The Deer God

Am 12. November 2014 in spiel

Ich sitze mit meiner Tochter an unserem MacBook. Sie sitzt auf meinem Bein und zusammen steuern wir ein Rehkitz durch einen Wald. Ich laufe mit D, sie springt mit W oder isst Kräuter von kleinen Büschen mit S. Weder meine Tochter noch ich sind Generation WASD, also Spieler, die mit den Tasten W, A, S und D eine Figur in einem Spiel steuern können. Ich spiele normalerweise gar nicht an Computern sondern nur an Konsolen. Mit vernünftigen Pads, die im Lieferumfang enthalten sind. Meine Tochter ist eher der Minecraft mit Pad und iPad-Spiele-Typ.

Aber dieses kleine Rehkitz hat es uns angetan. Es gehört zur frühen Alpha-Version des Spiels The Deer God, welches ich vor Monaten über Kickstarter als Teil der Crowd mitfinanziert habe. Ich hoffte, die Entwickler würden genug Geld zusammen bekommen, um die angestrebte Playstation 4-Fassung zu realisieren. Haben sie leider nicht. Dafür kommt das Spiel demnächst neben PC und Mac auch für Nintendos WiiU. Immerhin. Den Zugang zur Test-Version im frühen Alpha-Stadium der Mac- und PC-Version gab es bereits vor einiger Zeit. Angeschaut habe ich mir diese aber erst vor ein paar Tagen.

Jetzt sitzen wir hier und steuern ein Rehkitz mit den Tasten W, A, S und D, sehen dabei zu, wie es heranwächst. Wie es zu einem Reh wird. Wie es sich in einen Hirsch verliebt. Wie sie Kinder kriegen. Ab und an zuckt meine Tochter auf meinem Schoß zusammen, schreit „FUUUUUCHS!“ und ich erschrecke mich mit. Dann gilt es, besagtem Fuchs zu entkommen, später Bären und sogar Krokodilen. Gelingt uns das nicht, werden wir Zeuge der Reinkarnation und spielen mit unserem Nachwuchs weiter.

Wenn es keinen Nachwuchs mehr gibt, ist das Spiel vorbei. Das ist vom Gesamteindruck her ganz, ganz großartig, denn auf diese Weise wird „The Deer God“ mit seinem dreidimensionalen Pixel-Look zur Reinkarnation des klassischen Jump’n’Runs. Ein Hüpf-Spiel, wie damals, bei dem man sich aber mit Hilfe des Kreislaufs des Lebens um den Vorrat an demselben kümmern muss, um weiterzukommen. Genial.

Meine Tochter liebt „das Spiel mit dem Reh“ jetzt schon und mir wird klar, dass es viel zu wenig Videospiele gibt, bei denen ich ein Reh spiele. Die Rolle des Rehs in der Popkultur ist keine besonders große. Zu unrecht, wie sich dank „The Deer God“ herausstellt.

Ich freue mich sehr auf die finale Version dieses Spiels und ich werde sie genau hier an diesem MacBook spielen. Egal, ob mit den Tasten W, A, S und D oder mit einem GamePad, das ich hoffentlich irgendwie angeschlossen bekomme.

„FUUUUUCHS!“