TxK

Am 19. Februar 2014 unter spiel

Ich war nie der Typ Mensch, der auf psychedelische Computer-Animationen stand. Kubricks 2001 mochte ich genau bis zum Einsatz derselben. Zu Zeiten der Acid-Kultur fehlte mir das Acid im Körper. Und mit Jeff Minters Indie-Produktionen im Videospielbereich konnte ich nur solange etwas anfangen, wie die Hardware seine bunten Fantasien noch im Zaum halten konnte. Mit dem Atari Jaguar und Tempest war das vorbei. Bei seinem Visualizer für den Audioplayer der Xbox 360 lief ich erst einmal aus dem Haus und riss dem nächstbesten Passanten die Zeitung aus der Hand. Dort stand, dass die Achtziger lange vorbei waren. Komisch.

Jetzt gibt es TxK. Vom Namen her ist das wohl der traurige Versuch Tempest 2000 und 3000 chronologisch sinnvoll zu toppen und gleichzeitig hipp abzukürzen. Toll. Wie der Name jedoch erfolgreich suggeriert, handelt es sich hier ebenfalls um ein Tempest. Und mehr gibt es auch nicht. Das ist natürlich nicht schlimm, wenn man auf Tempest steht. Ich bin nicht verliebt, lasse mich aber dennoch gerne auf ein Techtelmechtel ein. Und genau da zahlt sich der Vita Port aus. Denn Sonys Kleine ist prädestiniert dafür, einfach mal ein paar Spielminuten in der Bahn, vor dem Einschlafen im Bett oder auf dem Klo einzulegen. Gerade so viel, um TxK noch zu mögen und nie lange genug, um von der Grafik Regenbogen zu kotzen.

TxK ist genau das, was ich erwartet habe: Bunt, grell und Scheißmusik. Steht der Vita sehr gut.

Super: Erreiche ich zum ersten Mal einen neuen Level, merkt sich das Spiel mein aktuelles Set, zum Beispiel die Anzahl Leben, mit denen ich diese Runde erreicht habe. Das jeweils beste Set dient später beim direkten Anwählen eines bereits gespielten Level als Startgrundlage. Es lohnt sich also, mal ein paar Runden früher einzusteigen, um für nachfolgende Level bessere Start-Sets zu erspielen. Das ist auf eine erfrischende Art und Weise so motivierend, wie etwa auf Highscore zu spielen.

Dieser Absatz ist der Musik gewidmet, über die Menschen mit der Gabe Techno-Musik zu beurteilen, jetzt wahrscheinlich Lob aus Eimern auf die Komponisten schütten würden. Dummerweise finde ich Techno zum Kotzen und möchte an dieser Stelle diskret darauf hinweisen, dass ich die Musik scheiße finde.

TxK wäre ein GOTY Kandidat. Aber nicht in diesem Jahrhundert.

Die Steuerung mit dem Analog-Stick finde ich etwas zu schwammig. Die abstrakte Mischung aus Rail-Shooter und Space Invaders spielt sich mit den Richtungstasten deutlich besser und auch hier punktet die Vita, die im Gegensatz zu den großen Brüdern ein gutes “Steuerkreuz” vorweisen kann. Etwas wirr wird es in den Bonusrunden, wenn ein Feature der Hardware genutzt wird, auf das ich bisher gut hätte verzichten können: Der Neigungssensor. Nachdem dieser schon das von mir sehr geschätzte Flower erfolgreich kaputt gemacht hat, nervt er jetzt bei TxK rum, wenn ich mit seiner Hilfe mein Schiff in den nächsten Level und möglichst zentriert durch Tore fliegen lassen soll. Das gute daran, wenn man es gelangweilt ignoriert: es kostet nur Bonuspunkte.

Davon ab sind Tempest und die Vita ein tolles Paar und die Entscheidung darauf zu setzen war goldrichtig. Und der Preis stimmt für ein nicht wenig wichtiges Stück Spiele-Kultur aus der Vergangenheit auch. Passt also.


Inside Llewyn Davis

Am 16. Februar 2014 unter film

Als ich gestern im örtlichen Programmkino mit meiner Fritz Kola Light und meiner Frau in die Sessel rutschte, um mit circa sechs weiteren Personen Inside Llewyn Davis zu einer fast schon respektlosen Zeit um 14:15 Uhr[(#footnote1) 1)] anzuschauen, wurde ich mir eines interessanten Gefühls bewusst: Ich machte mir nicht die geringsten Sorgen, dass das, was ich gleich sehen würde, nicht zwei wunderbare Stunden werden. Der Grund ist einfach. Es gibt keinen Coen-Film, den ich nicht genossen hätte. Es gibt solche und solche Filme in ihrem Repertoire, aber ich kann über keinen sagen, dass ich nicht durchgehend gut, manchmal witzig, manchmal abstrakt, unterhalten wurde. Das wünscht man sich doch im Kino.

Und natürlich musste ich mir keine Sorgen machen, denn schon Cast und Idee des Films sprachen mich voll an. Und dabei kann ich nicht einmal sagen, dass mir die Musik im Film großartig gefällt. Ich bin kein Fan von Dave Van Ronk, dessen Musik und Memoiren die Vorlage für Llewyn Davis waren und werde es auch jetzt nicht werden. Egal, denn im Film passt die Musik. Oscar Isaac spielt den schwierigen Kleinkünstler am Rand des Ruins super und gehört nach Drive (auch dort an der Seite von Carey Mulligan, die ebenfalls in Inside Llewyn Davis spielt) und dem von mir hochgelobten Sucker Punch eh zu meinen Lieblings-Schauspielern. Genau wie Justin Timberlake, mit dessen Musik ihr mich ebenfalls jagen könnt. Als Schauspieler ist er aber einfach großartig.

Ich habe ein Problem mit Biopics. Sie sind selten interessant (Hust! Dallas Buyers Club, Hust!), weil die Geschichten dahinter natürlich selten fürs Kino gemacht sind. Da lobe ich mir doch die Gebrüder Coen, die sich von den Lebensgeschichten anderer einfach nur inspirieren lassen und dann ihren eigenen Scheiß daraus machen. Und ihre kleinen Signaturen hinein puzzeln. Zum Beispiel einen jungen, noch unbekannten Bob Dylan, einen Haufen skurrile Charaktere und John Goodman. Himmel, jedes Mal, wenn ich ihn in den letzten Jahren in einem Film- oder Fernseh-Projekt sah, fragte ich mich ob er dieses Mal bei den Dreharbeiten dahinscheidet, so schlecht, wie der aussieht. Macht er natürlich auch bei Inside Llewyn Davis (fast) nicht.

Bleibt eigentlich nur noch eine Sache über, die ich mir wünschen würde: Das es dieses Mal nicht drei Jahre dauert, bis es was neues an der Coen-Front gibt! Blödsinn, ich weiß. Hetzen macht schon im Mainstream-Kino genug kaputt. Also sollen sie sich eben Zeit lassen, um mich dann bitte wieder so wunderbar zu unterhalten, wie sie es bisher immer gemacht haben. Ich warte. Danke.

Zur Ehrenrettung unseres großartigen Programmkinos muss ich sagen, dass Inside Lewyn Davis bereits vorher einige Wochen in der Original-Version zur Prime Time lief.(#reference1) ↩)


Takashi Miikes Ninja Kids

Am 8. Februar 2014 unter film

Was zur Hölle habe ich da gerade gesehen? Nehmen wir einmal an, ihr alle kennt den Regisseur Takashi Miike. Sei es von damals, als er mich zum Beispiel mit „Audition”, „Visitor Q” und „Ichi the Killer” verschreckte und mit der Dead or Alive-Trilogie verzückte. Oder von vor ein paar Jahren, als er in akribischer Feinarbeit die Samurai-Klassiker 13 Assassins (Yay!) und „Hara-Kiri” (Nay!) neu verfilmte. Wenn ihr euch jetzt einmal vorstellt, dieser Mann würde einen beliebten Manga (relativ) kinderfreundlich verfilmen, was habt ihr da bitte schön für ein verschrobenes Bild im Kopf? Haltet das, und nehmt es mal zehn. Fertig. Dieses Wirrwarr ist tatsächlich „Ninja Kids!!!”.

Ein Film über eine Ninja-Schule, in der kleine Shinobi und Kunoichi lernen, tödliche Ninja zu sein. Kann ja nur gut sein! Das Wunder, das Miike dabei vollbringt ist, dass die Mischung aus Fäkal-Humor, Furz-Witzen und absurdem Slapstick als Realfilm irgendwie trotzdem liebevoll wirkt. Und wenn ich dachte, jetzt habe ich alles gesehen (Susumu Terajima als Ninjameister mit aufgemalten Schnurrbart), singt ein Frisör im Kabuki-Stil den Überfall auf seinen Frisörsalon vor.

Natürlich kommt auch ein japanischer Kinderfilm nicht ohne ein unglaublich zähes und unglaublich pseudo-dramatisches Finale aus. Ich bin schon in Kaugummis getreten, die spannender waren. Das ist aber alles egal, denn immer, wenn ich kurz vorm Schreien war, passierte etwas, das mich ungläubig auf den Fernseher hat starren lassen. Das Miike Trademark, der What-The-Fuck-Moment ist bei „Ninja Kids!!!” so allgegenwärtig, wie zum Beispiel beim ersten Dead or Alive. Nur in eine andere Richtung.

Das ist toll. Das ist so anders. Das ist … ich weiß es nicht! Ich fand’s einfach toll. Und noch etwas: Der Film hat mir wieder klar gemacht, dass ich wieder mehr japanisches Kino schauen muss. Mache ich. Versprochen.


Winter

Am 7. Februar 2014 unter prosa

Winter. Früher habe ich Schnee immer gemocht. Heute hasse ich ihn. Früher hab’ ich immer Schneemänner gebaut. Heute mache ich aus Schnee Trinkwasser. Schöne Scheiße. Wasser! Alkoholisches kann ich aus Schnee nicht tauen. Wäre aber passender. Die Brünette hat aber Alkohol verboten. Die Brünette verbietet immer alles. Kein Alkohol, kein Golfspielen auf Dächern. Und vor allem nicht beides gleichzeitig. Zicke. Was steht sie auch direkt hinter mir! Eine Woche hat sie mich nur aus einem Auge heraus gemustert. Schöne Zeit! So ein Feilchen kann man mit Schnee auch gut kühlen. Ich lache ein bisschen in mich hinein. Schön. Jetzt guckt sie mich gerade wieder aus beiden Augen schief an. Man könnte meinen sie mag mich nicht. Ich lache wieder. Weil ich ja nicht den Schnee zum Trinkwasser machen sammele. Wenn ich wüsste, dass sie ihr Wasser aus meinem Eimer tauen würde, hätte ich ihr längst gelben Schnee gesammelt. Was ist die überhaupt so nervös? Es schneit und überall liegt Schnee. Wir sind seit einer Viertelstunde draußen und noch immer völlig ungestört. Es ist Winter, da sind sie langsamer und man hört ihre Schritte besser. Kein Grund nervös zu sein. Ah, jetzt flirtet sie wieder mit dem Dicken. Eine Eins mit Sternchen fürs Schneesammeln du alter Streber. Da hat er mal was gefunden, was er kann! Golf konnte er jedenfalls nicht. Mir ist langweilig. Und ich möchte besoffen sein. Endlich mal wieder richtig besoffen sein. Ich habe eine bessere Idee: Ich baue einen Schneemann! Ha! Soll sie ihr Wasser doch selber suchen. Ich baue hier und jetzt den größten Schneemann weit und breit. Aber ich hab’ kein Bock mich zu bücken. Ich fang einfach mit der Signatur an. Hier, mitten in den Schnee. Herrlich. Kalt, aber herrlich. Sie schreit wieder. So blöd. Jetzt dauert es höchstens noch drei Minuten und die Bastarde kommen wieder aus ihren Löchern geschlurft. Und ich bin natürlich wieder der Buhmann. Und jetzt motzt mich der Dicke auch noch voll. Wütend stapfe ich den anderen hinterher in den Unterschlupf. Früher war echt mehr Winter Wunderland, ey. Und in den Schnee pinkeln ist jetzt auch verboten. Olle Zicke!

Den Original-Artikel gibt es drüben bei David in den Kommentaren.


Hotline Miami

Am 6. Februar 2014 unter spiel

Ich pflege Spiele auch immer zu spielen, wenn ich sie kaufe. Einen Pile of Shame habe ich so gut wie gar nicht. Manchmal kaufe ich Spiele, die mir leider gar nicht gefallen. Dann wird es blöd, weil ich trotzdem versuche sie zu spielen, in der Hoffnung, der Funke springt irgendwann doch noch über. Wenn mir ein Spiel einmal zu schwer ist, lege ich es weg und versuche es ein paar Wochen später noch einmal. Ein anderer Tag, ein anderes Befinden reicht manchmal schon aus, um ein Spiel ganz anders anzugehen.

Hotline Miame war so ein Spiel. Keine Sonne habe ich dort gesehen. Null. Im Gegenteil: Ich war nach ein paar Stunden so angepisst, dass ich das Spiel wieder von der Festplatte der Playstation 3 löschte. Und das, obwohl ich sonst alles an dem Spiel mochte: die klassische Top-Down-Ansicht, die Sprites, das 80er-Setting und der ein bisschen an Drive angelehnte Soundtrack. Hammer. Eine Spur zu brutal für mich, aber trotzdem sehr gut.

Jetzt, Monate später und nach einem erneuten Aufgreifen, spielte ich es gestern nach ein paar Tagen durch. Und ich gebe zu: Ich liebe es! Das Problem war, dass ich einfach nicht wusste, wie man es richtig spielt. Meinem Gemüt entsprechend riss ich Türen auf und pumpte Blei in die Zimmer des Spiels. Beim erneuten Anspielen vor einigen Tagen besann ich mich dagegen auf eine Technik, die meine Frau aus dem FF beherrscht und zur Vollendung gemeistert hat: Die Hasenfuß-Taktik. Gelernt sie zu nutzen, hat sie diese bei Gothic. Sie funktioniert auch bei Hotline Miami perfekt.

Das Grundprinzip der Hasenfuß-Taktik: Den Gegner aus der Distanz ausspionieren und dann ebenfalls aus der Distanz anzugreifen. Aber nur einen nach dem anderen! Bei Hotline Miami sah das bei mir wie folgt aus: Ich erledigte einen Gegner in einer Gruppe aus der Distanz und verzog mich zurück in einen leeren Raum, wartete, bis sich alle wieder gruppierten und wiederholte die Prozedur. So löste ich fast alle schwierigen Stellen und hatte damit mehr Spaß, als mich den manchmal zu willkürlich agierenden Gegnern direkt zu stellen und mir mit ihnen ein “Tür-Duell” zu liefern.

Spaß gemacht hat es trotzdem. Weil Hotline Miami diese Momente hat. Wenn es mir zum Beispiel eine Uzi in einem sehr langen Foyer in die Hand legt, mit der ich dann wie Sorter im Film “Revolver” einfach in den Raum hineinschieße, ohne das ich überhaupt sehe, wohin. Wenn dann ein paar Sekunden später zwei, dreimal der Bonus für erledigte Wachen aufpoppt, ist dieses wohlige Action-Film-Gefühl da. Diese Stellen sind bei Hotline Miami wie Belohnungen für scheinbar endlose Strapazen, die der Spieler erleiden muss.

Was bei der Hasenfuß-Taktik auf der Strecke bleibt ist die Punktzahl. Ich hasse Bewertungen in Videospielen. Bis heute habe ich es zum Beispiel nicht geschafft, in Gungrave auf der Playstation 2, einmal in allen Kategorien eine volle Punktzahl zu bekommen. Obwohl ich es sicher an die fünfzigmal durchgespielt habe. Bescheuert. Bei Hotline Miami wird natürlich, genau wie bei Gungrave, die Zeit mit in die Bewertung einbezogen. Find’ ich doof. Ich will doch gar nicht hetzen und auf Zeit kann ich es doch auch spielen, ohne sonst dafür eine schlechte Note zu bekommen. Ich nehme es ohne weiteres hin, nicht die Bestnote zu bekommen, wenn ich als Hasenfuß daherkomme, nicht aber, weil ich mir Zeit lasse, mich an Details in der Umgebung ergötze und einfach das Spiel genießen will.

Egal. Ich sagte ja bereits, ich liebe Hotline Miami dennoch. Und ich freue mich jetzt auch auf den zweiten Teil, obwohl ich mir tief in meinem Herzen wünschte, es würde ein Squad-Shooter mit Online-Multiplayer in diesem Setting werden. Wäre das schön!