Spieglein, Spieglein

Am 26. September 2007 in prosa spiel

„Spieglein, Spieglein an der Wand, welches ist das schönste Playstation 2 Spiel im ganzen Land?“ fragte der gelangweilte Kratos den Zauberspiegel, den er zwischen all dem erbeuteten Krempel in Olympus fand.

„Deins, Kratos. God of War II ist das schönste Playstation 2 Spiel im ganzen Land.“, antwortete der Spiegel mit drei Stückchen Zucker auf der Zunge.

Der Spartiate rieb sich die groben Hände. „Sauber.“

„… nur Ôkami, im Land der aufgehenden Sonne, ist noch schöner als deins.“

„Hm?“. Der hochgewachsene Krieger bäumte sich auf und starrte mit weit aufgerissenen Augen in das Spiegelbild des weißen Wolfs Amaterasu. „Ein Hund!?“

Der Spiegel ließ sich nicht beeindrucken und antworte mit einem knappen „Wolf.“

Kratos wollte aufschreien, aber der Spiegel ergriff ein weiteres mal das Wort. „Außerdem hat’s Blumen.“

„Blu …?!“, Kratos Wut wandelte sich in ungläubige Verwunderung. „Aber …“, ruhig Kratos, dachte er bei sich. Das ist nur ein Spiegel, ich bin ein Sohn Spartas. Er überlegte einen Moment und spielte dann mit ausgestrecktem Zeigefinger einen Trumpf aus: „Tattoos!“.

Der Spiegel machte ein unbeeindrucktes Gesicht.

„Ja nee“, murmelte Kratos in sich hinein, „hat er auch”. Seine Hand fuhr als Gedankenstütze an die runzlige Stirn. Er blickte an die Decke und dachte laut. „Schöne Waffen? Hat er auch. Magie? Hat er auch. Knapp bekleidete Frauen? Hat’s auch. Diese verdammten Baumwichtel.“

„Baumgeister“ berichtigte ihn der Spiegel.

Kratos Faust ballte sich zu einer bedrohlichen Waffe. „Halt-dei-nen-Mund“ drang es durch seine zusammengepressten Zähne. „Ich muss nachdenken.“

Eine erdrückende Stille breitete sich im Raum aus. Eine antike Uhr tickte stetig vor sich hin. Immer lauter und lauter. Der Spiegel sehnte sich nach Lippen, auf denen er ein fröhliches Lied hätte pfeifen können.

„Blut!“ Das Wort schnitt die Stille wie ein scharfes Schwert und ein triumphierendes, aber auch erleichtertes Grinsen machte sich in Kratos Gesicht breit. „Literweise frisches, leuchtend rotes Blut!“

Der Spiegel blickte müde drein, überlegte einige Sekunden und sprach: „Blut ist ja wohl kaum schön.“

„BLUT IST SCHÖN!“, schrie Kratos den Spiegel an, „Ich bin ein Sohn Spartas und der Gott des Krieges!“

„Nö, Blumen sind schön und ich bin ein Spiegel“, erwiderte der Spiegel, „ich muss es ja wohl wissen.“

Kratos wollte einen Fluch aussprechen während er den Spiegel mit dem ausgestreckten Zeigefinger bedrohte. Nach einem kurzen Moment hielt er inne. „Ach, leck’ mich doch“. Er wandte sich vom Spiegel ab, verließ kopfschüttelnd den Raum und machte sich auf, irgendwas zu töten.