Prince of Persia

Am 2. Januar 2009 in spiel

2014 habe ich diesen Teil ein weiteres Mal durchgespielt. Die Rezension dazu findet ihr hier.

3D Jump’n’Runs gehen meist immer einher mit Frust. Sei es die Kameraperspektive bei gewagten Sprüngen oder ein Steuerungsdefizit, oft scheitern sie an der Technik des Spiels und weniger am Können des Spielers. 2008 kamen zwei Spiele auf den Markt, die das Genre mal ganz anders angegangen sind. Und es auf diese Weise gerettet haben: Mirror’s Edge von Dice und Ubisoft Montreals Prince of Persia. Ersteres setzt dabei auf die Egoperspektive. Letzteres auf ein minimiertes Kontrollschema, das den Spieler die Spielfigur intuitiv und aus dem Gefühl heraus steuern lässt. Beide Spiele nutzen als Basis eine klar strukturierte Welt in der der Spieler auf Anhieb erkennt, was er zu tun hat. Und so darf man sich auf ein ausserordentliches Abenteuer als namenloser Prinz freuen, bei dem es entgegen der weitläufigen Meinung genauso möglich ist abzustürzen, wie bei jedem anderen Vertreter des Genres auch. Nur mit weniger Frust.

Der Prinz verliert in einem Sandsturm seinen treuen, mit Gold beladenen Esel Farah. Benannt nach der Prinzessin vergangener Prince of Persia Spiele bekommt der Spieler hier schon eine Ahnung vom vorzüglich geratenen und nicht zu kurzgekommenen Humor des Spiels. Bei seiner Suche nach dem Lasttier trifft er auf die schöne Elika, die ihm auf der Flucht vor ihrem Vater in einen nahegelegenen Tempel begleitet. Dort erkennt der Prinz, in welch apokalyptisches Schlamassel er geraten ist. Der Kampf zwischen Gut und Böse im Zoroastrismus ist voll entbrannt, denn Ahriman, der dunkle Dämon hat sich Elikas Vater bemächtigt, um sich ein für alle Mal aus den Klauen des gutartigen Gottes Ohrmazds befreien zu können. Nun liegt es natürlich an euch, dies zu verhindern. Dazu sucht ihr zusammen mit Elika fruchtbare Oasen des Lichts in der ansonsten verdunkelten, kalten Welt rund um den Tempel. Diese Oasen kann Elika zu neuem Leben erwecken und so das Land Stück für Stück wieder grün und fruchtbar machen. Und damit den Weg des Helden in diesen Regionen sicherer. Denn mit der dunklen Seite verschwinden rund um die Oasen auch die Fallen und Gegner und überall verteilt im Landschaftsbild liegen Lichtsamen, die es zu sammeln gilt. Die sind der Schlüssel zu der Macht Ohrmazds und zum endgültigen Sieg über das Böse.

Die wunderschön gestaltete offene Welt basiert auf simplen Regeln. An waagerechten oder senkrechten Kratzspuren an der Wand kann der Prinz allen physikalischen Gesetzen zum Trotz entlang laufen. Säulen können angesprungen werden, um sich an ihnen auf und ab zu bewegen oder sich in vier Richtung von ihnen abzustoßen. Ringe in der Wand verlängern einen Wandlauf oder lassen den Prinzen höher gelegene Plattformen erreichen. An Stangen in der Wand kann geschwungen werden, ein Gefälle lädt zur Rutschpartie ein. Grüne Ranken an den Wänden können zum Klettern benutzt werden. Hinzu kommen vier verschiedene Arten runder Platten, die die Macht des Gottes Ohrmazd symbolisieren. Eine grüne Platte lässt den Helden wie einen wilden Stier an Wänden hochlaufen, Blau und Rot katapultieren, beziehungsweise schwingen ihn zu abgelegenen Stellen. Bei Gelb hebt er ab und der Spieler muss im Flug dafür sorgen, dass sich der Prinz und Elika nicht den Kopf an Hindernissen stoßen. Fertig ist der Baukasten für die Welt des neuen Prince of Persia.

Um mit ihr interagieren zu können sind wenige Befehle nötig. Die A-Taste kontrolliert die Beine des Prinzen, lässt ihn springen und in eine bestimmte Richtung an der Wand entlang laufen. Die B-Taste entspricht der mit einem Eisenhandschuh bestückten Kletterhand und lässt ihn nach Ringen in der Wand greifen. Y ruft Elika auf den Plan. Aus dem Stand heraus erweist sie sich mit ihrem Lichtzauber als nützliches Navigationssystem auf dem Weg zur nächsten Oase. In der Luft reicht sie dem Spieler die Hand zum klassischen Doppelsprung auf Distanz oder greift bei Kämpfen mit ihrer Magie den Gegner an. Diese wenigen aber imposanten Kämpfe nutzen auch sonst die selbe Steuerungsgrundlage. So kann der Prinz hier mit der A-Taste eine Ausweich-Akrobatik ausführen oder den Gegner mit der B-Taste greifen und werfen. Zusätzlich nutzt er mit Hilfe der X-Taste sein Schwert. In der richtigen Abfolge kombiniert lassen sich recht eindrucksvolle Attacken ausführen und an der richtigen Stelle in der Arena positioniert, lassen sich Kämpfe auch vorzeitig beenden, indem Gegener an Abgründe oder Wände gedrängt werden woraufhin kleine Minispiele mit Tasten, die im richtigen Moment wie auf dem Schirm abgebildet gedrückt werden müssen und über den Ausgang des Duells entscheiden. Wichtigstes Manöver im Kampf ist allerdings das Blocken mit dem rechten Trigger. Mit dem richtigen Timing eingesetzt, bietet es eine einladende Angriffsfläche für all die genannten Techniken.

Jeder Punkt auf der Karte besteht bei Prince of Persia aus zwei Spielabschnitten. Zuerst gilt es immer zu der Oase zu gelangen und diese zu erwecken. Das erfordert Kletter- und Sprunggeschick sowie das Lösen einiger Hebel- und Schalterrätsel. Danach macht man sich daran, die Lichtsamen in der geheilten Region zu sammeln. Mit Hilfe der Samen ist es möglich, Elika mit einer neuen Magie Ohrmazds auszustatten und die oben angesprochenen Platten der Macht nacheinander zu aktivieren. Diese sind nötig, um in den vier Gebieten weiterzukommen und letztendlich den Weg zu den Wächtern zu finden um diese endgültig zu zerschlagen.

Und das alles ohne Frust? Weitgehend. Denn die Entwickler haben das klassische Game Over einfach abgeschafft. Stürzt der Prinz einmal ab, fängt ihn Elika in letzter Minute und teleportiert ihn an die Stelle, an der er das letzte Mal festen Boden unter den Füßen hatte. Das gab es vorher auch schon, wirkt im Zusammenspiel mit der klar definierten Welt und der darauf ausgelegten Steuerung wie aus einem Guss und ist zukunftsweisend für optimalen Spielfluss. Auch während der Kämpfe eilen Elikas heilende Hände dem Prinzen im Ernstfall zur Hilfe. Wird dieser nämlich von einem Gegner bezwungen, päppelt ihn Elika an Ort und Stelle wieder auf. Im Gegenzug bekommt hier der Gegner allerdings ebenfalls verlorene Energie zurück. So gestaltet sich das Spiel weitgehend frustfrei, ohne dass man dabei als Spieler das Gefühl hat, man müsse sich nicht anstrengen. Bei einigen Flug- und Katapultmanövern im späteren Verlauf des Spiels wird der Geduldsfaden dann aber teilweise doch arg strapaziert. Dann nämlich, wenn man kurz vor deren Ende einen Fehler macht und dann die gesamte Sequenz noch einmal von vorne beginnen muss. So ganz entgegen des vorangegangenen Spielgefühls eines ununterbrochenen Spielflusses.

Prince of Persia ist laufen, klettern und springen in Reinkultur. Das bietet es in Perfektion. Wer damit nichts anfangen kann oder will, wird an dem Spiel kaum Gefallen finden. Alle anderen bekommen einen aussergewöhnlichen Titel, an dem man sich so schnell nicht satt sieht. Die verbreiteten Vorwürfe mit denen das Spiel leben muss, erweisen sich schnell als übereilt verurteilt und als schlicht und ergreifend nicht wahr. Mit Shadow of the Colossus wird wohl auch in Zukunft jedes Spiel verglichen werden, dass irgendwie Bauten beinhaltet, die hundertfach so groß sind, wie der eigene Held und die Parallelen zu Ico minimieren sich zu der Tatsache, dass unsere eigenständige nicht auf den Mund gefallene Begleiterin, der wir in keinsterweise bei den Kletterpartien behilflich sein müssen, ebenfalls eine Frau in Weiß ist. Das gelinde gesagt nüchtern dargestellte Heilen der Oasen mit den kolossalen Effekten der Heilung der Regionen in Ôkami zu vergleichen ist beinahe schon Frevel. Und zu guter Letzt ist Elika kein Trumpf, den man ausspielen kann, wenn man eine Stelle nicht schafft, sie ist einfach eine kunstvoll dargestellte virtuelle Personifizierung des klassischen Rücksetzpunktes.

Prince of Persia ist ein anders. Vom Spielgefühl bis hin zum aussergewöhnlichen Ende stimmt hier einfach alles und weist auf eine neue Art Spiel hin. Eine Art, die ich gerne gewillt bin wieder zu spielen. Nur beim Titel selbst will sich die Freude auf erneutes Durchspielen nicht wirklich einstellen. Wie schon bei Assassin’s Creed aus dem selben Studio wird auf diesen Wunsch nicht mal ansatzweise eingegangen, obwohl sich dort bereits die Spielergemeinde lauthals darüber beschwert hat. So bleibt als Motivation für einen zweiten Durchgang nur der Versuch, das Spiel mit eingeschränktem Einsatz Elikas, also unter hundert Mal abstürzen und heilen, zu meistern oder es in unter zwölf Stunden zu schaffen. Letzteres wäre aber interessanter, könnte man es voll ausgestattet versuchen ohne wieder die lästigen Lichtsamen für die nötigen Kräfte aufsammeln zu müssen.

Ein Tipp am Ende: schaltet nach zwei Stunden das Tutorial in den Bildschirmoptionen einfach ab, sonst sagt euch das Spiel bis zum Endboss, was ihr wie und wann zu tun habt und das kann nerven.