Ruiner

Am 8. Dezember 2017 unter spiel

Als jemand, der dem besinnlichen wie süchtig machenden Spielablauf von No Man’s Sky hoffnungslos verfallen ist, fällt es mir mittlerweile ziemlich schwer, zur Abwechslung auch mal wieder klassische Videospiele zu genießen. Oure hat das geschafft, war aber auch nicht besonders klassisch. Außerdem brauchte ich mal wieder was mit etwas mehr Wumms zum Luft ablassen. Was liegt da also näher als einen Blick in das Repertoire meines Lieblings-Indie-Publishers Devolver zu wagen? Und siehe da: Ruiner, ein Spiel, das ich bereits vor einiger Zeit auf dem Schirm hatte, nur um es kurze Zeit später im Wust der Videospielnachrichten wieder zu vergessen, wurde just als Neuheit gelistet. Passt. Cyberpunk geht ja eigentlich eh immer.

Zumindest, wenn es gut in Szene gesetzt ist, und was das angeht ist Ruiner eine echte Granate. Exzellente Präsentation in leuchtend roter Farbpracht, Kommunikation mit dem Spieler über bildschirmgroße, flackernde Glitch-Typografie, Nostalgie-Bonus aufgrund isometrischer Ansicht und saubrutale … Twin Stick Shooter Action. Ich hasse Twin Stick Shooter! Daher ist dieser Text auch nur mäßig relevant. Auch, weil ich es lediglich auf Easy durchgespielt habe, während sich meine Ehre als Old-School Spieler, der Centipide damals mal bis zum Punkte-Reset gezockt hat, mit Tränen in den Augen im Badezimmer entleibt hat.

Ja, ich gebe zu, heutzutage war Runier auch auf Easy für mich nicht einfach. Ihr kennt das. Oder auch nicht. Auf halber Strecke war ich bei einem der Bosse so frustriert, dass ich das Spiel, welches sich zuvor mühselig über viele Stunden durch die Spar-DSL-Leitung auf meine PS4-Festplatte zwängen musste, in einem Anfall aufbrausender Wut wieder deinstalliert habe. Nur um es einen Tag später erneut herunterzuladen und den Boss danach auf Anhieb zu besiegen. Das gleiche dann wieder einen Tag später, als der Obermotz an der Reihe war, einfach nicht sterben wollte und mich der erste und letzte miese Rücksetzpunkt im Spiel zur Weißglut getrieben hat. Auch hier war ich nach einer Pause von einem weiteren Tag letztendlich erfolgreich. Ruiner ist atmosphärisch großartig inszenierter Stress, der meine Geduld regelmäßig pulverisiert hat.

Das Level-Design lässt leider stark zu wünschen übrig. Sei es das wunderschön gestaltete Hub in Form einer typischen Cyberpunk-Stadt mit allen wichtigen Elementen (Neonreklame, Rotlichtviertel, Technopunks und sogar Katzen, die ich hacken kann!), das ohne tieferen Spielgehalt daherkommt oder die eigentlichen Einsatzgebiete, die irgendwie immer gleich aussehen. Der Hochgeschwindigkeitstunnel zur Verbindung zweier Abschnitte war beim ersten Mal noch eine witzige Abwechslung. Beim dritten, vierten und fünften Mal erheben sich bei deren Anblick aber nicht mehr die Augenbrauen sondern eher die Augäpfel. Die sogenannten Engel-Maschinen, die über vernetzte leblose Körper angetrieben werden, waren bei der ersten Begegnung auch noch richtig krass, werden im weiteren Verlauf des Spiels allerdings so inflationär eingesetzt, dass ich irgendwann nur noch wollte, dass diese Passagen bitte endlich vorbei sind. Nur um dann kurze Zeit später wieder den gleichen Engel oder den gleichen Super-Cyborg besiegen zu müssen.

Für Abwechslung im Kampf sorgen also definitiv nicht die Gegner, dafür aber die Waffen. Flammen- oder Granatwerfer, Laserwaffe, Gatling-Gun, Hochfrequenzschwert oder der das gute alte Eisenrohr sind nur einige der zahlreichen und mitunter auch sehr exotischen Werkzeuge, die ich unzähligen Widersachern nach deren Ableben abnehmen kann. Hinzu kommen verschiedenste Fähigkeiten, die ich über mein sogenanntes Karma-Level auf-, beziehungsweise ausbaue. Schutzschilde, Bullet Time, Hacking und dergleichen hätten mir das Spiel wahrscheinlich wesentlich einfacher gestaltet, wäre ich nicht so eine defensive Pfeife und hätte ich nicht wieder alle Power-Ups in meine Gesundheit und deren Regeneration investiert.

So avancierte Ruiner von einem Spiel, auf das ich mich anfangs schon auf dem Heimweg freute, zu einem Titel, den ich auf den letzten Metern auf Grund der vielen Wiederholungen bloß noch vom Tisch haben wollte. Darum kommt für mich auch erst einmal kein zweiter Durchgang auf einem höheren Schwierigkeitsgrad in Frage. Vielleicht nach einer längeren Pause. Hat sich während des ersten Durchspielens ja auch bewährt.