The Neon Demon

Am 28. Juli 2016 in film

Nicolas Winding Refns Kino ist unkonventionell, fremdartig, polarisierend … und Drive. Mit letzterem hat er viele neue Fans zu sich ins Kino gelockt und gut dreiviertel davon dürfte er mit seinem Folgefilm Only God Forgives bereits nach 30 Minuten wieder verloren haben. Aber Drive stand nie für das Gesamtwerk Refns. Sein natürliches Schaffensbild scheinen Filme wie Valhalla Rising, Only God Forgives und jetzt The Neon Demon zu sein. Filme, mit denen er, spätestens in deren letzten Drittel, ganze Sitzreihen in Kinosälen leert und mit denen er nun schon zweimal in Folge die Filmfestspiele in Cannes trollte.

Ich bin ein großer Fan all seiner Filme und auch, wenn The Neon Demon zu 80 Prozent ein bildhübsches Musikvideo zum wieder einmal großartig stimmungsvollen Cliff Martinez-Soundtrack ist und nur zu 20 Prozent eine Geschichte erzählt, darf man eines nicht vergessen: Letzteres sind 20 Prozent mehr, als es bei Valhalla Rising und Only God Forgives der Fall war.

Beauty isn’t everything. It’s the only thing.

Die Geschichte um die junge Jesse, überzeugend gespielt von Elle Fanning, als angehendes Model in L.A., das auf viel Anerkennung aber noch sehr viel mehr Neid stößt, ist gespickt mit überzeichneten, sehr befremdlich wirkenden Figuren, einem Keanu Reeves als Super-Arschloch, gelegentlichen paranoiden Wahnvorstellungen und einer Geschmacklosigkeit im Finale, die selbst im Refn-Kino ihres Gleichen sucht. Er mag es ja, uns unvorbereitet einen Hammer mitten ins Gesicht zu werfen und, soweit geht meine leicht masochistische Kino-Ader: Ich mag das auch. Meine Hochachtung gilt an dieser Stelle dem Hannover Art House-Publikum, das in unserer Vorstellung geschlossen bis zum Ende durchgehalten hat.

Wer dieses Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich wenig so schätze, wie das Unvorhersehbare in einem Film und da ist der Refn doch immer noch eine Bank und ganz oben mit dabei.