The Man From U.N.C.L.E.

Am 14. August 2015 in film

Guy Ritchie ist ein Filmemacher, dem gerne immer dann erzählerische Schwäche vorgeworfen wird, wenn er gewohnte Filmpfade verlässt und ganz unkonventionell eben nicht in einer Gangster-Komödie ein großes Fass emotionaler Probleme aufmacht. Das finde ich ja an seinen Filmen immer am erfrischendsten. Guy Ritchie ist auch jemand, der uns immer noch einen The Real RocknRolla schuldet. Den hat er am Ende von RocknRolla mal angepriesen. Da war nicht nur sein von mir sehr geschätztes Gangsterkino, mit feinen, ausgefeilten Dialogen in den dreckigen Mündern von Mördern, Dieben und Drogendealern zu Ende, sondern fast auch schon seine Karriere, weil kaum mehr einer über seine Filme (die ja immer alle gleich waren) und alle lieber über seine Ehe geschrieben haben.

Aus The Real RocknRolla wurde bis heute nichts. Stattdessen widmet er sich der Neuverfilmung von Kulturgut aus Literatur und Fernsehen. Nach zwei eigenwilligen Interpretation des Sherlock Holmes Stoffs, zu denen ich nie den richtigen Zugang fand, ist es jetzt Napoleon Solo, unser Mann von U.N.C.L.E., eine Serie, die mal schwarzweiß in den Sechzigern begann und die Abwesenheit von James Bond im TV kompensieren sollte. Im Gedächtnis geblieben ist mir (ich bin zwar alt, aber nicht so alt) nur der Blonde mit dem beklopptem Haarschnitt, den ich bis zur Sichtung der Neuauflage fälschlicherweise immer für besagten Napoleon Solo hielt.

Natürlich ist Solo aber der Amerikaner im Team. Also der mit der schönen Frisur und Illya Kuryakin, der Kommunist, hat den ollen Pottschnitt. Diese Art Klischees pflegt auch das Drehbuch des Ritchie/Wigram Duos weiterhin, wenn auch, zum Glück, ohne den Pottschnitt. Und das ist gut so, denn alles andere würde doch auch gar nicht zu diesem Setting passen. Ritchies U.N.C.L.E. ist ein Prequel und seine Story, mit ihren kuriosen Gadgets aus Zeiten des Eisernen Vorhangs, die auch mal wie Leuchtdioden aus dem Krämerladen für elektronischen Kleinkram nebenan wirken, hätte genau so auch damals im TV laufen können.

Natürlich bedient sie sich heute seiner meisterlichen Art in Szene gesetzt zu werden. Bei derart toll inszenierten und technisch beeindruckenden Verfolgungsjagden ist es fast egal, dass man sich Henry Man of Steel Cavills gelackte Fresse irgendwie erträglich trinken muss. Naja, ehrlich gesagt, passt sein Marlboro Mann Gesicht doch hundertmal besser zu einem Macho Agenten als zum Sohn Kryptons. Zu Beginn des Films fragte ich mich noch, warum eine Neuverfilmung dieses Stoffs, in Zeiten wo garantiert kein James Bond oder Ethan Hunt Notstand mehr herrscht, eigentlich Sinn machen sollte. Jetzt bin ich überrascht, wie gut dieser leichte, irgendwo auch betagte Stoff, doch ins moderne Gewand der Ritchie-Trick-Kiste passt und wie daraus plötzlich große Unterhaltung wird.

Seinen alten Filmen hinterher zu trauern wäre unfair. Im Gegenteil, ich freue mich, dass ich nach der Sherlock Pause wieder Zugang zu einem neuen Werk von ihm gefunden habe und so richtig habe ich eh nie geglaubt, dass The Real Rocknrolla ernst gemeint war. Ist auch gar nicht nötig, denn The Man From U.N.C.L.E. ist einfach tolles Action Kino.