Small Town Crime

Am 30. Januar 2018 unter film

Ich habe einen Faible für Filme und Serien mit John Hawkes. Dessen wurde ich mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich ein weiteres Mal Dennis Haucks Too Late sichtete. Wer kann eine 15-Minuten Szene mit mehreren längeren Dialogen, einer Prügelei, einer Tanzszene und einer Gesangsdarbietung mit Gitarre ohne einen einzigen Schnitt und so derart lässig darstellen wie dieser Mann? Wer? Wenn ihr Too Late noch nicht gesehen habt, holt das bitte nach. Es wäre der Film, den ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde, auf der es zufälligerweise Strom, einen Fernseher und einen Blu-ray Spieler gibt. Ihr könntet jetzt natürlich auch Small Town Crime schauen, aber ganz ehrlich wäre das im direkten Vergleich die schlechtere Wahl.

Dabei ist der gescheiterte Ex-Polizisten mit Alkoholsucht, der auf Teufel komm raus ein Verbrechen aufklären will, eigentlich genau die Rolle, die Hawkes so gut steht. Und die spielt er auch gewohnt gut. Am Ende ist es dann auch durchweg gute Unterhaltung, aber leider keine, an die ich mich länger als ein Wochenende erinnern werde. Weil nirgendwo irgendetwas heraussticht. Keine der Figuren in diesem Drama hat eine Tiefe, die über ihren ersten Eindruck hinausgeht, es gibt wenig bis gar keine Überraschungen und alles wirkt oft viel zu sauber und rund. Die Tatsache, dass am Ende zumindest nicht alles ganz so glatt läuft, wie es vorab geplant wurde ist zwar trivial, aber angesichts fehlender kleiner Kanten, die dem Thema stehen würden, und an die man sich erinnern würde, durchaus eine Erwähnung wert.

Natürlich ist es jeder Film mit John Hawkes wert gesehen zu werden, und auch Small Town Crime wird seine Fans haben (wahrscheinlich sogar mehr als es der durchaus künstlerische Too Late je haben wird), aber hier sitzt leider keiner von ihnen.