Proteus

Am 2. November 2013 in

Guten Tag und Herzlich Willkommen zu Proteus. Ein Spiel, das es nun endlich auch auf der Playstation 3 und der Vita gibt. Bitte ziehen Sie Ihre Laufschuhe aus, legen Sie die Waffen ab und entspannen Sie sich. Sie da, mit dem Messer. Das brauchen Sie nicht. Hier gibt es erstmal nichts zu sehen und weder etwas zu erledigen, noch etwas zu erlegen. Das hier ist Proteus. Ein Spiel wie ein Waldspaziergang. Ein Spiel, in dem es um Wandern und Entdecken geht. Bitte? Ja, Sie bekommen Ihre Waffen am Ausgang wieder. Keine Sorge.

Ich liebe es, in Videospielen umher zu wandern und die Gegend zu erkunden. Genau das bietet Proteus. Nur das. Starte ich ein Spiel, befinde ich mich im seichten Wasser vor einer zufällig generierten Insel. Ich darf diese dann nach Herzenslust in der Ego-Perspektive erkunden. Mit der X-Taste kann ich mich hinsetzen, mit der Kreistaste schließe ich die Augen und beende das Spiel. Mit der Schultertaste mache ich ein Foto für eine Postkarte, welche als Speicherpunkt agiert und über die Cloud einer Brücke von der Playstation 3 zur Vita und umgekehrt schlägt. Das war’s. Zumindest auf den ersten Blick.

Guck mal, ein Eichhörnchen!

Auf den Zweiten entdecke ich, zumindest die ersten paar Male, neue Tiere, seltsame Pflanzen und mit etwas Glück bekomme ich eine der rätselhaft beschriebenen Trophäen, die hier die einzige Schnittmenge zu so etwas wie einem Spielprinzip darstellen. Je nachdem, wo ich mich gerade befinde, verändert sich der herrliche Soundtrack dynamisch und unterstreicht das Geschehen. Da kann es schonmal sein, dass eine halbe Stunde wie im Flug vergeht, weil ich nach oben in die Sterne, in den Regen oder einem verpixelten Eichhörnchen hinterher starre. Ich erinnere mich dann oft an David Brabens Zarch/Virus, wo ich stundenlang umhergeflogen bin, nur um das Seeungeheuer zu beobachten.

Ja, ich mag Proteus. Ich weiß auch, dass man hier wohl ein Statement gegen Interaktivität im Spiel setzen wollte. Trotzdem finde ich, es hat Potential verschenkt. Vielleicht habe ich ja zuviel Fantasie, aber mir fallen tausend Dinge ein, die ich gerne auf einer der Inseln machen möchte. Und ganz oben auf der Liste stehen ganz simpel laufen und springen. Kinder laufen und springen die ganze Zeit, wenn man mit ihnen in den Wald geht, und genau dieses Verlangen weckt Proteus auch in mir. Stattdessen darf ich nur schlendern und sitzen. Von fliegen und tauchen fange ich ja gar nicht erst an. Das könnte auch alles weiterhin ohne Interaktivität ablaufen. Es wäre mir egal.

Wenn ich also jemandem dieses Spiel für 13 Euro empfehlen soll, der vielleicht jeden Euro zweimal umdrehen muss, fällt mir das ehrlich gesagt etwas schwer. Auf der anderen Seite ist Proteus so herrlich anders und, sofern man auf Pixel, 8-Bit und viel Retro steht, einfach wunderschön.

Bitte? Ihr Messer? Ja, hier …