Playstation Vita Pets

Am 11. Juni 2014 in spiel

Der Labrador meiner Tochter heißt Stella. Es ist ein Rüde. Interessiert sie nicht. Er trägt eine rosa Schleife im Haar (natürlich) und einen Pailletten-Rock (Auweia). Hätten Hunde so etwas wie Selbstachtung hätte sich Stella längst das Leben genommen. Aber Stella ist zum Glück kein lebender Hund, sondern ein virtuelles Wesen in Pets auf der Playstation Vita.

Anstelle des Freitods stellt sich Stella also dem Spieltrieb meiner Tochter. Er holt Ball und Stöckchen, gräbt im Garten oder Park nach Schätzen (sprich: Neue Kleidungstücke. Der Ärmste) und macht mal mehr und mal weniger gut seine Kunststückchen, je nachdem, wie exakt diese meine Tochter per Sprachbefehl ins Mikro der Vita brüllt. Das ist ein altbekanntes Problem bei Playstation und Kinderspielen. Was Erwachsene relativ schnell als semi-gut funktionierende Steuerungsalternativen entlarven und abtun, frustriert Kinder schneller als Sony denkt.

Bereits das Wonderbook hatte diese Probleme mit der Move Steuerung und auch Pets Kontrollschema ist mit seiner Mischung aus Analogsticks, Touchscreen, Bewegungs-Sensor und Mikrofon für Kinder alles andere als intuitiv. Vor allem, weil Tipps zu diesen Aktionen, genau wie Fortschritt und freigespielte Gegenstände, oft nur als Text-Information vorliegen. Das hilft unserer sechsjährigen Tochter herzlich wenig und auch wenn Spiele in diesem Alter durchaus zusammen mit dem Kind erfahren werden sollten, ist ein Handheld mit dem vergleichsweise kleinen Bildschirm für zwei Personen nicht unbedingt die optimale Ausgangssituation. Vor allem nicht, wenn die Eltern die Texte lesen müssen.

Dabei können die Pets Hunde, je nach eingestellter Systemsprache, sogar in der jeweiligen Muttersprache des Spielers sprechen. Da freut sich das Disney geprägte Kind und Eltern drücken bis zuletzt die Daumen, dass die Töle bloß nicht auch noch zu singen anfängt.

So bedarf es einiger Einarbeitungszeit zu zweit, bis sämtliche Möglichkeiten im Spiel auch von unserer Tochter alleine bewältigt werden können. Und auch wenn ich ihr ans Herz lege mich zu fragen, wenn sie etwas im Spiel nicht versteht, ist ihr Notfall-Rückzugspunkt in diesen Fällen oft der virtuelle Kleiderschrank. Dort wird Stella dann wieder mit Schleifchen, Röckchen, Brille und Mütze gequält. Immer mit einem, was auch sonst, Hundeblick, den ich dann gerne als Wunsch nach Frieden werte. In einem Plastiksack unter der Erde.

Es wird sich in den nächsten Tagen noch zeigen müssen, ob sich die 30 Euro hier gelohnt haben. Auch angesichts der Vielfalt an Tablet-Titeln, die zumindest oberflächlich das gleiche machen, wie Pets es tut. Ich bin gespannt. Bis dahin plane ich weiter, den armen Stella irgendwie zu retten. Ich habe schon ganz andere unter die Erde gebracht.