Shadow of the Colossus

Am 6. Februar 2009 in spiel

Wie bitte? Da preise ich seit Jahren bei Freunden, Verwandten und in diversen Internetforen das Spiel Shadow of the Colossus als eines meiner absoluten Favoriten an und dann habe ich dazu nie eine Rezension verfasst? Das soll sich hiermit ändern. Denn wie auch ich mich im Jahre 2005 auf der Games Convention beim ersten Anblick der Demo zum Spiel, ob der technischen Defizite verschreckt aus dem Staub gemacht habe, geht es mit Sicherheit auch vielen anderen Spielern. Ein Fehler, sage ich. Ein Fehler.

Der junge Wander reitet mit seiner verstorbenen Liebsten im Arm zielstrebig ins verfluchte Land. Nicht ohne Grund, denn er plant seine leblose Begleiterin mit Hilfe höherer Kräfte, die scheinbar immer noch in der Gegend am Werke sind, wieder zum Leben zu erwecken. Zum Unbehagen eines Priesters, der Wander mit einer Handvoll bewaffneter Männer verfolgt. Der Junge jedoch hat einen großen Vorsprung und erreicht den zentralgelegenen Tempel, lange vor seinen Verfolgern. Hier weckt er mit einem magischen Schwert das Mysterium Dormin, das mit düsterer Stimme zu Wander spricht. Es verspricht ihm, seine Begleiterin wieder zum Leben zu erwecken, wenn er für ihn sechzehn Kolosse im verfluchten Land aufspürt und zur Strecke bringt. Wander gehorcht blind und macht sich mit seinem treuen Pferd Argo und dem magischen Schwert auf die Suche nach den Giganten. Und beginnt sich auf seinem Feldzug immer stärker zu verändern.

Es ist eine Schande, dass dieses Spiel für die Playstation 2 erschienen ist. Die ist nämlich hoffnungslos mit dem Titel überfordert. Die wackelige Kamera und die verwaschene Steuerung, die einen zeitweise fast in den Wahnsinn treiben, wären nicht halb so schlimm, würde das Spiel eine konstante und vor allem höhere Bildrate halten können. Schade, denn das Spielerlebnis, das all diejenigen erleben dürfen, die sich trotz dieser Probleme auf den Titel einlassen, ist einmalig, bezaubernd und kolossal. Der Spieler reitet durch ein riesiges offenes Land, das neben den erwähnten sechzehn versteckten Kolossen nur wenig Leben aufweisen kann. Kleinere Vögel und Adler, Eidechsen, hier und dort mal eine Schildkröte. Und trotzdem wirkt sie lebendiger als so manche andere virtuelle Welt. Das liegt vor allem an dem beklemmenden Gefühl der Isolation. Gebrochen wird die Ruhe und die endlosen Weiten immer dann, wenn der Spieler einen Koloss aufgespürt hat. Dann legt sich das Orchester so richtig ins Zeug und das Spiel lädt zum Kampf David gegen Goliath. Jeder der überwiegend hochhausgroßen Kolosse muss mit einer anderen Strategie zu erst einmal bestiegen werden. Mal ist es nötig vom Pferd aus an ein Bein zu springen, manchmal muss zuerst einmal eine Schwachstelle mit Pfeil und Bogen getroffen werden, damit sich eine Möglichkeit des Aufstiegs ergibt. Ab und an ist man auch gezwungen zu schwimmen oder die Umgebung einzusetzen, um sein Ziel zu erreichen. Auf dem mystischen Wesen angekommen, gilt es zu klettern, zu balancieren oder sich im richtigen Moment einfach festzuklammern und abzuwarten. Am besten ohne herunterzufallen, denn sonst beginnt der schwierige Aufstieg von vorne. Das Ziel der Kletterparty: mysteriöse Male auf dem Fell der Giganten. Nur dort kann ihnen Wander mit seinem Schwert kostbare Lebensenergie nehmen. Und dann kommt etwas ins Spiel, was Spieler so gar nicht gewohnt sind. Der erlegte Koloss bricht in Zeitlupe und zu emotional geladener Musik zusammen und während man bei anderen Spielen nach dem Besiegen eines Bosses oftmals vor allem Stolz verspürt ist es hier Mitleid. Der Spieler beginnt sich beim Anblick der sterbenden Kreaturen und der immer dunkler werdenden Gestalt Wanders zu fragen, ob er wirklich das richtige tut. Wander aber kennt nur ein Ziel: die Wiederbelebung des Mädchens, das derweil leblos im Tempel liegt. Und dafür tut er alles. Wie der Spieler.

Der Spielablauf ist einfach und schnell erklärt. Das Gefühl, das einem beim Spielen vermittelt wird, nicht. Egal ob man nur die Landschaft erkundet, auf Bäume oder verlassene Bauwerke klettert, Eidechsen zur Steigerung der Ausdauer jagt oder einen der Giganten zur Strecke bringt: Shadow of the Colossus ist anders als andere Spiele. Großartiger. Für die Hardware der Playstation 2 mag das Spiel Schwerstarbeit sein, für den Spieler, sofern er mit den technischen Defiziten leben kann, ist es ein unvergleichliches Erlebnis. Auch wenn er am Ende ein klein wenig enttäuscht wird. Denn über die eigentlichen Stars im Spiel, die Kolosse, erfährt man auch nach dem Durchspielen nichts. Sie bleiben in den Gedanken des Spielers die mysteriösen Giganten aus einer unbekannten Vergangenheit, die ruhelos das verfluchte Land durchstreifen.