Tenchu Z

Am 19. September 2014 in spiel chambara ninja

Der Schritt zur nächsten Generation ist getan. Mit Tenchu Senran debütiert das Ninja Genre auf der XBox 360. Dabei haben es sich K-2, ihrerseits Entwickler der beiden Vorgänger auf der PS2 sowie den beiden Handheldtiteln für PSP und Nintendo DS, nicht nehmen lassen endlich die längst überfällige Gameplayrevolution durchzusetzen.

Viel wurde in der Vergangenheit über die Serie gemeckert. Immer wieder warteten die Nachfolger mit interessanten neuen Ideen auf und immer wieder scheiterte man auf lange Sicht an kleinen Ungereimtheiten, die der Serie schon seit dem ersten Teil anhafteten. Mit Senran soll alles anders werden. Und das ist es auch.

Gleich zu Beginn wird der Spieler gezwungen, seinen eigenen Shinobi oder die eigene Kunoichi zu entwerfen. Erstmal nur die Basis: Gesichtszüge, Hautfarbe, Frisur und ein paar Fetzen Stoff. Danach geht es an den Partner, den ihr ebenfalls selbst kreieren müsst und der euch im Verlauf des Spiels in Zwischensequenzen begegnet. Und wie sieht es mit den liebgewonnenen Ninja der Serie aus? Rikimaru, Ayame, Rin und Co? Fehlanzeige. K-2 zieht einen Strich unter die bisherige Tenchu Geschichte. Rikimaru steht euch zwar als Oberhaupt der Azumaninja immer noch zur Seite, selbst spielen könnt ihr aber nur mit den eigenen Charakteren. Als Entschädigung bietet Senran die Möglichkeit, alle bekannten Tenchu Ninja im Editor nachzubauen. Für all diejenigen, die nicht anders können. Eine Warnung: habt ihr euren Schützling und dessen Begleiter erstellt, gibt es keine Möglichkeit mehr, seine Gesichtszüge, Hautfarbe oder das Geschlecht zu ändern. Klamotten, Frisur und Schmuck können allerdings jederzeit neu angelegt und umgestylt werden. Wer einmal mit einem Shinobi und einmal mit einer Kunoichi spielen will, muss sich leider zwei Profile anlegen.

Im Spiel angekommen, müsst ihr unter der Leitung Rikimarus die obligatorische Trainingsmission absolvieren. Hier werden euch alle Gameplayelemente erklärt und ihr dürft sie an Ort und Stelle an Hand ahnungsloser Gegner erproben. Hier wird schnell deutlich, dass sich K-2 wirklich Mühe gegeben hat, sinnvolle Elemente ins Spiel zu integrieren.

So ist es wie in Teil 2 endlich wieder möglich, das Schwert per Tastenkombination zu ziehen, bzw. es wieder wegzustecken. Der Vorteil: setzt ihr bei gezogenem Schwert sofort und ohne zu zögern zu einem Stealth Kill an, ist es mit blossen Händen jetzt möglich den Gegner zu packen und ihn im Schwitzkasten umher zu ziehen. Auf diese Weise könnt ihr Wachen aus offenen oder gut beleuchteten Passagen in dunkele Ecken ziehen, um sie dort unbemerkt auszuschalten. Dabei ist es euch überlassen, ob ihr eure Opfer nur K.O. schlagt oder ihnen das Leben nehmt. Entscheidet ihr euch für letzteres, ist es sogar möglich den Stealth Kill noch zu variieren, indem ihr den Gegner auf den Boden oder an eine Wand drückt, bevor ihr den tödlichen Stich ausführt.

Auch beim Observieren wurde das Repertoire erweitert. Bevor ihr zum Beispiel eine Tür öffnet oder einschlagt, ist es jetzt möglich durch einen Spalt in das Innere des Raums zu spähen, um eine Infiltration besser planen zu können. Wer auf Nummer Sicher gehen will, betritt den Raum gar nicht erst und wartet vor den Papiertüren auf den auftauchenden Schatten der potentiellen Opfer, um sich derer einfach mit einem Stich durch die Wand zu entledigen. Ninja haben keinen Stolz.

Im Laufe des Spiels könnt ihr noch gut ein Dutzend neuer Techniken erlernen, die euch das Assassinenleben deutlich vereinfachen und die ihr auf Basis eurer Stärkenverteilung einsetzten könnt. Diese besteht aus drei Parametern: Widerstandsfähigkeit, Geschwindigkeit und Kraft. Professionelle Schleicher verzichten dabei komplett auf offene Auseinandersetzungen und somit auf Widerstandskraft zugunsten von Geschwindigkeit und Stärke um weiter springen zu können. Neulinge sind hingegen eher angehalten es mit guten Mittelwerten bei allen drei Attributen zu versuchen. Die Werte dürfen vor jeder Misison beliebig verändert werden.

Nach der Verteilung eurer Stärken richten sich dann auch die Techniken, die ihr im Spiel einsetzen dürft. Vom bekannten Ninjablick um Gegner in der Ferne auszuspähen oder gar mit einem gezielten Shuriken in den Nacken sofort auszuschalten, über die Möglichkeit sich an der Decke fortzubewegen und von dort aus auch Wachen auszuschalten, bis hin zum kurzzeitig flinken Entlanglaufen an Wänden wird euch einiges geboten. Sehr interessant sind hier auch die Techniken, die nichts mit einem direkten Angriff zu tun haben. So kneten sich geschickte Shinobi ihren Reiseproviant während eines Einsatzes auf die Schnelle einfach selbst oder sie imitieren die Stimmen von Gegnern um diese zu verwirren. Senran bietet viel innovativen Schnick-Schnack um den Spieler bei Laune zu halten.

Das ist auch wichtig, denn bevor ihr dem gnadenlosen Unterdrücker Oga und dem rivalisierenden Ninja Shigi gegenüber steht, müsst ihr nicht weniger als 50 Missionen bestehen. Die meisten davon haben nur ein Ziel, das Ausschalten einer Zielperson und laufen alle nach ein und dem selben Schema ab: ihr schleicht euch an Wachen vorbei, an sie heran oder über sie hinweg und versucht so unbemerkt zu eurem Opfer vorzudringen. Offene Kämpfe gilt es zu vermeiden und bis auf zwei Bosskämpfe im ganzen Spiel ist es möglich alles und jeden hinterrücks mit einem einzigen Angriff auszuschalten. Lediglich ein paar Sammel- und die ein oder andere Aufklärungsmission schaffen Abwechslung im kargen Ninjaleben. Schlimm ist das nicht wirklich, denn das Schleichen über die Dächer der riesigen Level mit einem nie zuvor da gewesenem, extrem hohen Gegneraufkommen bieten Genreliebhabern ultimativen Spielspaß. Und die ein oder andere knackige Herausforderung. Zumindest auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad.

Einstellungen, wie das Verschieben der Fähigkeiten, das Ausrüsten mit Gegenständen wie z.B. vergifteten Reisbällen sowie dem Ändern des äusserlichen Erscheinungsbilds erledigt ihr im Camp. Hier könnt ihr euch auf engstem Raum frei bewegen und die einzelnen interaktiven Menüs in Form von Hütten ansteuern. Hier erwirbt man auch neue Items und Gegenstände etwa zum Erleichtern von Missionen oder lediglich zum Ausschmücken des Charakters. Das Geld für diese Spielereien verdient ihr euch in den Missionen, wobei die Belohnung je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad und eurem Auftreten in der Mission unterschiedlich hoch ausfällt.

Das Camp dient nebenbei auch als Lobby für Multiplayerspiele über XBox Live. Bis zu vier Spieler können dann gemeinsam im Coop die Originalmissionen des Spiels bestreiten.

Ein großer Schwachpunkt der Tenchuspiele war immer die Mechanik für den offenen Kampf. Auch der beste Ninja fällt in einem unachtsamen Moment mal vom Dach oder blickt während eines Kills in die Augen eines vermeidlichen Zeugen, und so wird man auch bei Senran nicht drum herum kommen gegen ein oder mehrere Gegner antreten zu müssen. Groß getan hat sich hier leider nichts. Zwar ist es jetzt möglich, kleinere Spezialattacken auf vorgegebene Kettenkombinationen zu legen, im großen und ganzen schlägt sich der Held bei eskalierten Konflikten aber immer noch recht unbeholfen durch. Auch der aus dem Vorgänger bekannte Ninjutsublock, einem Counter der den Angreifer für einen Moment zurückweichen lässt, offen für einen Gegenangriff, verschafft euch immer noch keinen weiteren Vorteil. Hier hätte ich mir einen Instant Death gewünscht, wie man es z.B. aus Way of the Samurai 2 kennt. So ist man eher geneigt, dem Getümmel zu entkommen um sich irgendwo in einem Busch oder hinter einer Hausecke zu verkriechen, bis wieder Ruhe einkehrt. Was dank der immer noch etwas eindimensionalen Gegner K.I. auch ganz gut funktioniert. Hier haben Genrekollegen wie etwa Shinobido bereits ein anderes Zeitalter eingeläutet. Bei den Wachen aus Senran ist das leider noch nicht angekommen. Dafür wurden ihre Sinne deutlich geschärft.

Habt ihr euch nämlich im offenen Kampf für einen Ninja “unsauber” duelliert, erkennt man dieses im neusten Tenchu Teil im wahrsten Sinne des Wortes. Offene Kämpfe hinterlassen auf euerer Kleidung blutige Spuren und das können die empfindlichen Nasen der Wachen riechen, wenn ihr ihnen zu nahe kommt. Da kann es schon mal passieren, dass man sich an ein potentielles Opfer anschleicht und dieses sich kurz vor dem Erreichen mit gerümpfter Nase umdreht und euch im letzten Moment entdeckt. Da hilft nur ein Bad im Wasser oder ihr benutzt eines der neuen Items, ein Duftwässerchen. Kein Shinobi geht mehr ohne aus dem Haus.

Nicht nur die Nase, auch Ohren und Augen hält das Personal niederträchtiger Lehnsherren jetzt weitaus offener als zuvor. Dafür bietet das Spiel jetzt neben dem bekannten Ki-Meter, das die Entfernung zum nächsten lebenden Subjekt angibt, auch zwei Anzeigen für Optik und Akustik. Wer immer im Schatten bleibt und sich von Busch zu Busch bewegt, der hält die optische Anzeige im untersten Bereich und kann sich so unbemerkt auf Armlänge an Gegner heranschleichen. Oder auf dessen Pfad einfach darauf warten, dass das Opfer zum Killer kommt. Noch besser: ihr könnt Gegner geduckt aus einem Busch heraus auch überraschen und sie auf den Boden, in den Schutz des Busches, drücken. Auf diese Weise ist es möglich Wachen in der Umgebung zu beobachten, während man einen Gegner in Schach hält. Haben sich alle Wachen in der Umgebung abgewandt, kann man den Überwältigten unbemerkt erledigen.

Wer wie ein Ochse durch das Level läuft, der lässt mit seinen Schritten die akustische Anzeige ausschlagen, was ebenfalls Wachen in der Umgebung aufmerksam machen kann. Auch das Ziehen des Schwertes wird von den trainierten Ohren der Samurai aufgenommen. Hier empfiehlt sich ein nützliches Item. Einmal vor Beginn der Mission ausgewählt, wird die Klinge für den gesamten Levelverlauf geölt und geschwärzt. So ausgerüstet lässt sich das Schwert nahezu lautlos ziehen und es reflektiert kein Licht, was das Verstecken in Büschen noch sicherer macht.

Die Steuerung mit dem XBox 360 Pad ist an die der PS2 Vorgänger angelehnt und kann anfänglich auf Grund der neuen Features etwas überladen wirken. Nach etwas Spielerfahrung legt sich dieses Gefühl aber und sie wird, was die wichtigsten Funktionen angeht, intuitiv. Lediglich die Schleichtaste sollte man schnell von RB auf den rechten Trigger legen, denn die hält man wirklich zu 90% im Spiel gedrückt und dafür sind die Alibi Tasten LB und RB wahrlich nicht gemacht, wie ich schmerzlich erfahren musste.

Etwas mager sieht es leider mit dem Soundtrack aus. Die musikalische Untermalung mit viel traditionellen Klängen ist nicht wirklich schlecht, wirkt im Vergleich zu der epischen Akustik der Vorgänger, im Speziellen von Noriyuki Asakura, doch eher wie belangloses Fahrstuhlgeplänkel. Nach mittlerweile 80 Stunden Spielzeit blieb bei mir nicht ein einziges Thema hängen. Glücklicherweise gibt es die Customsoundtrack Funktion der XBox 360 und den Tenchu 1, 2 und 3 Soundtrack im iTunes Music Store zu kaufen. Da kann man sich schon recht gut behelfen.

Tenchu Senran hat immer noch Macken. Aber nur noch kleine. Es mag auf den ersten Blick nicht so aussehen, aber es ist ein kleine Genrerevolution. Keine große, wie damals Teil 1 oder Acquire’s Shinobido, aber dennoch eine kleine. Und vor allem eine wichtige. Eine die sagt, dass es hier nur um Schleichen und das Agieren aus dem Verborgenen heraus geht. Eine die zeigt, dass man auf Selbstverständlichkeiten wie etwa fordernde Bosskämpfe und abwechslungsreiche Missionen verzichten kann, wenn sie nicht ins Konzept passen. Zugunsten einer spielerischen Erfahrung, die man nur bekommt, wenn man dunkel gekleidet über virtuelle Dächer in üppige Häuser oder gewaltige Burgen eindringt um dort unbemerkt einen dreckigen Assassinen Job zu verrichten. Und wieder zu verschwinden. Unbemerkt, aber als Spieler glücklich.