interaktive Menü des Spiels ist das Hauptquartier in Coney Island. Von hier aus haben wir Zugriff auf neue und bereits gespielte Episoden, einen kleinen frei zu erkundender Teil Coney Islands mit vielen geldbringenden Nebenmissionen, eine 2D-Double Dragon Variante des Spiels namens Armies of the Night und einen ganzen Haufen Mehrspieler-Modi, bei denen wir uns im Team oder gegeneinander in illustren Prügel-Spielchen messen dürfen. Auch die Hauptmissionen können zu zweit bewältigt werden. The Warriors auf der PSP bietet all das, was die Versionen der Playstation 2 und Xbox auch zu bieten hatten und das ist einiges. Im Kern geht es dabei letztendlich immer um das eine: sich in den non-linearen Arealen New York Citys zünftig zu prügeln. Und da kann das Spiel dank erhabener Kampf-Motorik ebenfalls auftrumpfen. Die Kämpfe lassen viele Variationen zu und gestalten sich so sehr abwechslungsreich. Und hart. The Warriors blieb der deutsche Release nicht ohne Grund verwehrt. Zum Original-Soundtrack des Films werden die Prügeleien, an denen oftmals fünf und mehr Personen beteiligt sind, von knackigen Punch-Geräuschen, brechenden Nasenbeinen und verzweifeltem Ächzen beherrscht. Aber wie soll ein Spiel sonst zur Crème de la Crème der Brawler werden, wenn nicht so? Frust kommt dabei immer dann auf, wenn man dank schwammiger Kontrolle wiedermal am angepeilten Ziel vorbeiläuft. Oder wir uns in Stresssituationen auf die KI der computergesteuerten Gangmitglieder verlassen müssen, wenn diese uns den Rücken freihalten sollen, bis wir ein Graffiti beendet haben und dabei sehr schnell feststellen, dass wir verlassen sind. Glücklicherweise hält sich das im Ganzen betrachtet in Grenzen.

Wie Eingangs bereits erwähnt ist The Warriors in seiner Form einmalig auf einem Handheld. Wer sich in Ermangelung guter Brawler an die Zeit von Double Dragon und Streets of Rage zurücksehnt, darf hier mal wieder so richtig in einer Dimensionen mehr die Sau rauslassen. Seid ihr sogar noch ein Freund der Filmvorlage, ist der Kauf von The Warriors eh Pflicht. Man kann nur hoffen, dass Rockstar ein solches Projekt in Zukunft noch einmal angeht. Das ist weit interessanter als ein neues Grand Theft Auto. Demnächst erscheint übrigens auch noch ein The Warriors Spiel für die Xbox Live Arcade, dabei handelt es sich aber wohl lediglich um ein aufgepepptes Armies of the Night, der Automat im Hauptquartier der Warriors, der auch in der PSP, PS2 und Xbox Version enthalten ist.