Yonder: The Cloud Catcher Chronicles

Am 1. August 2017 unter spiel

Vor gefühlt fünf Jahren habe ich das Entwicklerwerkzeug Unity am MacBook installiert und mir gesagt, dass wenn ich nochmal ein Spiel schreibe, es eine kleine Insel hätte, auf der man ganz viel entdecken könnte. Nach einer Woche mit Yonder streiche ich das jetzt einfach mal von meiner Bucket-List, denn das, was Prideful Sloth hier in Unity auf den PC und die Playstation 4 gezaubert haben, hängt die Messlatte so dermaßen hoch, dass ich direkt zum nächsten Punkt auf meiner Liste springen kann: Irgendwas mit „nackt“, „Running from the Bulls“ und „Vanillecremetörtchen“. Auweia!

Wenn einschlägige Seiten im Netz über Yonder schreiben, dann meist über die Abstinenz jeglicher Herausforderung und ich gebe zu, dass es genau das war, was mein Interesse an diesem Titel geweckt hat. Nicht ohne Grund, denn in der schwierigen Balance zwischen „herausfordernd“ und „frustig“ liegt irgendwo mein Problem mit gefühlt vierhundert Spielen begraben. Ja, Yonder fehlt die Herausforderung im klassischen Sinne, aber hier gibt es so dermaßen viel zu tun, dass ich mir gar nicht vorstellen könnte, wann genau ich mich nach dieser sehnen sollte. Hier aufzuführen, was alles in Yonder möglich ist und wo man sich von anderen Spielen zu tollen Ideen hat inspirieren lassen, würde den Rahmen sprengen. Einfacher ist es zu sagen, was nicht geht: Schwimmen und Kämpfen. Ersteres ist schade.

Natürlich hält sich die Komplexität dabei in gesunden Grenzen. Ein Stardew Valley hat mehr Möglichkeiten, wenn es um die eigene Farm geht, ein Zelda hat weit größere Landschaften und eine spannende Geschichte obendrein und ein Minecraft lacht sich beim Anblick der Herstellungsmöglichkeiten sicherlich ins blockige Fäustchen. Aber all das in einem Spiel zu sehen, welches dabei so schön aussieht (sorry Minecraft), ist im mittleren Preissegment, in dem sich Yonder bewegt, großartig und vielleicht auch einzigartig.

In der Essenz laufe ich dabei zwar nur von Punkt A nach Punkt B und lasse mich dabei klassisch von zwei Dutzend Nebenquests, allerlei süßen Kreaturen und Schatztruhen mit modischem Inhalt ablenken, aber nerven tut all das aufgrund der spielerisch sorglosen Attitüde irgendwie kaum. Und Potential für gepflegtes Prokrastinieren gibt es auch ohne das Zerlegen von Dämonen und Zombies mit dem Schwerte zuhauf: Überall auf der Spielwelt verteilt gibt es Farmen und Brücken, die für die Benutzung repariert werden müssen, mehrere traditionelle Berufe, unter anderem Tischler, Schneider oder Koch können neben der alltäglichen Tätigkeit als Farmer erlernt und gemeistert werden, entlaufene Katzen wollen gefunden und arglos gefällte Bäume neu gepflanzt werden. Jede dieser Aufgaben schlägt dabei mit mehreren Stunden zu buche. Und wer wie ich keine Lust hat, die verschiedenen Tiere auf den im ganzen Land verteilten Höfen zu versorgen, sondern alle quer durch die Spielwelt zu locken, um sie dann auf einer Farm zu vereinen (nicht ohne dabei den Lonely Shepard zu pfeifen), kann noch weitere Stunden der ansonsten ja eher vergeudeten Lebenszeit investieren.

Das Preisleistungsverhältnis kippt endgültig ins Plus sobald ein Feuerwerksautomat auf der eigenen Farm installiert ist: Jeden Abend kann dann das eigenhändig kuratierte Feuerwerk von fast überall auf der Insel beobachtet werden. Das allein ist die 25€ wert.

Jetzt gilt es abzuwarten, wie Yonder auf Dauer gepflegt wird. Das Potential für weitere Abenteuer ist da, die Aufgabe, diese zu nutzen, ist für ein Indiestudio und ein Spiel im mittleren Preissegment allerdings keine leichte. Da sieht man es wieder. Das echte Leben hält halt schon genug Herausforderungen parat.


Dunkirk

Am 28. Juli 2017 unter film

Ich mag keine Kriegsfilme. Ich muss aber ständig welche schauen, weil große oder für mich interessante Namen in Hollywood welche machen. Ob Tarantino, Jeunet, Eastwood oder Gibson. Irgendwann scheint es sie alle zum Krieg zu ziehen und jedes Mal finde ich das doof und muss am Ende sagen, großartig, aber halt Krieg. Jetzt hat es also den Christopher Nolan gepackt und sein Dunkirk ist endlich im Kino. Ein Kriegsfilm. Er ist großartig, aber halt Krieg.

I hate war movies with a passion but Dunkirk was easily the most extreme audiovisual experience since Valhalla Rising. In a good way. My Oscar bet for best actor: Hans Zimmer.

Ich stehe zu meinem oben zitierten Beitrag auf Instagram: Man kann der Zimmer Musik Manufaktur vorwerfen, dass deren Output wie am Fließband in Teilen anfängt generisch zu wirken, aber das hier ist aufgrund des Zusammenspiels mit den Bildern schierer Wahnsinn. Hintergrundgeräusche und Musik schein sich zu vermischen und arrangieren sich zu einem bombastischen Klangteppich für Bilder, die nicht nur in 70 Millimetern die Schwerkraft im Bereich der Kinnlade verstärken. Immer wieder fragte ich mich im Kino, warum ich derartiges in diesem Maße noch nicht gesehen und gehört habe, obwohl es Luftaufnahmen und reduzierte Farbpaletten nun wirklich schon zuhauf im Kino zu sehen gab.

Es stimmt, dass Dunkirk beinahe komplett ohne Blut auskommt, und es stimmt auch, dass Blut hier überhaupt nicht nötig war. Die Bilder, bestehend aus handwerklichen Aufnahmen im und auf dem Wasser, sowie in der Luft sind auch ohne Blut aus Eimern bedrückend, und die Tragik schwer wie ein Sack Steine. Und Blut ist egal. Das Thema Krieg ist egal. Alles ist irgendwie egal wenn sich der Soundtrack wie ein Bohrhammer auf grollenden Bässen in unseren Kopf eindringt, sich dort einnistet und uns nicht mehr loslässt, bis das Licht im Kino angeht. Dunkirk ist eine audiovisuelle Erweiterung des Bewusstseins, ohne zu weit ins künstlerisch strapaziöse abzudriften (sorry, Valhalla Rising). Und das macht ihn zu etwas Einzigartigem.


16 Bars in einer Nacht

Am 25. Juli 2017 unter ansage

Irgendwie hat es mich am Sonntag in die Gesangskabine verschlagen. Alkohol hatte damit überhaupt nichts zu tun, ich schwöre! Das Ergebnis gibt es jetzt jedenfalls auf Bandcamp oder hier als schlecht synchronisiertes Video.


Seven Eleven

Am 23. Juli 2017 unter prosa jasonstatham

Jason Statham wurde von Rosie für den Windelkauf zum Seven Eleven an der Ecke Hollywood Boulevard geschickt. Für die zwei Kilometer hat er sich mit einer Neunmillimeter, einem über dem Gasherd geschwärzten Bowiemesser und einem hippen Turnbeutel mit dem grob gepixelten Konterfei von Dwayne „The Rock“ Johnson ausgerüstet. In der rechten Designersocke unter der zweimal umgekrempelten Jeans steckt sicherheitshalber der Grapefruitlöffel, den er von Liam Neeson geschenkt bekommen hat, und der mit gut einem Dutzend schöner Erinnerungen an damit ausgeschaltete Tunichtgute behaftet ist. Seine rechte Hand zuckt einsatzbereit und in der Linken hält er einen Zettel mit drei handgeschrieben Punkten und einem Herz-Emoji: Windeln, Feuchttücher, Sechserträger Piccolo-Sekt. Hinter dem Müllcontainer neben dem Hinterausgang des Shops hat Jason Statham ein Basislager errichtet und Stellung bezogen. Nicht ohne sich eine Verletzung zugezogen zu haben, da irgendjemand eine leere Flasche Alkoholisches neben den Container achtlos zu Boden geschmettert hat. Den Hintereingang immer im Blick näht sich Jason Statham die klaffende Wunde am Unterarm mit Haken und Faden zu, die er sich schnell mal eben nebenan in einem Spezialgeschäft für Anglerbedarf gekauft hat. Natürlich verzieht er während der Eigenbehandlung keine Mine.

Im Feldstecher Jason Stathams erscheint ein Mitarbeiter des Seven Elevens, der offensichtlich für eine Zigarettenpause den Hintereingang aufgesucht hat. Noch bevor sich die selbst gedrehte Zigarette auch nur hätte entzünden können, hat Jason Statham bereits ihren Besitzer elegant zu Boden geworfen und mit dem Grapefruitlöffel ausweglos fixiert. Über die linke Flanke und mit gezogener Waffe im Anschlag sprintet Liam Neeson, der Statham auf eine knappe Whatsapp Textnachricht hin zur Hilfe geeilt ist, geradewegs in den Minimarkt. Nachdem der Angestellte mit der Zigarette fachgerecht gefesselt und im Container verstaut wurde, stürmt auch Jason Statham mit gezogener Neunmillimeter in den Laden und bezieht, taktisch klug, direkt zwischen den Windeln und den Feuchttüchern Deckung. Ohne sich von den Schüssen aus dem vorderen Teil der Einrichtung aus der Ruhe bringen zu lassen, vergleicht er konzentriert Preise und angepriesene Qualitätsmerkmale, bevor er sich für die Windeln mit den Giraffen und die Feuchttücher mit der Rabattmarke für einen Sechserträger Piccolo-Sekt drauf entscheidet.

Da ein gefesseltes älteres Ehepaar den Weg zu den Kühlschränken mit den alkoholischen Getränken versperrt, robbt sich Jason Statham rücklings durch einen See aus Erdnüssen und Salzstangen über den Gang mit den Knabbereien in Richtung Kassenbereich. Liam Neeson hält dort bereits den Kassierer mit der Waffe in der Linken und einem Sechserträger Piccolo-Sekt in der Rechten in Schach. Auf dem Tisch liegen das genau abgezählte Geld und eine 15 Prozent Rabattmarke, die der zitternde Mitarbeiter wimmernd in der Kasse verschwinden lässt. Liam Neeson schießt noch einmal zur Warnung in die Auslage mit den Backwaren und Jason Statham bricht einem völlig unbeteiligten und absolut zufällig im Laden stehenden Mitglied der ortsansässigen Mafia den Arm, ohne seine eigenen zu bewegen. Dann verlassen sie den Minimarkt.

In der drückenden Mittagssonne des Hollywood Boulevards stehen Liam Neeson und Jason Statham nach erfolgreicher Mission vor dem brennenden Seven Eleven und geben sich selbstbewusst und auch ein bisschen stolz die Brofist. Gerade wollte Liam vorschlagen, dass sie doch noch auf einen Schluck Mittagessen in ihre Lieblingskneipe einkehren könnten, als Jason Stathams polyphoner Klingelton ertönt und Rosie ihm über eine Whatsapp Text-Nachricht mitteilt, dass sie noch Milch bräuchten. Noch bevor das Telefon in der Hosentasche verschwunden ist, hat Liam Neeson längst wieder die Skimaske übergezogen und ist bereits auf dem Weg zurück in den brennenden Seven Eleven. Jason Statham lädt noch einmal die Neunmillimeter durch und stürmt hinterher. Für die Familie!


LEGO Brickheadz FEZ

Am 15. Juli 2017 unter lego fez

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Ein BrickHeadz Gomez aus dem großartigen Videospiel FEZ hat noch gefehlt und wurde prompt von mir in zwei Varianten gebaut: Mini und Maxi. Ich bin für die Planung mittlerweile vom LEGO Designer auf Stud.io umgestiegen. Deshalb gibt es die Anleitungen inklusive der Steineliste jetzt hier und hier. Im Nachhinein habe ich gesehen, dass es tatsächlich einen Fez, also einen kleinen roten Hut von LEGO gibt, der bei dem Mini-Modell noch etwas besser aussieht, als die rote Kaffeetasse, die ich benutzt habe.