Star Wars: The Force Awakens

Am 21. Dezember 2015 in film starwars

Ich spare mir an dieser Stelle nicht den Hinweis, dass meine Texthäppchen auf Donswelt eh immer spoilerfrei sind. Außer bei persönlichen Details aus meiner Kindheit.

Vor 32 Jahren habe ich Star Wars das erste Mal im Kino gesehen. Und ich ärgerte mich sehr, als mich meine kindliche Blase ausgerechnet mitten in der Schlacht von Yavin hinaus aus dem Saal und rauf auf’s Klo zwang. Heute habe ich Return of the Jedi mindestens drei Dutzend Male in gefühlt drei verschiedenen Versionen gesehen. Kein einziges Mal davon war so intensiv, wie mein erstes Mal im zarten Alter von zehn Jahren. Bis Samstag durfte ich danach noch drei neue Star Wars-Filme im Kino bewundern (Karawane der Tapferen nicht mitgezählt, aber ja, auch den habe ich im Kino gesehen) und jedes Mal hatte ich dieses wahnsinnig aufregende Gefühl im Bauch, wenn zu Beginn die 20th Century Fox Fanfare ertönte. Diese Fanfare ist nun Geschichte, denn die Star Wars Milliarden liegen heutzutage im Entenhausener Geldspeicher von Disney. Und trotzdem war das Gefühl bei mir noch nie so emotional großartig, wie Sonntag im Kino bei The Force Awakens. Als das Star Wars-Thema zum siebten Mal ertönte und gelber Text über schwarzes Firmament flimmerte, standen mir die Haare auf den Armen vor Aufregung sprichwörtlich zu Berge (Haartyp: Sean Connery/Wolverine, also halber Wookie).

Was dann kam, und ich denke, das kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, war das maximal Mögliche, was in Sachen Star Wars aktuell machbar ist, um alle Seiten irgendwie zufrieden zu stellen. Das ist nicht immer perfekt, aber auch nichts, was die Extraportion Franchise-Bonus nicht wettmachen könnte. Fanservice wird am Stück und fast ohne Ende geliefert, fühlt sich letztendlich aber selten so unausbalanciert an, wie etwa bei Peter Jacksons The Hobbit. Ein, zwei Aussetzer mal ausgenommen.

Der Anteil an Humor ist zwar irritierend hoch, steht aber deutlich im Kontrast zu einem ansonsten sehr, sehr düsteren Film. Ich kann mir vorstellen, dass der Antagonist in nächster Zeit die Lager spalten wird, wie zuvor keine andere Star Wars Figur. Ich für meinen Teil halte ihn für einen sehr interessanten Charakter, finde ihn gut durchdacht, perfekt besetzt und bezeichne ihn zusammen mit der großartigen Eingangsszene des Films als mein persönliches Highlight. Die neuen Protagonisten sind teilweise zwar nicht immer ganz so glaubwürdig, machen aber allesamt großen Spaß und Schauspielerin Daisy Ridley, wie auch ihr Alter Ego sind das wahrscheinlich beste, was dieser Saga und überhaupt der Rolle von Frauen in dieser Art Film, passieren konnte.

Ich mag außerdem, dass sich der Film zu keiner Zeit genötigt fühlt, groß zu erklären, wie es denn nun zu all den Ereignissen in Episode VII überhaupt gekommen ist. Der Eingangstext und ein paar Gesprächsfetzen hier und da müssen reichen. Wie damals bei Episode IV. Eben auch ein bekanntes Star Wars Element, was zukünftigen Drehbuchautoren sicherlich noch zu gute kommt, wenn die Prequels zu den Sequels kommen und wir alle schon nicht mehr können.

Eine große Rolle und ebenfalls eine beliebte Formel der alten Teile ist der Zufall. Eigentlich geschieht alles zufällig und dann seltsamerweise auch immer gleich am richtigen Ort. Das wird zuweilen arg strapaziert und an gewissen Punkten hatte ich das Gefühl, dass die Galaxis wohl doch nur ein Dorf sein kann. Was in anderen Filmen undenkbar ist, stört in einem eh schon naiven Weltraummärchen unterm Strich aber erstaunlich wenig.

Dafür sorgt letztendlich auch das Setting mit seinen beeindruckenden Schauplätzen. Das hier der hohe Einsatz von mechanischen Puppen und von Hand gebauter Sets die vielleicht beste Entscheidung im Vorfeld der Produktion war, wird klar, wenn diese wunderbar nostalgische Star Wars-Ästhetik zu wirken beginnt. Ich reagiere, was generische Computeranimationen angeht, mittlerweile eh arg überempfindlich. Ein Zustand, an dem die Episoden I bis III nicht ganz unschuldig sind. Bei Episode VII hält sich das glücklicherweise in Grenzen.

J.J. Abrams bewies bereits mit Super 8, dass er die Filmmagie einer Ära, die er selbst nur als Kind erlebt hat, problemlos zurück auf die Leinwand bringen kann. Mit The Force Awakens ist ihm das wieder gelungen. Auch wenn für das Drehbuch einige Male zu oft auf bekannte Muster der alten Trilogie zurückgegriffen wurde. Aber wem kann man es verdenken auf Nummer sicher zu gehen, wenn es um einen Film mit derart hohen Erwartungen geht? Vom wahrscheinlich unmenschlichen Erfolgsdruck mal abgesehen.

Möge die Macht mit den Verantwortlichen der zukünftigen Filme sein und hoffen wir, dass die Angst vor zu wenig Umsatz nicht all zu groß sein wird. Denn Furcht führt ja bekanntlich zu Wut, Wut zu Hass und Hass zur dunklen Seite. In diesem Fall wäre das dann wohl ein völlig überbesetzter Film voller seelenloser Computeranimationen und schmalzigen Streichern zu denen hilflose Frauen in Zeitlupe vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Während der Hulk irgendein Rancor alles kaputt macht. Bitte nicht.