The Ape

Am 11. April 2012 unter film

Man soll ein Buch nicht anhand des Covers vorverurteilen. Filme auch nicht. Es gibt aber Filme, da weiß man ganz genau, was man bekommt. Nur durch bloßes Anstarren des Covers. Fakt. So geschehen bei “The Ape”, von und mit James Franco. Beim Anblick der Hülle in der lokalen Videothek wusste ich, dass ich hier etwas in der Hand halte, was es eigentlich nicht mehr geben sollte. Ich blickte mich irritiert um, zwickte mich sogar. Ich war wach. Und offensichtlich immer noch im Jahr 2012. Nicht in den Neunzigern, in die ich das Cover einsortiert habe. Irgendwie habe ich dann richtig Lust auf den Film bekommen. Ich rief also meine Frau an. Ich: „Hallo Schatz, hast du Lust auf ein Experiment?”. Sie: „Handschellen?” Ich (überlege kurz): „Nee, eine Blu-ray mit James Franco und einem Gorilla”. Sie: „Oh … klar.”

2005 drehte Franco den Film, der auf einem Theaterstück, ebenfalls aus seiner Feder, basiert. Moment! Franco? Genau. Jetzt wissen wir endlich, warum der so ein gutes Händchen mit Affen in Rise of the Planets of the Apes hatte. Er konnte ja bereits 2005 üben. Jetzt ist der Film dann auch mal in Deutschland auf Blu-ray erschienen. Gleich zu Beginn fällt hier die miese Qualität der blauen Scheibe auf. Ich musste mich direkt noch einmal vergewissern, nicht aus Versehen eine geliehen zu haben. Ne, war eine Blu-ray. Die sieht dann leider so aus, als hätte ich mich persönlich um die Komprimierung gekümmert. Und glaubt mir, ich verstehe davon weniger als nix.

Zum Inhalt: Franco spielt Harry. Harry möchte einen Bestseller schreiben. Er verlässt dafür temporär seine Familie auf dem Land(!), um in der Großstadt(!) Ruhe zum Schreiben zu finden. Er mietet sich ein Apartment, richtet es spärlich ein und entdeckt, dass es von einem Gorilla bewohnt wird. Äh. Genau. Filme, die es eigentlich nicht mehr geben sollte. Nun denkt ihr natürlich sofort an die WETA Affen aus “Rise”, aber nee. Der hier, großartig gespielt von Brian Lally, trägt Klamotten und eine hässliche Maske. Wunderbar. Seine Vorbereitung auf die Rolle war sicherlich ähnlich intensiv, wie die von Andy Serkis beim Planet der Affen. Nur die Richtung ist eine etwas andere. The Ape, wie er von Harry zärtlich genannt wird, bleibt eine geheimnisvolle Figur. In der einzigen privaten Szene des Apes, sehen wir ihn zu einer Gorilla-Dokumentation onanieren. Ansonsten steht er Harry zur Seite, um ihn aus seiner Krise, nun ja, sagen wir mal zu helfen.

Der schreibt deswegen nicht unbedingt besser, lässt aber selbst mehr und mehr den Affen im Menschen raushängen. Das ist jetzt zwar nichts Neues und auch nicht grandios verfilmt, aber auf sehr unterhaltsame Weise eigenartig. Eigentlich sieht alles so aus, als würde es immer noch ein Theaterspiel sein. Das hat mir beim Zuschauen durchaus Spaß gemacht und ich war die ganze Zeit über gespannt, wie sich dieser Film auflösen würde. Das ist dann leider etwas in die Hose gegangen. Ihr kennt das. Da spielt ihr zig Stunden Mass Effect 3 und dann möchtet ihr am Ende gerne eine Alternative einklagen. Hoffentlich hat Franco sich da abgesichert. Egal. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht und das Ende geht auch erst in der letzten Minute den Bach runter. Leider, nachdem es kurz zuvor verspricht, so richtig gut zu werden.

Wie dem auch sei. Filme dieser Art gibt es nicht mehr und deswegen lohnt es sich, “The Ape” eine Chance zu geben. Allerdings solltet ihr ihn leihen, denn die deutsche Tagline (Auf diesem Planeten laust dich der Affe) verhindert, dass er in irgendeinem Regal stehen sollte. Soviel Strafe muss sein, lieber Vertrieb. Wollt ihr ihn zu zweit schauen, zum Beispiel ebenfalls mit dem Ehepartner, dann macht es aber wie ich und fragt, ob der/die für ein derartiges Experiment in der Stimmung ist. Wenn nicht, nehmt ihr einfach die Handschellen und amüsiert euch damit. Viel Spaß!