The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford

Am 16. Juni 2013 in film

Wir haben The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford von Andrew Dominik nachgeholt und fragen uns jetzt, warum dieser Film nicht viel öfter in höchsten Tönen gelobt wird? Dank Brad Pitt gab es die nötige Medienpräsenz zum Release. Aber Pitt zieht offensichtlich nur im Genre der Massentauglichkeit. Das ist bei Dominiks Killing Them Softly so und war auch schon bei Jesse James der Fall. Hinzu kommt dann noch die Länge des Films. Fast drei Stunden. Da bekommt so mancher Zuschauer, der die neuen Medien auf YouTube eigentlich via Durchklicken konsumiert, bereits beim Anblick der Zahl zittrige Augenlider.

Und ein Western? Tarrantino kann das oder besser: Der darf das. Nein, einen Western macht außerhalb elitärer Kreise von Kult-Regie-Assen niemand mehr, wenn er danach gerne noch einen weiteren Film machen würde. Das erklärt wohl auch die Masse an Produzenten im Vorspann, die einem das ungute Gefühl geben, Andrew Dominik sei in Hollywood mehrere Monate mit dem Klingelbeutel und auf Knien von Tür zu Tür gekrochen, um das Geld für dieses Projekt zusammen zubekommen.

Aber wisst ihr was? Wenn dem so war, dann hat es sich gelohnt. Denn dieser Film ist nicht etwa eine Hommage an das Genre. Er will sogar nicht der dreckige Spaghetti-Streifen sein. Dieser Film spielt in einer Liga mit Eastwoods Unforgiven und True Grit von den Coens. Er ist lediglich ein Western, weil er Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika spielt. Er fühlt sich aber selten wie einer an.

Stattdessen sind da Bilder, die im Zusammenspiel mit Nick Caves Musik eine Mischung von beängstigender und fast schon hypnotisierender Atmosphäre schaffen. Da ist Casey Affleck, der mir mit Stimme, Texas-Dialekt und einem Gesichtsausdruck, irgendwo zwischen Unsicherheit und Wahnsinn, beinahe stetig einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Und da ist das Finale. Ein Finale, dessen Ausgang zwar von Anfang an klar ist, dessen handwerklich und künstlerische Ausführung von Kamera, Musik, Pitt, Affleck und der Smartbomb des Filmgeschäfts, Sam Rockwell, so gut gelungen ist, dass man die ganze Zeit über gebannt an den Schirm gefesselt dasitzt.

Da ist es schon ein bisschen schade, dass der Schnitt am logischen Schlusspunkt des Films vorbei rauscht, wie ein ungebremster Zug durchs Auenland. Und auch die Charakterentwicklung im Epilog wirkt hastig und nachgereicht. Aber das macht nichts, denn bis dahin wurde großartiges Kino präsentiert. In seiner Art eigen. Das ist gut. Das mag ich.