The Get Down

Am 21. August 2016 in serie

Der „Get Down“ ist der Teil eines Songs, der zu einem dopen Breakbeat geloopt werden kann. Nichts verstand? Dann stellt euch einfach mal James Browns „Funky Drummer“ vor. Habt ihr im Kopf? Gut. Jetzt spult dort einfach drei Minuten vor und irgendwo da müsste dieses wahnsinnig gute Trommel-Solo anfangen. Und genau das ist der „Get Down“. Weil dazu dann die Menge abgeht, wenn dieser Teil des Songs gekonnt von zwei Schallplatten auf zwei Plattentellern so gemixt wird, dass er sich beliebig lange wiederholt. Über kurz oder lang führte das zur Sampling- und damit unweigerlich auch zur wichtigen Remix-Kultur. Und zu Gerichtsverfahren, die senile Idioten wie Kraftwerk immer mal wieder führen, weil sie nicht kapieren, dass nicht selten auch das Original von einem Sample oder einem Remix durch diese Kultur erneute Aufmerksamkeit bekommt.

Wie dem auch sei: Der „Get Down“ wird euch in der gleichnamigen Netflix-Serie noch viel besser erklärt, denn er zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Staffel und webt die Geschichten aller beteiligter Figuren zusammen. Der „Get Down“ ist hier aber noch mehr. Er ist auch eine Metapher auf das Leben der Protagonisten, die alle nach der einen coolen Stelle in ihrem Dasein suchen. Das ist in den späten Siebzigern in der Bronx, die im wahrsten Sinne des Wortes brennt, kein leichtes Unterfangen.

Und weil Buz Luhrmann das alles irgendwo zwischen Wild Style, Beat Street, The Warriors und seinem eigenen Film Romeo & Juliet inszeniert, ist dieses Coming of Age Drama wunderbar bunt und überdreht. Da darf Ikonen der Geschichte wie Grandmaster Flash und Kool Herc schon mal eine Siebziger-Kung-Fu-Film-Ästhetik umgeben, eingeschnittenes Archivmaterial das gelungene Bild der Bronx unterstreichen und Herizen Guardiola auch mal einen souligen Ausflug zu Sister Act machen. Luhrmann darf das und unterm Strich ist es ein ziemlich gewagtes Experiment, das ich als gelungen bezeichnen kann.

Justice Smith als Ezekiel ist ein absoluter Knaller und seine Reibeisen-Stimme in seinen Rap-Parts eine echte Offenbarung. Wenn er im Piloten der Serie mit Kloß im Hals erstmals etwas Spoken Word zum Besten gibt, dann ist das ein kraftvoller Gänsehaut-Moment.

Und dann ist da auch noch Nasty Nas, der als Stimme aus der Zukunft in kurzen Songs regelmäßig sein Resume zur Story vorträgt. Und weil ich im Eingang dieses Texthäppchens so schön über die Kraftwerk-Attitüde gemeckert habe, darf ich mich hier auch nicht darüber beschweren, dass der Bengel von Will Smith (dessen schauspielerischen Beitrag ich in „The Get Down“ sehr schätze) meinen geliebten Song „Vitamin C“ der Kölner 70s-Funker Can auf dem Soundtrack aufs Äußerste malträtiert.