Prince of Persia: The Forgotten Sands

Am 30. Dezember 2010 in spiel

Im Jahr 2008 rebootete Ubisoft Montreal eine Serie mit meinem bis dato immer noch favorisierten Lauf & Kletter Spiel: Prince of Persia. Getreu dem Motto Sheldons aus The Big Band Theory “Change is never good. They say it is, but it’s not” wurde der mutige Versuch, der Serie neues Leben einzuhauchen zwar von der Fachpresse gewürdigt, nicht aber vom am Asberger Syndrom leidenden Spielervolk. Und so wurde die Prince of Persia Serie wieder runtergefahren und abermals mit der alten „Sands of Time“-Trilogie Kick-Start Diskette gebootet. Mutig war früher und so ging Ubisoft dieses mal auf Nummer Sicher. Willkommen zum aufgewärmten Prince of Persia namens „The Forgotten Sands“.

Beim 2008er Prince of Persia konnte man nicht sterben. Das ist der häufigste Satz, den man im Zusammenhang mit dem Spiel hört. Richtig wäre, man sieht nicht wie in anderen Spielen die Spielfigur bei einem falschen Sprung abstürzen bevor man an der gescheiterten Stelle neu beginnt, sondern wird von der Begleiterin Elika sofort dorthin befördert. Eigentlich das gleiche, bloß eleganter, da letzteres auf ein lästiges Game Over verzichtet und das Spielgeschehen deutlich beschleunigt. Bei „The Forgotten Sands“ wurde der Sand der Zeit reaktiviert, mit dessen Hilfe wir bei vergurkten Sprüngen die Zeit zurückdrehen können. Eigentlich das gleiche aber man sieht den Prinz fallen und das schafft beim einfachen Menschen klare Verhältnisse: der Prinz kann endlich wieder sterben.

Auch sonst ist wieder alles beim Alten. Der glücklicherweise immer noch namenlose Prinz (das Kino-Konterfei brauchte ja unbedingt einen Namen) sieht wieder aus wie früher und die Umgebung durch die er schwingt, springt und klettert auch. Das ist im Hinblick auf die Optik gegenüber der grafischen Pracht des Vorgängers, der einer bewegten Konzeptzeichnung glich, zwar schade, im Gesamteindruck aber dennoch nicht schlecht. Denn aus der Angst der Verantwortlichen, bei “The Forgotten Sands” keinen Deut zu viel zu wagen, haben die Entwickler zwar nichts Neues dafür aber etwas in sich rundes Bekanntes erschaffen.

Eigentlich wollte der Prinz ja bloß seinen Bruder besuchen, aber wie sich das für ein Prince of Persia Spiel gehört, kommt eins zum anderen und plötzlich befinden wir uns in einem riesigen Palast, der einer architektonischen Katastrophe ist, hat man dort doch scheinbar sämtliche Treppen und Leitern vergessen. Es liegt also wieder an uns, diesen Palast zu durchstreifen und Persien vor dem Untergang zu bewahren. Dieses Mal droht dieser in Form einer Armee Untoter aus Sand, die unser Bruder aus der Not einer Belagerung heraus gerufen hat, und die droht ihn selbst zu einer der Ihren zu machen. Mit Hilfe einer Djinn stellen wir uns erneut der Gefahr und versuchen im Sandkasten für Ruhe zu sorgen.

Die Steuerung ist für Kenner der Serie intuitiv, für alle anderen schnell zu erlernen. Mit etwas Geschick bleibt man beim Klettern und Rennen im Flow und genießt den anmutigen Anblick des scheinbar hüpfenden Prinzen in schwindelerregenden Höhen. Das ist ja eigentlich alles was man will und das ist abgesehen von ein paar halbgaren Schalter-Rätseln und sporadisch auftretenden Massenkeilereien mit bis zu 50 Gegnern auch alles was man bekommt. Dank der patentierten TAG Prügel-Mechanik machen diese Ausflüge ins Brachiale sogar richtig Spaß und sehen dank Kombinationsmöglichkeiten und Finisher auch noch schön aus.

Erlegte Feinde spendieren uns Erfahrungspunkte, die wir in elementare Kräfte investieren, mit deren Hilfe wir Wirbelstürme heraufbeschwören, uns mit einer steinernen Rüstung schützen oder Feuer und Eis in Richtung unserer Gegner schicken. Die Djinn versorgt uns desweiteren regelmäßig mit magischen Fähigkeiten. Neben der Möglichkeit, die Zeit zurück zu drehen, können wir Wasser gefrieren lassen und begehbar machen, sowie Bauten aus der Vergangenheit herbeizaubern, an denen wir entlang klettern können. Spannend wird es, wenn wir diese Fähigkeiten blitzschnell kombinieren müssen, um weiter zu kommen.

Wer ein paar Stunden Zeit mitbringt, spielt den vergessenen Sand locker an einem oder zwei Tagen durch. Dank einiger gemein versteckter Sarkophage lohnt sich für Achievement-Huren (wie ich eine bin) mindestens ein zweiter, wenn nicht sogar dritter Durchgang. Es ist eins dieser Spiele, die man auch später noch gerne mal wieder an einem Wochenende zum nochmaligen Durchspielen herausholt, um ein weiteres Mal den super in Szene gesetzten Endkampf zu genießen. Weil es sich wie ein rundes Ganzes, aus einem Guss anfühlt. Auch oder gerade weil bei der Entwicklung scheinbar kein Risiko eingegangen wurde.