Splinter Cell: Conviction

Am 22. April 2010 in spiel

Splinter Cell. Das ist vor allem immer Tom Clancy. Und deswegen immer ein guter Grund für mich gewesen, die Materie zu ignorieren. Habe ich mich trotzdem mal dazu durchringen können, den Spielen eine Chance zu geben, konnten sie mich nie wirklich lange fesseln. Und ausgerechnet mit dem fünften Teil dieser Serie erfüllt mir Ubisoft einen Traum, den ich seit dem ersten Tenchu auf der PSOne hege.

Sam Fisher ist zurück und sauer. Zurückgezogen auf Malta erfährt er von seiner ermordeten Tochter Sarah und wird zu allem Überfluss auch noch von alt bekannten Partnern im Geheimen aufgespürt. Ehe er sich versieht, stehen tausende von Menschenleben inklusive das der Präsidentin auf dem Spiel und Fisher ist natürlich der Mann, der all das verhindern kann, soll und auch tut. Dafür spendierte ihm das Entwickler-Team einige neue Gameplay-Finessen, wie etwa das kinderleichte spurten per Knopfdruck von einer Deckung zur anderen, die neue Visualisierung seiner Tarnung durch farbige, beziehungsweise schwarz-weiße Darstellung der Umgebung und die Möglichkeit, bis zu vier Gegner gleichzeitig zu eliminieren, wenn man zuvor einen erfolgreichen Kill aus der Deckung heraus ausgeführt hat. Allein oder zu zweit dürfen wir nach wie vor mit netten Gimmicks hinter verschlossene Türen spähen, hangeln uns an Rohren über feindliche Wachen und wenn es drauf ankommt, ballern wir aus allen Rohren, die uns zur Verfügung stehen. Das macht dank der anfangs angesprochenen Neuerungen alles unvergleichlich mehr Spaß als je zuvor in der Serie und eigentlich auch mehr Spaß als bei allen anderen Vertretern des Schleich-Genres, lässt uns aber immer dann kalt und angeödet die Mundwinkel krümmen, wenn der Clancy im Spiel durchdringt. Ganz ehrlich. Terror und amerikanische Präsidenten allein reichen bei mir eigentlich schon aus, jede weitere Zwischensequenz desinteressiert weg zu klicken.

Nein, die Story ist ganz sicher nicht die Stärke des Spiels. Zwei Optionen weiter unten im Hauptmenü wird es da schon spannender, denn im Spielmodus “Deniable Ops” dürfen wir uns eine Ein-Mann-Spezialeinheit ausrüsten und im Hunter-Spielmodus eine von sechs großzügigen Karten in jeweils fünf Abschnitten von je zehn zufällig positionierten Gegner bereinigen. Natürlich so unauffällig wie möglich. Denn wenn wir eine Wache aufschrecken ruft die einmalig zehn zusätzliche Gegner auf den Plan und wir müssen zusehen, wie wir aus der verzwickten Situation wieder herauskommen. Ein Fest für alle Freunde des Schleichspiels. Für Abwechslung sorgt der “Last Stand”-Modus, wo wir einen EMP-Bombenkoffer vor herannahenden Wellen von ebenfalls jeweils zehn Gegnern beschützen müssen. Zwischen den Angriffen nutzen wir Haftminen und andere Gadgets um die nächsten Schurken mit einem großen Knall zu überraschen. Über Ubisofts eigenes Belohnungs-System Uplay können wir zusätzlich noch den Infiltrations-Modus freispielen. Hier bedeutet entdeckt zu werden das sofortige Scheitern der Mission und ist deswegen nur etwas für wirklich erfahrene Spieler mit Hang zu Videospiel-Masochismus.

All diese Modi können ebenfalls im Co-op, online oder offline per Splittscreen gespielt werden. Das Motivierende dabei: egal, welchen Modus ihr spielt, bescheren euch bestimmte Kills über ein spieleigenes Belohnungssystem Bonuspunkte, mit denen ihr Waffen, Werkzeuge und Uniformen aufrüsten könnt. So gibt es immer einen Grund ein weiteres Mal über die gelungenen Karten im Spiel zu schleichen.

Conviction macht technisch und spielerisch einfach alles erschreckend richtig. Aufgrund des gewaltigen Umfangs ist das Spiel die Killer-Applikation schlechthin für all diejenigen, die in diesem Genre aufgehen. Mehr noch: der “Deniable Ops”-Modus ist spitze und degradiert den Storymodus beinahe zur gönnerhaften Beigabe. Dafür befreie ich auch gerne zum x-ten Mal den Präsidenten, Herr Clancy.