The Interview

Am 7. Februar 2015 in film

So langsam aber sicher haben sich die Wogen um „The Interview“ geglättet. Das hat etwas gedauert. Ich mag nie Teil dieser Wogen sein, also habe ich mit dem Anschauen des Films gewartet, bis sich alle Beteiligten beruhigt haben. Diejenigen Zuschauer, die normalerweise nichts mit Rogen/Goldberg Filmen anfangen können, die Torrent-Downloader, die für den Film eh nichts bezahlt hätten, die Neugierigen, die wissen wollten, worum es bei dieser Sache eigentlich geht und zu guter letzt noch die Rogen/Goldberg Fans, die sich auf neuen Stoff gefreut haben. Sie alle haben sich auf diesen Film gestürzt. Mitunter wie Geier und viele ihrer Schreie sind erst vor Kurzem verstummt.

Jetzt komm ich. Passt ja, denn diese Woche lief der Film offiziell in Deutschland an. Keine Frage, dass er das tut ist mehr als wichtig. Kaum ein Film hat in letzter Zeit mehr Diskussionen über Redefreiheit, Demokratie, Terrorismus und Überwachung losgetreten als ausgerechnet „The Interview”. Das ist die Macht grenzwertiger Satire und der Grund, warum es sie immer geben muss. Gerade jetzt, in den Nachwehen von Charlie Hebdo ist das ein weiteres Mal auch ein Statement.

Aber „The Interview” ist auch einfach bloß ein Seth Rogen/James Franco Film. Nie so großartig wie etwa „This is the End”, aber auch in keinster Weise mit höherem Anspruch, was das Thema vermuten lassen könnte. Es ist schlicht ein lustiger Film und etwas anderes wollte er sicher auch nie sein, bevor ein paar verblendete Halbwüchsige sich einen Spaß gemacht haben und anfingen, Sony und die Kinoketten zu bedrohen, wenn dieser Film denn gezeigt werden sollte.

Dass der Film daraufhin zuerst digital veröffentlicht wurde, ein Szenario, welches ich mir für alle neuen Filme so sehr wünsche, war auf der anderen Seite ein sehr interessantes Experiment. Eines, das dann allerdings augenscheinlich in die Hose gegangen ist. Leider. Denn mehr Publicity als “The Interview” bekommen hat, geht nun wirklich nicht und trotzdem hat man nur einen Teil der Kosten wieder eingespielt. Und die vielen Neugierigen, die sich unter anderen Umständen nie für diesen Film interessiert hätten, trieben auch noch die eigentlich dämliche, in der Gesellschaft aber fest verankerte Meta-Kritik auf undankbare 50 Prozent herunter.

Mir hat er trotzdem Spaß gemacht und genau das geboten, was ich von Anfang an von diesem Film erwartet habe. Die Fäkal-Witze hätte man für meinen Geschmack gerne etwas zurückschrauben können und irgendwo fehlte mir bei den Dialogen die Balance zwischen Seth Rogen und James Franco, der Ersteren mit seiner gnadenlos fantastischen Darstellung des niveaulosen Boulevard-Moderators Dave Skylark schlicht an die Wand gespielt hat. Vor allem in den Szenen mit Randall Park als ganz, ganz tollem Kim Jong-un.

Am Ende ist „The Interview” eben doch nur ein lustiger „Inglourious Basterds”, ohne dessen schlechte deutsche Schauspieler, aber mit gefühlt nicht weniger Gewalt und unterm Strich für mich persönlich auch weit amüsanter.