Shadow of the Colossus

Am 17. Februar 2018 unter spiel

Mehr als einmal habe ich mich bereits gefragt, warum ich mir eigentlich eine Playstation Pro gekauft habe. Klar, hier und dort lief ein Spiel mal etwas flüssiger und ab und an gab es auch die Option ein Spiel in zukunftsweisender 4K-Bildschirmauflösung zu zocken, aber den Unterschied zwischen 2000 und 4000 Pixeln kann ich als Brillenträger allenfalls erahnen. Als ich am Wochenende dann endlich und ganz aufgeregt das von mir heiß ersehnte Remake vom Remake von Shadow of the Colossus geladen haben, wurde mir schlagartig klar, dass dieses Spiel das bisher beeindruckendste Argument für die Anschaffung einer Playstation Pro ist. Und vielleicht nur halb so spektakulär auf einer normalen Playstation 4 wirkt.

Zwei Probleme des Team ICO Klassikers wurzeln teilweise in dessen Überlastung der Hardware und der daraus resultierenden niedrigen Bildrate: Die schwammige Steuerung und die Kopfschmerzen erzeugende Kamera. Als jemand, der dieses Spiel auf drei verschiedenen Konsolen sprichwörtlich bis zum Erbrechen gespielt hat, fühlt sich der Performance Modus des Remakes, der das Geschehen erstmals geschmeidig sanft auf den Bildschirm zaubert, wie ein realgewordener Traum an.

Hinzu kommt, dass Bluepoint Games dieses Mal nicht nur die Auflösung der Texturen erhöht hat, sondern tatsächlich alle Objekte neu modelliert hat. Felswände, Wiesen, Tempel, Seen, Waldstücke, alles erstrahlt detailliert und in neuem Glanz. Wo vorher eine verwaschene Textur ein Stück Rasen darstellte, ziert jetzt ein animiertes Stück Natur mit sich im Wind wiegenden Grashalmen, Blumen und Schmetterlingen die Landschaft. Wo vorher graue Texturen Felswände imitierten, stehen jetzt Felsen aus unterschiedlichen Gesteinen, mal mit Moos, mal mit Pilzen bedeckt. Wo vorher ein Waldstück hat Herzen höher schlagen lassen, fallen jetzt Laub und Kinnladen herunter. Ein Spiel im mittleren Preissegment ist für mich aktuell die Referenz für ein schönes Videospiel.

Geflucht habe ich trotzdem wieder wie ein Rohrspatz. Über die Kolosse, die sich damals wie heute ab und an einfach nicht triggern lassen wollten, um den Spielverlauf nach vorne zu treiben. Das war auch beim geistigen Nachfolger The Last Guardian so und das wird im nächsten Spiel von Fumito Ueda auch wieder so sein. Find ich doof, spiele ich aber trotzdem. Es gibt auch immer noch diese nervigen Momente, in denen Wander auf einem Koloss einfach nicht zur Ruhe kommt, und damit verbunden keine Möglichkeit für einen Angriff entstehen mag. Und immer noch ist das Freispielen von Waffen, Kostümen und nützlichen Hilfsmitteln ausgerechnet auf den Time Attack-Modus beschränkt, der nach wie vor perfektes Timing und eine genau Kontrolle voraussetzt. Attribute, die Shadow of the Colossus so immer noch fehlen. Daran ändert auch eine optimierte Tastenbelegung nichts.

Aber das macht gar nichts. Es ist trotzdem immer noch ein atemberaubendes Meisterwerk, das ich aktuell schon wieder dreimal durchgespielt habe und es wieder und wieder tun werde. Und zwar nicht auf Zeit, weil es viel zu viel Spaß macht, die Umgebung zu erforschen. Dank überall versteckter (teilweise aber auch fraglich zu erreichenden) Goldmünzen heute mehr denn je.

Und so gerne ich sehen würde, dass Bluepoint Games jetzt ihr ganzes Können in eine spielbares Remake von The Last Guardian stecken, so gerne wünsche ich dem Studio jetzt endlich einmal eigene Ideen verwirklichen zu dürfen. Verdient haben sie es schon lange.