The Last Guardian

Am 13. Dezember 2016 in spiel

Ich persönlich habe ja nicht mehr daran geglaubt, aber es ist tatsächlich wahr: Sonys gigantisches Image-Projekt Fumito Uedas Mammut-Projekt „The Last Guardian“ ist nach knapp zehn Jahren Entwicklungszeit wirklich fertig und dreht sich auf einem antiquierten Datenträger in meiner Playstation. Der Volksmund sagt dazu „was lange währt ist endlich gut“ woraufhin geneigte Videospieler mit Hang zur Vorfreude ja eher in Tränen der Verzweiflung zu ertrinken drohen. Und auch „The Last Guardian“ wird bei der Masse sicherlich nicht besonders gut wegkommen, aber für die wurde dieses Spiel auch nicht konzipiert. Das hier ist richtig teurer Fan-Service für Menschen, die „ICO“ und „Shadow of the Colossus“ geliebt haben. Nicht „gespielt“, sondern richtig „geliebt“ haben. Ich bin so einer und ich liebe auch „The Last Guardian“ und finde es ist absolut beeindruckend.

Natürlich ist es nach dieser langen Zeit in der Entwicklung grafisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit und das war es wahrscheinlich auch nie, was aber nicht bedeutet, dass es nicht hübsch ist oder gar wie ein Playstation 2 Spiel aussieht. Außer man hat schon sehr lange keinen Playstation 2 Titel mehr gespielt. Technisch überzeugt „The Last Guardian“ vor allem mit den sensationellen Verhaltensweisen des zuckersüßen Fabelwesen Trico, das mit unserer Spielfigur im Fell über riesige Abgründe springt, uns finstere Gesellen mit animalischer Wucht vom Leib hält oder einfach mal faul eine Kratzpause einlegt. Das entschuldigt, zumindest für mich, die immer noch sehr schwammige Steuerung des Protagonisten. Und die wie immer katastrophale Kameraführung, die mir bereits kurz nach Spielbeginn aufgefallen ist, als meine Kinnlade das erste Mal wieder hochklappte. Was das betrifft, scheint niemand die jahrelangen Klagerufe bezüglich des geistigen Vorgängers wahrgenommen zu haben. Immerhin wurde die Handhabung deutlich vereinfacht und zum Klettern ist es jetzt nicht mehr nötig, dauerhaft eine Taste gedrückt zu halten. Ein Segen, denke ich an den halb tauben Zeigefinger zurück.

Grob gesagt mache ich im Spiel nichts anderes, als einem riesigen Tier irgendwie klarzumachen, dass es jetzt hier rüberspringen oder dort hineingehen soll und mitunter ist es dabei begriffsstutziger als unser fauler und auch ein kleines bisschen dummer Hauskater, der gerne mal einfach so vom Tisch fällt, während er mich beobachtet und dabei niedlich guckt. Aber das macht die Illusion eines tierischen Begleiters am Ende erst so richtig perfekt. Und neben dem typischen Team ICO-Flair kommt noch hinzu, dass sich „The Last Guardian“ wieder wie etwas völlig neuartiges spielt. Und das, obwohl sich die Basis des Spiels mit der von „ICO“ vergleichen lässt und das gigantische Wesen in einer gigantischen Umgebung eine Symbiose beider Vorgänger ist. Hatte ich bei „ICO“ aber noch jede Sekunde, die ich das schutzlose Mädchen Yorda alleine lassen musste, Angst ihr würde etwas zustoßen, ist es hier genau umgekehrt: Trico kann sehr wohl auf sich aufpassen und im Gegensatz zu mir kann er sich sogar erfolgreich wehren. Ich dagegen bin der Umgebung und meinen Widersachern hilflos ausgeliefert. Sobald mein tierischer Begleiter mal nicht mehr schützend neben mir steht, weil uns zum Beispiel ein Tor oder ein anderes Hindernis trennt, erkunde ich die Hallen und Gänge deshalb automatisch vorsichtiger und jede neue Ecke wird mit höchster Obacht inspiziert. Denn im Notfall hilft hier nur eins: Wegrennen und verstecken.

Früher hätte ich ein Spiel dieser Güte nach drei Tagen vollständig durch gehabt und wäre wahrscheinlich schon mitten in meinem zweiten Durchgang. Heute ist das anders, denn meine Tochter erlaubt mir das Spielen mit Trico nur, wenn sie dabei zuschauen darf. So wird „The Last Guardian“, wie bereits „Shadow of the Colossus“ zum Familien-TV-Event und das zieht sich dann etwas. Viereckige Augen und so.

Die audiovisuelle und emotionale Erfahrung, die dieses Spiel so wertvoll macht und die sich bei allen Team ICO Titeln gleicht habe ich, seit ich das letzte Mal „Shadow of the Colossus“ zum gefühlt zwanzigsten Mal durchgespielt habe, wirklich vermisst. Es ist schön, dass das Warten endlich ein Ende hat und noch ein bisschen toller ist es, dass es sich tatsächlich auch gelohnt hat.