The Necessary Death of Charlie Countryman

Am 10. Dezember 2013 unter film

Ich stehe einsam und alleine auf einer Bühne. Vor mir ein Mikrofonständer samt Mikro. Dahinter die Umrisse der wenigen, übrig gebliebenen Zuschauer. Zigarettenqualm hängt in der Luft. Der nächste Witz zählt. Kommt er an, ernte ich das Lachen der Zuschauer. Krepiert er im Rohr, bin ich raus. Ich hole tief Luft und atme forsch aus. „Kommen Shia LaBeouf, Til Schweiger und Ron Weasley in eine Bar …”

Was wie ein schlechter Witz klingt, ist das durchaus mutige Regie-Debüt von Fredrik Bond.

Es gibt nur eine Handvoll Schauspieler, die ich nicht gerne sehe. Und ich mag es nicht, dass ich die nicht mag. Also gebe ich ihnen regelmäßig eine Chance, indem ich mir immer dann einen neuen Film mit ihnen anschaue, wenn es so aussieht, als würden sie sich aus der ihnen zugeteilten Schublade heraushangeln. Shia LaBeouf ist so ein Fall. Und sein Hundeblick ist ein wichtiger Grund dafür. Der Teufel ist ein Eichhörnchen und so schaut LaBeouf auch als Charlie Countryman zwei Stunden lang mit eben diesem Hundeblick in die Kamera.

Das macht es für mich nicht einfacher, den Film zu mögen. Mads Mikkelsen hingegen schon. Der spielt den unberechenbaren Psychopaten mit akuten Stimmungsschwankungen mit Bravour und bis hin zur Gänsehaut. Die eigenwillig eingefangene Stimmung und Atmosphäre Budapests Bukarests ließen das Hundegesicht dann vollends sekundär erscheinen. Und da gebe ich meiner Frau recht: Das Trottelige steht LaBeoufs Charakter hier durchaus gut. Ich hoffe glaube jetzt einfach mal, dass er das nur gespielt hat.

Charlie Countryman ist ein Film, über den die deutsche Filmvertriebs-Industrie wahrscheinlich jetzt noch lacht. Oder auf einer ihrer Weihnachtsfeiern, wenn der Büro-Kasper sich mit einer Hand die Krawatte lockert und mit der anderen Bier verschüttet, während er angetrunken von diesem Film mit Til Schweiger, dem Einen aus Transformers und dem rothaarigen Harry Potter erzählt, und er sich noch vor der Pointe mit Krabben und Lachs bekotzt.

Nein, wenn ihr den im Kino sehen wollt, könnt ihr lange warten. Oder ihr habt das Glück, ein Filmfest in angemessener Entfernung erreichen zu können. Dann schon eher. Im US iTunes Store gibt es den Film aber derzeit zum Preis einer Kinokarte zu leihen. Gebt euch einen Ruck und bezahlt dort für ihn. Dann war das Debüt vielleicht nicht auch gleichzeitig noch der letzte Film des Regisseurs. Er hätte es verdient, denn dieser Film spukt mir nach zwei Tagen immer noch im Kopf herum. Trotz Hundeblick.

Ich hole tief Luft und atme forsch aus. „Sagt der Barmann zu Til Schweiger: Warum so’n langes Gesicht, Kumpel?“