Tearaway Unfolded

Am 13. Februar 2016 in spiel

In Tearaway Unfolded gibt es ein Erdhörnchen, das heißt Liam (Name von der Redaktion geändert). Unsere Tochter hat dem Nager diesen Namen gegeben, nachdem er mit diversen Papierschnipseln von ihr verziert wurde. Liam, weil das der Name eines Jungen in ihrer Schule ist, den sie ganz gern hat, was wohl auch auf Gegenseitigkeit beruht. Das ist total süß.

Ich würde Liam gerne mal ordentlich die Fresse polieren, ihn danach mit dem Kopf dreimal auf den nächsten Tisch hauen und ihn dann an Bord einer nordkoreanischen Trägerrakete im Pazifik versenken. Nicht den echten Liam. Bloß das doofe Erdhörnchen aus Tearaway Unfolded.

Der Grund für diesen Hass ist schnell erklärt: Liam ist wie die Pest am Arsch! Unfoldeds Geschick, qualitativ hochwertiges Gameplay für Gelegenheitsspieler mit optionalen, sehr fordernden Aufgaben für erfahrene Spieler zu vermischen, scheitert spätestens mit der Existenz Liams. Während meine Tochter ihm bloß den Namen und sein erweitertes Aussehen gegeben hat, bin ich der Blöde, der sich der optionalen Aufgabe stellt, ihn immer wieder aus verzwickten Situationen zu befreien und dann zurück nach Hause zu bringen. Weil ich Tearaway Unfolded gerne zu einhundert Prozent durchspielen möchte.

Doof nur, dass Liam dabei unverletzt ankommen muss und sich ebenfalls wieder verzieht, sobald meine Heldin besiegt wird. Das alleine wäre schon fies, aber es kommt noch viel schlimmer. Wenn Liam zum Beispiel beim Ablegen oder Wegwerfen wieder einmal irgendwo reinfällt oder permanent hängenbleibt. Wenn ich ihn aus Versehen in einen Abgrund werfe, weil die Taste dafür die selbe ist, wie die, mit der ich das zum einhundertsten Male gelesene Gequatsche anderer Figuren abkürze. Wenn ihn irgendein Objekt zum Lösen eines Puzzle unglücklich touchiert und er deshalb irgendwo runterstürzt. Wenn die verdammte Kamera meine Sicht versperrt und ich mit ihm zusammen in den temporären Tod stürze. Wenn die Rücksetzpunkte pervers dämlich gesetzt sind und sich bestimmte Zwischensequenzen, die ich deswegen schon gefühlt vierhundert mal gesehen habe, immer noch nicht abbrechen lassen. Wenn, wenn, wenn. Wenn es Liam in Tearaway Unfolded nicht geben würde, wäre mein Kontingent an Fäkal- und Vulgärflüchen nicht längst am Limit des Dispos angekommen.

Ist er aber. Und so bleibt mir nur der Einsatz kaltblütiger, aber zutiefst befriedigender Rache. Ihn irgendwo runter zu schubsen wäre zu schnell. Zu einfach. Zu sauber. Ich habe eine bessere, weit befriedigendere Art und Weise gefunden, mich an dem beschissenen Erdhorn zu rächen: Demütigung. Liams Fehler war, dass er mich, den Spieler (das Wesen, wie es im Spiel heißt) immer mal wieder fragt, ob ich ihm nicht ein neues Aussehen verpassen möchte. Unfoldeds gestalterische Bordmittel sind mächtig und so läuft der kleine Liam fortan mit einem dicken Haufen dunklen Kot auf dem Kopf herum:

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