Slice, Dice & Rice

Am 26. September 2018 unter spiel

Mit Beat’em-ups, zu gut Deutsch Prügelspielen, hatte ich eigentlich längst abgeschlossen. Als alter Neo-Geo Freak und Administrator einer kleinen, unscheinbaren Neo-Geo Seite habe ich genug prügelnde Pixel für zwei Leben gehabt. Trotzdem warte ich seit Jahren auf den von mir lang ersehnten Reboot des Genres. Irgendetwas bahnbrechendes in Form einer Fusion klassischer Prügler wie Street Fighter, Samurai Shodown oder Soul Calibur, aber mit dem Twist eines Bushido Blades beziehungsweise Kengô: Keine langen Lebensleisten, die mit Spezialattacken abgearbeitet werden, sondern sofort spielentscheidende Attacken, die mit richtigem Timing und Präzision eingesetzt werden müssen.

Slice, Dice & Rice, ein Spiel für PC, Playstation 4 und Nintendo Switch, klang genau so. Jede Attacke, die den Gegenspieler trifft und nicht pariert wird, endet hier zu gut 90 Prozent tödlich. Und im Falle der restlichen zehn Prozent hat der getroffene Spieler in der Regel bereits den Kopf und den Controller gesenkt, weshalb ein kurzes „Nachhaken“ mit der Klinge reicht, um die Runde doch noch zu entscheiden.

Um trotzdem so etwas wie Spielfluss generieren zu können, gilt ein Match erst als gewonnen, wenn ein Spieler vier mal getötet wurde. Das Spiel versucht gar nicht erst diese Tatsache irgendwie logisch zu erklären, oder ich habe es in dessen ebenso generischer wie vorsintflutlicher Erzählweise überlesen. Slice, Dice & Rice kommt mit bitterem, fast schon buddhistischem Purismus daher und scheut sich daher auch nicht, uns im Jahr 2018 noch mit lediglich einem Standbild und dem Wort „Congratulations“ für das Durchspielen zu belohnen.

Leider macht ein Prügelspiel mit drei Attacken gegen Computergegner noch weniger Spaß und Sinn als es eh schon bei klassischen Vertreter des Genres der Fall ist. Bleibt also der Einsatz auf dem Sofa gegen Freunde und Familienmitglieder, die aufgrund von eimerweise verschütteten Videospielblutes idealerweise mindestens jugendlich sein sollten. Alternativ prügeln wir uns in den Weiten des virtuellen Netzes mit Gleichgesinnten. Bisher hatte ich aber zumindest auf der Switch keine Chance dazu, da das Spiel partout keine Gegner für mich gefunden hat. Stellt euch vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

Die Revolution des Beat’em-up Genres wird also noch vertagt. Bis dahin hole ich das Spiel wohl höchstens noch für ein paar kurze Zweispieler-Runden auf dem Sofa raus.