Jason Stathurday: Revolver

Am 3. Juli 2008 in film jasonstatham

Mit Lock, Stock and Two Smoking Barrels schuf Guy Ritchie sein eigenes kleines London-Untergrund-Gangsterkino. Mit Snatch perfektionierte er es. Dann kam Swept Away und Ritchie war erst einmal, nun ja, weggeschwemmt. Das hält bis heute an und schadete vor allem seinem großartigen Film Revolver aus dem Jahr 2005. Von der Masse sträflich unbeachtet, kam der Film erst in diesem Jahr in den USA in die Kinos. In Deutschland wartet man immer noch vergebens auf eine DVD. Eine Schande, denn das was Ritchie hier in Zusammenarbeit mit Luc Besson auf die Beine gestellt hat, ist ein in vielerlei Hinsicht unvergleichbares Filmerlebnis.

Übergreifendes Thema des Streifens ins eine ultimative Glücksspiel-Formel. Die Stärken des Films sind dabei einmal mehr die tollen Figuren. Der trockene Jake Green, der verstörte Macha oder der unscheinbare Killer Sorter. Sie alle bedienen sich Klischees, wirken im gewollt unnatürlichen Licht von Revolver aber wunderbar überzeichnet und eher wie Spielfiguren in einem Spiel. Das vermischt sich mit Ritchies Gespür für audiovisuelle Extravaganz. Wenn Jake Green zu verlangsamten Bildern mit rauer Stimme die ultimative Formel erklärt, wenn der Killer Sorter zur Mondschein Sonate sein Handwerk verrichtet oder wenn dynamische Schnitte einen Einbruch mit den Bildern eines Cartoons, der am Tatort im Fernsehen läuft, vermischen. Das alles fesselt ungemein. Und bevor er sich versieht, erkennt der Zuschauer, dass er selbst ebenfalls auf die Formel hereingefallen ist.

Bei meiner UK-DVD fehlt kurioserweise die Rolle der Mitwirkenden am Ende des Films. Anstelle derer starrte ich zu den Piano-Klängen der ersten Gnossienne minutenlang auf einen schwarzen Bildschirm. Interessant ist, dass mir das aufgrund des spannend inszenierten Endes erst nach drei Minuten aufgefallen ist.