Portal 2

Am 18. Juni 2011 in spiel

Das lange, kinderfreie Pfingstwochenende nutzte ich, um mir einen kleinen Wunsch zu erfüllen: mal wieder ein mittellanges Spiel bis tief in die Nacht zocken und es in ein, maximal zwei Sitzungen komplett durchzuspielen. So wie früher, als Verantwortung noch was für die wirklich Erwachsenen war. Meine Wahl fiel auf Portal 2 von Valve. Vielleicht habe ich mein Lieblingsspiel 2011 bereits gefunden.

Die arme Chell. Als wäre die Tragödie mit dem Kuchen in Portal Teil Eins nicht schlimm genug gewesen, werden wir in ihrer Haut nach einem langen Tiefschlaf wieder in einer Zelle innerhalb der Aperture Science Testanlage aufgeweckt. Dieses mal aber nicht von der künstlichen Intelligenz GLaDOS, sondern von einem ihrer unterwürfigen Handlanger, dem Core Drop Weathley. Dieser nervöse kleine Zeitgenosse führt uns aus unserem Gefängnis-Apartment durch die riesige, verwitterte Anlage auf die Spur der Vergangenheit von Aperture Science und dummerweise auch direkt in die Arme der stinksaueren GLaDOS, die uns fortan in neuen Testkammern wieder einiges an Logik im Einsatz mit der Portalwaffe abverlangt.

Wer es noch nicht kennt. Diese Waffe bildet die Basis aller Rätsel in der Portal-Serie, indem man je ein orangenes und ein blaues Portal auf helle, glatte Flächen projizieren kann, die dann entgegen den Gesetzen des Raumes direkt miteinander verbunden als Tunnel fungieren. So können wir uns selbst, verschiedene Arten Kisten, eine von drei neuartigen Flüssigkeiten und sogar Laser- oder Traktorstrahlen durch den Raum bewegen um auf diese Weise Schalterrätsel zu lösen. Die dafür nötige Logik ist gerade so hoch, dass es immer nötig ist viel nachzudenken aber nie so schwer wird, dass wir über längere Zeit verzweifeln.

Der Star in Portal 2 sind aber nicht diese Rätsel. Nein, was dieses Spiel zu einem echten Knaller macht, sind zwei ganz andere Dinge. Zum Einen sind es die Kulissen von Aperture Science außerhalb der Testkammern, deren Räumlichkeiten aus der Vergangenheit mitunter sogar recht stark an einen Ausflug ins nautische Rapture erinnert. Die Räume der Gegenwart dagegen gewähren uns einen Einblick in den täglichen Wahn einer automatisierten Forschungsanlage, in der sich Roboter selbst erschaffen. Ein weiterer Höhepunkt in Portal 2 ist die neu eingeführte künstliche Intelligenz Weathley. Die Imperfektion des zuweilen trotteligen Roboters bildet den emotionalen Kontrast zur eiskalt agierenden GLaDOS und der automatisierten Fließbanddynamik der Umgebung.

Das dieses in Hollywood längst bis zur Unerträglichkeit breitgetretene Sidekick-Feature bei Portal 2 so gut aufgeht, liegt an den geschliffenen Dialogen und der sensationell guten Synchronisationsarbeit von Ellen McLain als GLaDOS und Stephen Merchant als Weathley. Sie fesselten mich an den Bildschirm und sorgten dafür, dass ich auch zur spätesten Stunde noch mit tief unterlaufenen Augen weiter und tiefer in die Katakomben der Testanlage vordringen wollte.

Als dann am Ende noch die What-The-Fuck-Kanone gezündet wurde und ich im Angesicht der Endsequenz mit offenem Mund vor dem Fernseher sitzend breit in mich hinein grinste, hatte ich noch gut lachen. Allerdings raubten mir die vielen Stunden, die ich in meinem Kopf das Lied des Abspanns vor mich hin summte, teilweise den Verstand. Und dann befindet sich der Song nicht mal auf dem ersten Teil des gratis erschienenen Soundtracks. Bah. Das ist dein Werk GLaDOS, stimmts?