Sly Cooper: Thieves in Time

Am 29. Januar 2015 in spiel

Es ist kurz nach sieben Uhr abends und wir sind gerade fertig mit Essen. Unsere Tochter läuft aufgeregt ins Wohnzimmer und lässt sich nicht davon abbringen, mich im Minutentakt daran zu erinnern, dass jetzt, ja, genau jetzt, unsere Zeit ist, in der wir noch 30 Minuten zusammen Sly spielen. Sly ist Sly Cooper. Ein diebischer Waschbär Marke Robin Hood und exklusiv gebunden an Sony Playstation. Drei Teile davon haben Sucker Punch entwickelt, bevor sie sich der InFamous-Reihe widmeten und somit für immer von meinem Radar verschwanden. Den vierten und aktuellsten Teil hat sich Sanzaru Games auf die Fahne geschrieben.

Ich bin Sly-Fan der ersten Stunde. Als er noch Sly Raccoon hieß und in Zeitlupe durch lineare Level hopste. Ich habe den in allen Belangen aufgeblähten zweiten Teil geliebt, obwohl Bentley und der olle Murray jetzt ebenfalls Einsätze in den Leveln hatten, und als die hochbegabte Schildkröte die Kraft in ihren Beinen verlor und fortan an den Rollstuhl gebunden war, hat mich das härter getroffen als bei Patrick Bach in „Anna”. Teil Drei zündete bei mir nicht mehr. Teil Vier ignorierte ich komplett. Bis jetzt.

Meine Tochter mag Sly sehr. Natürlich mag sie eigentlich Carmelita Montoya Fox, ihres Zeichens Interpol-Agentin und Objekt der Begierde des Waschbären, am liebsten. Und die Welt, in der sich die beiden tummeln. In diesem Fall umrahmt von einem Zeitreise-Thema in verschiedenen Epochen auf den Spuren der Cooper-Familie. Die Architektur der Orte in den Sly-Spielen liegt irgendwo zwischen Kinderbuch und Comickunst. Gewölbte Steine türmen sich zu schiefen Türmen, überall bestückt mit Stangen und Giebeln, auf denen ein Sly Cooper Ninja-like balancieren und klettern kann. Der Hauptgrund, warum Sly überhaupt richtig Spaß macht. Die Feinde sind thematisch passend gekleidete, anthropomorphe Tiere: Coyoten, Eulen, Ratten, Säbelzahntiger, etc, etc, etc. Beim Anblick dieses Kuschelzoos schmunzelt der Erwachsene und Kinder haben gleich einen direkten Zugang.

Aber ist Sly Raccoon deswegen ein Kinderspiel? Eine gute Frage, denn genau da verliert der vierte Teil sein Gleichgewicht. Die Hub-Level mit ihren versteckten Flaschen und Schätzen sind zugänglich gestaltet und auch von Kinderhand bis zu einem gewissen Grad zu meistern. Die Bosskämpfe, mit ihren hektischen Geduldsproben sind es nicht. Die Wege dorthin sind es dann meist doch wieder und immer wenn Bentley auf dem Bildschirm des Visors erscheint behandelt mich “Thieves in Time” als könnte ich gerade mal bis zehn zählen. Es erklärt mir jede Aktion, die ich jetzt durchführen muss, haarklein bis ins Detail und bis zu jedem Knopf. Das ist gut, wenn das Kind noch gar nicht lesen kann, nervt aber umso mehr, wenn man sich mal freuen würde, etwas alleine herausfinden zu dürfen.

Vielleicht ist die optimale Mischung für dieses Sly-Spiel ja die Kombination zwischen Kind und Erwachsenem. Ersteres spielt so lange, bis der Erwachsene mal einspringen muss. Klingt gut, scheitert aber vor allem daran, dass zum Beispiel die anstrengenden, irgendwie gedehnten Bosskämpfe null Spaß machen. Und so spiele ich es in erster Linie bloß wegen den süßen Bemerkungen meiner Tochter, die mich zielsicher zum nächsten Einsatzort führt, weil sie jetzt den Radarschirm am unteren Bildschirmrand lesen kann. Und weil sie wissen will, wie die Geschichte weitergeht. Ich möchte derweil eigentlich nur das machen, was mir schon bei Teil Zwei am meisten Spaß gemacht hat: In jeder Welt alle der dreißig versteckten Flaschen aufspüren und sammeln. Flaschensuchen heißt das in Hannover-Vahrenwald. Es hat bei Sly aber einen weit weniger tragischen Beweggrund und befriedigt hier bloß meine Sammelsucht.

„Eine Mission noch bitte, Papa!”, dazu noch die Augen vom Gestiefelten Kater aus Shrek und schwupps, müssen meine Flaschen wieder warten.

The things I do for love.