The Swindle

Am 1. August 2015 in spiel

Als ich das erste Mal etwas von The Swindle sah, war ich hin und weg. Ein Roguelike, in dem ich die Rolle eines Diebes übernehme, der in Häuser eindringt, dort klaut, was nicht niet- und nagelfest ist und schnell wieder abhaut. Möglichst, ohne gesehen zu werden. Ein Schleichspiel mit zufällig generierten Leveln also. Gefühlt sollte mich so etwas ewig beschäftigen.

Als ich es vor ein paar Tagen dann blind erwarb und erstmals startete, kam der Schock: „100 DAYS REMAIN“. Hundert Tage bedeuten bei diesem Spiel hundert Einsätze. Was zum!? Zufällig erzeugte Spielgebiete sollten doch eigentlich den Spielspaß unendlich lange hochhalten, oder nicht? Dann der zweite Schock: Ich betrete das erste zufällig generierte Gebäude mit meinem ersten zufällig generierten Dieb, um einen gepflegten Raubzug zu begehen, gleite dafür an den Wänden eines Schachts hinunter und … komme ihn nicht mehr hoch. Ich bin eingesperrt! Mein erster Level, mein erster Job und mein erster Dieb, den ich bereits nach wenigen Minuten terminieren muss. Ich bin nicht amüsiert.

Dieser Zustand hält sich. Die Tage im Spiel verstreichen, die Diebe kommen und sterben. Sie treten in Fallen, lösen den Alarm aus, werden verprügelt, erschossen, gesprengt. Ab und an gelingt es mir, einen von ihnen erfolgreich zu Beute zu verhelfen. Dann winken Fähigkeiten, Waffen, Werkzeuge oder neue Gebiete. Alles sehr teure Luxusartikel und je mehr Geld es in einem Level zu erbeuten gibt, desto sicherer wird dieses bewacht. Nach hundert Tagen gehen die Lichter aus. Game Over. Ich fühle mich nicht gut. Ich fühle mich betrogen, während eine diabolische Stimme in meinem Kopf immer wieder The Swindle lacht. Ich gehe schlafen.

Der zweite Durchgang. Irgendwas an diesem Spiel hat dafür gesorgt, dass ich zwar super frustriert davon bin, nicht aber komplett demotiviert. Es ist einfach zu schön, mit seinem Steampunk Setting, irgendwo zwischen Limbo und Jeunet & Caros Delicatessen. Mit seinem fabelhaften Sounddesign. Mit seinen Momenten, die The Swindle ausmachen, wenn ich mich zum Beispiel auf dem Dach eines Gebäudes mit Dynamit eines Alarmsystems unter mir entledige, danach über eine Wand ungestört durch ein Fenster einsteige, sämtliche anwesenden Wachen erledige und dann den anfangs erspähten Computer knacke. Sprich, wenn ein Plan aufgeht. Dann ist dieses Spiel und vor allem das Spielgefühl großartig. Wenn ich nach solchen gemeisterten Raubzügen aber irgendwo kurz einmal nicht aufpasse, ist es um meinen Dieb, dessen Beute und meine Laune schnell wieder geschehen.

Aber der zweite Durchgang läuft irgendwie besser. Viel besser. Und das, obwohl alle meine Fähigkeiten und Upgrades wieder nichtig sind. Ich habe dafür die leicht frickelige Steuerung besser im Griff, weiß, welche Fähigkeiten sich lohnen erstanden zu werden und die miese, für ein Spiel dieser Art viel zu zickige Kollisionsabfrage, versaut mir weit seltener die Jobs. Erfolgs- und Frustgefühl wechseln sich trotzdem noch ab. Diebe kommen und gehen. Ich mochte Leah Brainchild. Ich verlor sie beim Entschärfen einer Mine. Am Ende werden aber wohl wieder hundert Tage vergangen sein und wieder wird dort sicher ein dickes Game Over stehen. Ein Blick auf die Trophäenliste verrät, dass es möglich sein muss, das Spiel zu schaffen. Diebische Intuition sagt mir, dass der 125.000 Britische Pfund teure Scotland Yard Hack etwas damit zu tun hat (Update: Nicht ganz).

Die Realität klopft mir auf die Schulter und lacht mich leise aus, während sie sich die Tränen aus den Augen wischt.

Bereits in der dritten von sechs möglichen Umgebungen sind die Gebäude so dermaßen gut bewacht und die Sicherheitssysteme so ausgefuchst, dass ich an meine spielerischen Grenzen stoße. Da bleibt nur eins: Augen zu und durch und dann Augen auf und vorsichtig sein. Im dritten Durchgang. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass dann alles noch ein Stückchen einfacher wird. Und so seltsam ich das selber auch finde: Ich freue mich darauf.

Achtung: Ich spiele es auf der Playstation 4. Die Vitafassung könnt ihr getrost vergessen, da die niedrige Bildrate im Zusammenhang mit dem, was die Steuerung euch abverlangt, euren Dieben bloß das Genick bricht.