Shin Godzilla

Am 6. Mai 2017 in film godzilla

Während ich finde, dass Gareth Edwards vor drei Jahren mit Godzilla den in meinen Augen wohl besten Monsterfilm abgeliefert hat, scheint die japanische Toho das etwas weniger enthusiastisch zu sehen. „Shin Gojira“, der „wahre Godzilla“ heißt nun der Film, mit dem sie die Riesenechse dorthin zurück holen, wo sie eigentlich auch hingehört: nach Tokio. Und das wollten am letzten Mittwoch in einem Kino in Hannover tatsächlich weit mehr Kinobesucher sehen, als ich geglaubt hätte. Das liegt sicherlich auch eher an Gareth Edwards und weniger an der Erinnerung an fettige Flipsfinger vor den Fernsehern unserer Eltern.

Was dann aber auf der Leinwand geboten wurde, konnte dem stolzen Titel leider nur mäßig und auch nur in Ansätzen gerecht werden. So gut gemeint oder gut durchdacht diese Ansätze auch sind, ein Monsterfilm steht und fällt mit dem Monster. Und da ist bei Shin Godzilla im wahrsten Sinne des Wortes der Wurm drin. Ich möchte es, passend zum Genre, gar als eine mittlere Katastrophe bezeichnen. Als Godzilla-Fan der Achtziger Jahre habe ich ja mindestens ein so dickes Fell wie die Echse selbst, aber das, was sich da in der zweiten von vier Turbo-Evolutionsphasen durch den Tokioter Betondschungel schleppt, sieht auch mit zwei Portionen Nostalgiebonus noch derbe dilettantisch und in Teilen leider auch noch absolut bescheuert aus. Da hätte selbst Godzillas Sohn das Gesicht vor Scham in den Latexhändchen vergraben.

Eine wesentlich bessere Figur macht da schon das andere Monster im Film. Anstelle einer Mothra, eines Mechazillas oder gar King Kong ist es hier nämlich die übertrieben dargestellte japanische Bürokratie, die zuweilen steifer und vor allem unbezwingbarer wirkt, als jede Riesenmotte es je sein könnte. Darüber hinaus gelingen dem Film noch drei weitere Punkte ganz hervorragend gut:

Der Erzählstil

Die Art, wie Shin Godzillas magere Geschichte vorangetrieben wird ist minimalistisch, trocken und dank verspielter Kameratechniken überaus dynamisch. So wird der Monsterfilm auf das Wesentliche reduziert und verliert sich zu keiner Zeit in einem überflüssigen Drama. Nach ungefähr einer Stunde hat dieser Stil seine Halbwertzeit allerdings überschritten und verliert sich dafür in seiner repetitiven wie ermüdenden zweiten Hälfte.

Die Zerstörung

Das A und O eines Monsterfilms. Es sei denn, der Regisseur heißt Gareth Edwards und der Film (link: ../monsters text: Monsters) (Ich sollte aufhören, andauernd Gareth Edwards zu erwähnen). Die verheerende Zerstörung ist perfekt und ungemein drastisch in Szene gesetzt. Wessen Augen vom ersten Auftretens Godzillas rechtzeitig wieder getrocknet sind, der bekommt in der Mitte des Films einen der zerstörerischsten Höhepunkte des Genres zu sehen. Lange währt das allerdings nicht und es bleibt außerdem bis zum Ende und dem eher ernüchternden Finale unerreicht.

Die Metapher

Der dritte und letzte positiv aufzuführende Punkt. Godzilla galt schon immer als Personifizierung der japanischen Angst vor der Atomkraft, die das Land bereits im zweiten Weltkrieg, und erst jüngst in Fukushima erneut, fürs Leben gezeichnet hat. Aber deutlicher als jeher wird dieses Schicksal am Ende von Shin Godzilla thematisiert. Wenn sich das, was von Tokio noch übrig ist, mit dieser Kraft arrangiert, und Parallelen zum gescheiterten Atomausstieg des von einer Katastrophe vernarbten realen Japans deutlich werden.

Und wer wie ich vom Splendid-Verleih mit einer deutsch synchronisierten Fassung gequält wird, den lege ich folgendes Trinkspiel nahe: Immer dann ein Gläschen Schnaps trinken, wenn ihr meint die Synchronstimme von Justus Jonas aus dem Off zu vernehmen. Da werdet ihr am Ende nicht von kotzen, aber immer noch beschwipst genug sein, um Shin Godzilla vieles verzeihen zu können.

Sicherheitshalber werde ich mich jetzt im Badezimmer vor den Spiegel stellen und noch fünfmal ganz laut „Gareth Edwards“ sagen. Vielleicht hilft es ja für die Zukunft.