Paterson

Am 15. November 2016 in film

Jim Jarmusch war schon vor über zwei Jahrzehnten maßgeblich daran beteiligt, meine Neigung hin zum Arthouse-Indie-Kino zu prägen. Mit Titeln wie Dead Man zeigte er mir, dass der Western kein verstaubtes Genre im Vormittagsprogramm der öffentlich Rechtlichen sein musste. Mit Down by Law erfuhr ich, was es heißt, einen Film nicht sofort zu verstehen, aber noch Tage über ihn nachzudenken. Und mit Night on Earth erkannte ich, dass Unterhaltungen einen Film großartig machen können, in dem sonst eigentlich gar nichts passiert.

Auch bei Paterson, Jim Jarmuschs aktuellem Film, passiert kaum etwas und der spannendste Teil war ehrlich gesagt im Vorfeld die Frage, ob ich am Telefon nun Karten für besagte Paterson OV oder den neuen Pettersson und Findus-Kinderfilm vorbestellt hatte. Adam Driver, der eben noch als Enkel von Anakin Skywalker die Star Wars-Fankultur polarisierte, ist jetzt Busfahrer in Paterson, New Jersey. So schnell kann’s gehen, wenn man im falschen Moment die Maske runterreißt. Dass die Figur Drivers so heißt, wie der Ort in dem er geboren wurde und in dem er noch immer verweilt, ist eines der Leitmotive des Films: Wiederholungen. Wiederkehrende Muster, Farben und Themen verleihen den Szenen um den fast immer gleichen Tagesablauf des Protagonisten einen kunstvollen Charakter und verhindern auf diese Weise erfolgreich, dass Langeweile aufkommen könnte.

Ich sehe und vor allem höre Adam Driver unheimlich gerne, halte ihn in Star Wars immer noch für einen Glücksgriff und ich habe jede seiner Szenen in diesem Film genossen. Figuren wie die des Paterson gab es im Kino schon einige, aber selten gingen sie einem dabei so wenig auf den Geist wie hier. Das erhöht die Kompatibilität des Films mit der Masse sicherlich ein gutes Stück, ändert aber nicht wirklich etwas daran, dass seine Nische eine eher kleine sein dürfte.

Daran, dass sich kaum zwei Filme von Jim Jarmusch ähneln, ändert auch Paterson nichts, und das ist, angesichts seines üppig herangewachsenen Katalogs, ein faszinierender Fakt. Und ein Grund, freudig der Dinge zu harren, die da noch kommen. Bedanken kann man sich da wohl auch bei Amazon, deren Label Amazon Studios dieses Jahr nach Nicholas Winding Refns Neon Demon hier nun mindestens schon das zweite, sicherlich schwer zu verkaufende Indie-Drama ins Kino gebracht hat. Eine angenehm positive Entwicklung.