The Defenders

Am 25. September 2017 in serie

Das Netflix-Marvel Universum ist wie Eis. Gibt es gefühlt an jeder Ecke und macht Bauchweh, wenn man zu viel davon konsumiert. Beim nächsten Mal hat man aber trotzdem wieder Bock drauf. Iron Fist war kein gutes Eis, und trotzdem finde ich mich jetzt vor der einhundertsiebenundzwanzigsten Marvel Serie von Netflix wieder: The Defenders. Mit einem Eis in der Hand, denn ich habe herausgefunden, wie ich Marvels Netflix-Serien genießen kann, ohne Bauchschmerzen zu bekommen, weil sie entweder leicht dilettantisch umgesetzt sind, ab der Hälfte ihren Drive verlieren oder generell viel zu lange laufen: Ich darf sie nicht mehr ernst nehmen. Warum hat mir bisher niemand gesagt, dass es so einfach ist? Dass ich eine bärenstarke Alkoholikerin, ein kugelsicheres Carhartt-Model, einen himmlischen Kung-Fu Krieger und einen Blinden, der die Flöhe husten hört nicht ernst nehmen sollte, kann ich ja nicht wissen. Schließlich trägt nur einer von ihnen ein illustres Kostüm!

Egal, denn plötzlich machen die Defenders richtig Spaß. Da kann ich über Daredevils moralische Zwickmühle hinwegschmunzeln, die manische Leck-mich-Arsch-Attitüde von Jessica Jones in vollen Zügen genießen und die aufkeimende Bromance zwischen Iron Fist und dem Power Man mit hochgestreckter Faust zur Solidarisierung feiern. Selbst wenn Misty Knight in einer käsig triefenden Szene der ihr bis dato völlig fremden Colleen Wing auf einer Polizeiwache ein Katana überreicht, nur damit die Fangemeinde der „Töchter des Drachen“ mit Tränen der Freude in den Augen auf eine eigene TV-Serie hoffen kann, amüsiert mich das.

Am Ende habe ich diese Serie sicherlich genauso schnell vergessen, wie die Vorgänger, die ihren Weg bereiteten mussten. Aber geschmeckt hat es diesmal trotzdem. Und wenn der Punisher kommt, bin ich auch wieder bereit für eine Kugel. Also vom Eis.