Skyfall

Am 6. Dezember 2012 in film

James Bond verbinde ich heute noch mit Ostern und andersrum. Als Kind war es bei uns zuhause Tradition, den jährlich zu dieser Zeit ausgestrahlten Bond-Klassiker mit der ganzen Familie gleich nach dem Osterfeuer zu schauen. Eine der wenigen Situationen, in denen mir meine Eltern, wohl eher unwissend, so etwas wie Filmkunst haben zukommen lassen. Ein Sache, für die ich nun, als mittlerweile ausgewachsener Filmnerd, sehr dankbar bin und deshalb meinerseits versuche mit abendlichen Arthouse-Film-Sitzungen, allerdings wohlwissend um das Kulturgut, die Flamme für das besondere Kino an meine Kinder zu übergeben. Mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Ich habe damals als Kind noch etwas gelernt. Das Fortsetzungen nicht unbedingt an das Original herankommen müssen. Zum Beispiel, als ich meinen ersten Bond mit Timothy Dalton im Kino gesehen habe. Versucht habe ich es trotzdem weiter. Das Experiment gipfelte in der Flucht aus dem Kino bei einem Pierce Brosnan Bond Film. Den Namen habe ich glücklicherweise vergessen. Bond war tot. Soviel stand damals für mich fest. Casino Royal, das Reboot des faulenden Franchise konnte mich wieder ein wenig für die Materie begeistern. Dessen patzige Art, mit Bond-Klischees umzuspringen zeugte immerhin davon, der Serie aus der Patsche helfen zu wollen. Blöd nur, dass man das bereits im zweiten Teil alles über den Haufen warf und sich Quantum of Solace als seelenloser Action-Streifen entpuppte.

Sam Mendes (American Beauty) und dessen Team war die Misere offenbar bewusst und so wird Bond in Skyfall, nach der obligatorisch langweiligen Verfolgungsjagd im Prolog mit der an die alten Filme angelehnte Eingangssequenz wieder einmal neu aufgerollt. Zwar immer noch mit Daniel Craig, dieses mal aber wieder mit geschütteltem Martini, klassischem Aston Martin und all den anderen Dingen, die mich früher so begeistert haben. Skyfall wurde ein Bond, den ihr euch gefahrlos zwischen Goldfinger, Doctor No, Oktopussy oder Diamantenfieber anschauen könnt, ohne groß Angst vor Stilbruch haben zu müssen. Lediglich die Optik mag sich logischerweise nicht mit dem herrlich körnigen Technicolor der Vergangenheit abgeben. Im Gegenteil. Hier fährt Skyfall Geschütze auf, die ich so in einem James Bond Film niemals erwartet hätte.

Es braucht schon eine Menge Talent um aus einem Bond Film ein Kunstwerk zu machen.

Ausleuchtung und Farben sind mehr als einmal richtige kleine Kunstwerke und die Arrangements vieler Szenen, nicht nur der Eingangssequenz, erinnern wie Hommagen an glorreiche Momente längst vergangener Bond Zeiten. Hinzu kommt eine angenehme Gemächlichkeit beim Schnitt, der die in Quantum of Solace geschlagene Brücke zu den Bourne-Filmen nicht nur wieder einreisst, sondern auch gleich noch einen tiefen Graben aushebt und diesen mit Wasser und tödlichem Getier füllt. Bond-Style eben.

Am Ende schließt Skyfall dann sogar noch den Kreis zu den alten Bond-Filmen. Dank zeit- wie geschmacklosem englischen Interieur ist er dabei weit glaubwürdiger als es zum Beispiel die Prequels zu Star Wars und Star Trek waren.

Ich mag Daniel Craig als James Bond. Und ich mag auch Javier Bardem, wie er sich in Skyfall in meiner Ehrenhalle der diabolischen Gegenspieler offenbar ohne große Mühe an Ledgers Joker und Hardys Bane heran spielt. Ich hoffe bloß, dass die neu gewonnene Qualität nicht wieder der Quantität zum Opfer fällt. Ich für meinen Teil kann gerne wieder ein paar Jahre warten, bevor 007 erneut ins Feld zieht. Ich hoffe, die Produktionsfirma nimmt sich diesbezüglich ein Beispiel an ihrem Film und lässt es ein bisschen langsamer und dafür mit vollem Einsatz angehen. Das wäre wünschenswert.