The Jungle Book

Am 26. April 2016 in film

Das Dschungelbuch heißt hierzulande jetzt The Jungle Book. Da hatten offenbar selbst die sonst so locker angebundenen deutschen Marketing-Kasper von Disney Respekt und kamen einmal nicht mit einer Namensänderung daher, die wirkt, als hätten die Verantwortlichen lediglich den Mickey Maus-Agentenausweis in der Bewerbungsmappe vorzuweisen. Auch Jon Favreau und alle anderen Beteiligten haben diesen Reboot derart respektvoll behandelt, dass ich mich nur ehrfürchtig verneigen kann.

Der vorsichtige Balanceakt zwischen Disney-Original und Kipling-Vorlage ist vorzüglich gelungen. Die Computeranimationen, auf die ich normalerweise eher allergisch reagiere, sind makellos und beeindruckend umgesetzt. Und Kinderstar Neel Sethi macht seine Sache fast schon beängstigend gut, denkt man mal an die Voraussetzungen des Drehs, der sich ja wohl hauptsächlich vor einem Green Screen abgespielt haben dürfte.

Beängstigend ist ein gutes Stichwort. Denn was Shere Khan da in Favreaus Verfilmung treibt, dürfte bei so manchen Kindern für ordentlich Pipi in den Augen, wenn nicht sogar in der Hose sorgen. Perfekt, wenn man eh plant, den sechsjährigen lieben Kleinen demnächst mal Peter Jacksons Herr der Ringe-Saga näher zu bringen. Ich halte ein Mindestalter von acht Jahren für diesen Film für eine gute Orientierung, denn die kindliche Leichtigkeit des Originals ist hier einer (großartig) düsteren Atmosphäre gewichen.

Da dürften sich einige jüngere Besucher gefreut haben, wenn alte, lieb gewonnene Lieder angestimmt wurden. Ich war übrigens bis zur deutschen Sichtung (meine Entschuldigung: die Tochter) der Meinung, jeder außer mir könne die Lieder aus Das Dschungelbuch zumindest halbwegs gut singen. Pustekuchen. Mindestens zwei weitere Menschen können das ebenfalls nicht. Ich gehe aber mal davon aus, dass keines der anwesenden Kinder meine Fremdscham diesbezüglich teilte.

Mein Highlight ist Scarlett Johanssons Schlange Kaa, deren Szene ein kleines, aber absolut episches Meisterwerk ist und definitiv jetzt schon zu meinen Jahres-Highlights gehört. Und ihre beachtliche musikalische Leistung im Abspann rundet das Filmerlebnis zusätzlich ab. Hier habe ich mich zuletzt bei Emiliana Torinis Gollum’s Song derart in einem Kinosessel gefreut.

Am Ende gibt es, ab von dem Gejammer der deutschen Synchronsprecher, nur eine einzige Sache, die mir richtig weh tat: The Jungle Book läuft im Seitenverhältnis 1.85:1, was in etwa 16:9, also dem heimischen TV-Format entspricht. Ich verstehe, dass dadurch bei einer derart aufwendigen, am Computer gerenderten Produktion, viel Zeit und Geld gespart wird, aber alles was im Kino nicht die gesamte Leinwand ausfüllt, wirkt bei mir leider immer nur wie ein besserer Videoabend. Aber da bin ich wohl auch sehr empfindlich.