The Mark of Kri

Am 3. April 2016 in spiel

Weil hier noch die entstaubte Playstation 2 rumsteht, habe ich über einen Mini-Urlaub hinweg The Mark of Kri gespielt. Eigentlich wollte ich erst The Mark of Kri und dann den Nachfolger Rise of the Kasai spielen, aber da wusste ich noch nicht, zu welcher Schandtat mich der erste Teil treiben würde.

Eins vorweg: Beide Teile sind derzeit leicht aufgepeppt und digital für die Playstation 4 erhältlich. Allerdings für stolze 15 Euro pro Spiel. Da läuten bei mir ja schnell mal die Alarmglocken. Für alte Spiele auf neuen Konsolen sollte meiner Meinung nach immer nur ein Obolus fällig sein und nicht Beträge, für die ich aktuelle, native Spiele für diese Plattform bekomme.

Egal: Ich hatte Glück und beide Spiele auf dem Dachboden. Ich starte frohen Mutes mit The Mark of Kri und einem guten alten Dual Shock 2. Zu meiner Verwunderung läuft auch dieses Spiel die meiste Zeit mit einer sauberen Bildrate von wahrscheinlich 60 Bildern pro Sekunde. Mit LEGO Star Wars: The Original Trilogy und Maximo ist das nun das dritte Spiel, welches ich dieser Tage auf der alten Playstation 2 zocke und ich mich genau darüber freue. Mir fallen spontan keine drei Spiele auf der Playstation 4 ein, die 60 Bilder pro Sekunde bieten (obwohl ich natürlich weiß, dass es die gibt … irgendwo).

Lediglich die Steuerung ist sehr gewöhnungsbedürftig. Die Priorität lag hier ganz eindeutig darauf, dass sich alles ganz wunderschön wie in einem Disney-Film bewegt und nicht etwa sofort das tut, was der Spieler will. Es kann einem beim Erklimmen einer Leiter schon mal den letzten Nerv rauben, wenn Titelheld Rau erstmal in Ruhe die Waffe wegsteckt und dann gemächlich nach oben steigt, während sich ein, zwei Pfeile durch seine Schultern und Waden bohren oder eine Axt seinen Scheitel streift.

Den Barbaren auf eine Horde Gegner loszulassen wirkt dann aber immer noch recht spektakulär. Das trickreiche Zielsystem, das mich mit dem rechten Analogstick Gegner anvisieren und diese mit Interaktions-Symbolen versehen lässt, die dann den Tasten X, Viereck und Kreis entsprechen und mit denen ich die Widersacher zielgenau attackieren kann, geht schnell in Fleisch und Blut über und sorgt für selbiges auf der Tanzfläche. Schleichen geht auch und weil Barbaren eigentlich gar nicht schleichen, kompensiert Rau das mit Anfällen noch extrem brachialer Gewalt.

Immer noch großartig: Kuso, der gefiederte Wegbegleiter an Raus Seite. Erspähe ich einen für ihn vorgesehenen Platz in einem Baum, auf einer hohen Mauer oder auf einem Dach, kann ich ihn mit einem Tastendruck dorthin fliegen lassen, woraufhin ich auf Wunsch, wie der junge Bran Stark, durch seine Augen die Umgebung erkunden kann. Eine wunderbare Idee.

Pfeil und Bogen haben es mir damals sehr angetan und die machen mir hier auch heute noch Spaß. Trotzdem bin ich leicht verwundert, dass mich dieses Spiel auch Stunden später noch so fesselte. Wälder, Tempel und Ruinen habe ich mit Rau bereist und ordentlich hohe Berge an dahingeschiedenen Gegnern hinterlassen, als ich im finalen Level, mit dem Erhalt der beidhändig zu schwingenden Streitaxt, an einen Punkt angelangt bin, der für mich nicht mehr tolerabel ist.

Das Spiel will einfach nicht mehr enden. Raum für Raum stellen sich mir immer wieder aufs Neue zwei Handvoll Gegner in den Weg, die ich mühevoll zur Strecke bringe, während Bogenschützen auf mich schießen. Vor jeder neuen Tür denke ich: Das muss es jetzt sein. Und nach jeder Tür steigt die Wut in mir hoch, in Anbetracht dieser billigen Masche, den Schwierigkeitsgrad nach oben zu treiben. Eine glatte Sechs in Sachen Level-Design. Traurig.

Hatte ich erwähnt, dass ich meinen Spielstand nur mit dem Einsatz einer Speicher-Rolle sichern kann? Und davon habe ich zu Beginn jedes Levels genau null! Der Einsatz eingesammelter Rollen muss also genauestens geplant werden. Ansonsten sind undankbare Rücksetzpunkte (meist am Anfang des Levels) angesagt. Damit kann ich leben wenn das Level-Design das berücksichtigt. Im finalen Abschnitt von The Mark of Kri hat sich da aber niemand mehr wirklich Gedanken gemacht. Nicht einmal Schleichen ist hier noch möglich. Alles wird für ein Marathon-Massaker über Bord geworfen, bei dem ich bereits nach zehn Minuten alles gesehen habe. Trotzdem zieht es sich ewig hin.

Am Ende ist das hier dabei rausgekommen:

Bild

Der Barbar in mir ist jetzt jedenfalls geweckt. Und die Playstation 2 kommt natürlich wieder auf dem Dachboden!