Gravity

Am 2. März 2014 unter film

Ich bin ja der Meinung, dass Alfonso Cuarón ein bisschen verantwortlich dafür ist, dass die teilweise unsäglichen Verfilmungen der Harry Potter Bücher nach seinem interessanten dritten Teil doch noch irgendwann die Kurve gekriegt haben und letztendlich in David Yates Deathly Hallows Teil Eins gipfelten. Der Mann hat ein Händchen für tolle Atmosphäre.

Das merke ich auch bei Gravity, denn wenn ihm eins gelungen ist, dann die Kunst, die Schwerelosigkeit, die Kälte und die bestialische Stille des Weltraums zu uns ins Wohnzimmer zu transportieren. Diesem Film keinen Effekt-Oscar zu geben, wäre eine Gemeinheit und falsch.

Dennoch: Die furchtbar flachen Dialoge des Films werden auch nicht besser, wenn sie der Hollywood-Premium-Cast spricht. Ich sehe George Clooney sehr gerne, muss bei seiner Rolle in Gravity aber die ganze Zeit an die Rentner in Space Cowboys denken. Sandra Bullock, die mir bisher nur in Crash positiv aufgefallen ist, ist sicherlich kein Sam Rockwell, macht in Gravity aber wirklich das Beste aus den Dialogen. Ich glaube, dass ein weniger bekannter Cast mir hier deutlich besser gefallen hätte.

Richtig schlimm ist aber die Formel des Films, die stetig das selbe Schema wiederholt:

  1. Houston wir haben ein Problem.
  2. Oh, wir haben nur 5 Minuten Zeit.
  3. Ungefähr fünfzehn Minuten später, also bei Minute 4:59(!) entgeht Frau Bullock gerade noch so dem sicheren Tod.
  4. zurück zu Punkt 1.

Immer wieder. Gegen Ende des Films wurde die Filmcrew dann etwas schlampig und ich habe mindestens noch eine Handvoll „Gefahren” gesehen, die ebenfalls das Leben der Astronautin hätten gefährden können, aber es nicht taten. Komisch.

Das alles ist in Anbetracht dessen, was der Film sein will, nämlich eine Effekt-Parade, eigentlich nicht schlimm. Aber mich lenkte es doch sehr davon ab. Dem Film macht das nichts, denn die Tickets für die Oscars sind gelöst, und das war eh klar. Für das teure Heimkino ist dieser Film auf dem entsprechenden Medium aber sicherlich das neue Referenz-Werk.


Der Kleine Ninja

Am 27. Februar 2014 unter prosa ninja

Weißt du, was ein Ninja ist?

Nein? Dann möchte ich dir heute gerne etwas über einen Ninja erzählen. Ninja erkennt man vor allem daran, dass sie fast immer schwarz angezogen sind und ihr sie deswegen gar nicht erkennen könnt. Ninja haben nämlich immer eine Maske auf. Schwarz, wie der Rest ihrer Kleidung, und mit einem Schlitz über der Nase, gerade so groß, dass ihre Augen hindurch schauen können. Ninja wollen nämlich nicht erkannt werden.

Im Netz lesen oder als .epub oder .ibook herunterladen.


Thor: The Dark World

Am 26. Februar 2014 unter film

Meine Fresse, habe ich den ersten Teil damals gehasst. Was ich wollte, war ein Vater-Sohn-Superhelden-Kinoabend. Was ich bekam, war eine der für mich miesesten Marvel-Verfilmungen mit Alibi-3D. Ich muss mich ein wenig selbst loben, dass ich jetzt Lust hatte, mir dennoch den zweiten Teil anzuschauen. Und das, obwohl der hierzulande sofort durch seine völlig unverständliche Namensänderung von „The Dark World” in „The Dark Kingdom” negativ auffiel. Ich verdächtige da einen großen Verleih mit Hang zu Prinzessinnen und Königreichen.

Nun, meine Erwartungen waren gleich Null und das ist immer die beste Ausgangssituation. Und siehe da, Thor 2 hat mir gleich viel besser gefallen. Offensichtlich sind die unzähligen Marvel-Verfilmungen eine gute Möglichkeit aus Fehlern zu lernen. Da wäre zum Beispiel der großartige Tom Hiddleston, der als Loki endlich nicht mehr diesen blöden Helm aus “The Avengers” tragen muss. Es wird sich sogar über Totalausfälle der Marvel-Kostümierung lustig gemacht und selbst der König des schlechten Geschmacks, Thor selbst, trägt weniger Bling Bling und mehr Schwarz. Das passt zum allgemein sehr düsteren Look des Films, der optisch so ganz meinem Gusto entspricht.

Ein fester Bestandteil Marvels im Kino ist der massentaugliche Humor, der normalerweise aus Punchlines besteht. Ausgerechnet Thor zeigt jetzt, dass es (zusätzlich) noch eine Stufe besser geht. Der Garderoben-Witz ist mir die Leihgebühr des Films schon wert gewesen. Der restliche Anteil des Ohne-Hose-Slapsticks geht größtenteils auf die Kappe des Skarsgård Clan Familien-Oberhaupts und da hat man gefälligst schon aus Respekt zu lachen.

Im Finale, übrigens der Moment, vor dem ich mich in jedem Superhelden-Film am meisten fürchte, weil dort immer der CGI-Autopilot angeworfen wird um irgendwie die letzten 15 Minuten rumzukriegen, gibt es dann überraschenderweise das, was „Jumper” uns vor Jahren versprochen hat. In gut! Mir fehlen die Worte.

Nach Iron Man 3 ist Thor 2 nun der zweite Marvel-Film, der mir gefallen hat. Verrückt. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt und ich freue mich jetzt noch ein Stück mehr auf die Wächter der Galaxis.


Big Bad Wolves

Am 26. Februar 2014 unter

layout: post title: “Big Bad Wolves” tags:

  • film

An israelisches Kino komme ich selten bis gar nicht. Umso mehr gefiel mir die Aktion, den Film „Big Bad Wolves” im US iTunes Store zeitgleich zum US Kinostart leihen zu können. Habe ich gemacht. Hat sich gelohnt. Dieser Film hat eine Seele, so schwarz wie ein Stück Kohle und geniert sich nicht, trotzdem auch noch seinen Humor darin zu färben.

Im Film beobachte ich hauptsächlich drei Männer. Der eine ist Polizist, der andere Schriftsteller und Vater, der dritte ist ein mutmaßlicher Kinderschänder. Diese Dreiecksbeziehung entsteht wie folgt: Die Tochter des Vaters wurde brutal ermordet und der Polizist vereitelt durch Polizeigewalt die Beschattung des mutmaßlichen Täters. Letzterer kommt auf freien Fuß, ist für seine Umgebung von da an aber ein abgestempelter pädophiler Mörder. Der Polizist wird in Folge der Ereignisse suspendiert. Dann wird’s arg.

“Big Bad Wolves” spielt mit der Angst des Zuschauers. Bereits die handwerklich geniale Eingangsszene lässt zuschauende Eltern unruhig auf dem Sitz hin und her rutschen. Ich verrate euch was: Es wird nicht einfacher. Aber: Trotz einiger unangenehmer Folterszenen, die meiner Meinung nach gerne auch nur in meinem Kopf hätten stattfinden können, verkommt „Big Bad Wolves” zu keiner Zeit zum plumpen Torture-Porn. Diesbezüglich hatte ich nach dem Trailer große Angst. Nein, der Film überrascht hingegen mit seinen tollen Figuren und überdurchschnittlich guten Schauspielern, allen voran Tzahi Grad, eine Art israelischer John Goodmann).

„Big Bad Wolves” versetzt seine Figuren in eine Situation, die keine von ihnen realistisch zu lösen vermag. Und genauso geht es mir als Zuschauer, denn auch ich bekomme zu keiner Zeit handfeste Informationen über die Situation zugespielt. Das macht es intelligenter und dadurch ein Stück weit erträglicher als zum Beispiel „I Saw The Devil”. Es ist ein schweres, aber besonderes Filmerlebnis. Ein Kandidat für meine Jahres-Bestenliste.


Gunslugs

Am 21. Februar 2014 unter spiel

Sorsum kennt ihr nicht. Sorsum war schön. Ehrlich gesagt, kenne ich Sorsum auch nicht richtig. Ich kenne dort nur ein einziges Haus. Das der Eltern eines Freundes. Ich habe viele schöne Erinnerungen an dieses Haus, denn dort haben wir, wenn sturmfrei war, mit dem Neo-Geo gezockt, Alkohol getrunken und Zeugs geraucht. Besonders toll war Metal-Slug auf dem Neo-Geo CDZ im Combat School Modus, wo wir uns um Highscores und Auszeichnungen duellierten.

Dann kam Metal Slug 2, Teil X und naja, dann wurde es mir irgendwann zu bunt. Metal Slug entwickelte sich zu einer Parade recycelter Grafikelemente. Eine traurige Geschichte, die leider noch nicht fertig geschrieben ist. SNK Playmore melkt die Metal Slug-Kuh weiterhin so hart, dass deren leuchtender Euter eigentlich längst die PETA auf den Plan hätte rufen müssen. Erstaunlicherweise finden sie immer noch Plattformen, auf denen es irgendeinen Teil von Metal Slug vorher noch nicht gab. Respekt.

Jetzt gibt es Gunslugs für die Playstation Vita und ist erstmals nach iOS und Android in einer für mich ernstzunehmenden Liga angekommen. Und es sieht aus wie ein Metal Slug Demake. Vom Absprung am Anfang eines Level via Fallschirm bis hin zum benutzbaren (wenn auch oft sinnlosen) Panzer, weckt dieses Spiel stetig Erinnerungen an den alten Titel der Ex-Irem Entwickler.

Und das alles in wunderschön einfacher Pixel-Grafik mit einem ganz wunderbaren Chiptune Soundtrack. Es soll ja Leute geben, die das als Trend abtun und darüber meckern, dass das jetzt jeder macht. Blödsinn. Pixel-Grafik ist eine Kunst, die niemals ausstirbt und das ist auch gut so. Und als Pixel-Schieber kann ich sagen, dass es, in manchen Fällen, auch noch vieles sehr viel einfacher macht. Dieser Punkt soll nicht verschwiegen werden. Und das spiegelt sich dann eben auch im Endpreis eines Produkts wieder.

Gunslugs bekomme ich im Playstation Store hinterher geworfen. Beinahe hätte mir Sony da noch was draufgelegt. Deswegen solltet ihr dieses Spiel auch einfach blind kaufen. Dafür bekommt ihr eine tolle Highscore-Jagd und viele Ideen, die über das Originalkonzept des Run’n’Guns hinausgehen. Zum Beispiel die vielen, an Videospiel-Klassiker angelehnten, bockschweren Minispiele, die es in Gebäuden zu entdecken gibt und für die ich immer ganz klassisch ein paar Goldmünzen dabei haben muss.

Gunslugs fordert, denn ich habe von Haus aus lediglich ein Leben und sogar für die Standard-Bewaffnung ist irgendwann die Munition alle. Designfehler ahoi. Dafür gibt es neue Spielfiguren, die ich auf dem Schlachtfeld befreien und so freispielen kann. Die fangen dann jeweils in dem Level an, wo ich sie aufgespürt habe. Eine klassische Level-Auswahl gibt es also nicht. Perfekt, um sich mal eben die Vita zu schnappen, ein paar Minuten zu spielen, ausgiebig zu fluchen und die Vita dann wieder wegzuschmeißen wegzulegen.

Und natürlich kann ich am Ende meine Punktzahl mit der meiner Freunde vergleichen. Dann kommt es wieder auf, dieses kleine bisschen Combat School-Gefühl. Als säße ich in Sorsum auf dem alten Ledersofa. Hach.