The Revenant

Am 12. Januar 2016 in film

Bereits das letzte Kinojahr startete für mich mit einem Film von Alejandro González Iñárritu, und ähnlich wie bei Birdman saß ich auch bei The Revenant überwältigt da, als am Ende des Films die Namen der Mitwirkenden über die Leinwand flimmerten.

Die Erwartungshaltung von Seiten der Medien, dass Leonardo DiCaprio mit dieser Rolle nun endlich Hollywoods höchste Auszeichnung erhalten wird, ist hoch. So hoch, dass man sich fragen muss ob eine auf Überraschungen allergisch reagierende Veranstaltung wie die Verleihung der Oscars eine ist, es tatsächlich nicht tun könnte, wenn sie es denn wollte.

Verdient hätte er ihn, wie sicherlich zuvor auch schon. DiCaprio spielt ganz ohne Frage großartig und ist unangefochten das Herzstück dieses Films, aber auch Tom Hardy mit fiesem Dialekt, Domhnall Gleeson in Nordstaaten-Uniform und Will Poulter als junger Trapper sind wichtige Teile dieser leicht wahnsinnigen Inszenierung.

Sehr gefreut habe ich mich über die leider viel zu kleine Rolle von Joshua Burge, den ich nach Buzzard so ins Herz geschlossen habe und bereits darauf wartete, ihn endlich wieder spielen zu sehen. Ich hoffe inständig, dass ihm das Mitwirken in diesem Film Türen für größere Rollen öffnen wird.

The Revenant wirkt so ein kleines bisschen wie ein Valhalla Rising, allerdings mit mehr Dialogen als bloß einer Seite DIN A4, mit einer begreifbaren Handlung und als außergewöhnliches Revenge Movie inszeniert. Die wunderschönen Aufnahmen, die dank gedrosseltem Filmtempo stark auf den Zuschauer einwirken, wechseln sich mit Szenen bestialischer Brutalität und ganz viel Leid seitens DiCaprios Figur ab. Für meinen Geschmack auch schon mal einen Tick zu intensiv, obgleich ich gestehen muss, dass auch diese Abschnitte wirklich beeindruckend auf mich wirkten.

Ich konnte mich aber auch sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen, denn auch ich erlitt, dank der miesen Kinosessel im CinemaxX Hannover, für mein Empfinden schier unermessliche Qualen. Mittendrin statt nur dabei.

Am Ende sind es überraschenderweise nicht die wirklich umwerfenden Landschaftsaufnahmen, die das Kinoerlebnis für mich ausmachen. Es sind die symbolischen Szenen, in denen Themen wie Verwandlung oder Wiedergeburt in Bildern mitschwingen, die oft nur aus ganz viel Schnee und Blut zu bestehen scheinen.

Bleibt die Frage, ob sich die zweienhalb Stunden nun wegen der Lethargie der Kameraführung oder der ollen Kinositze wie volle vier Stunden angefühlt haben? Ich tippe auf beides, aber ersteres war doch deutlich angenehmer.