Big Bad Wolves

Am 26. Februar 2014 in

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An israelisches Kino komme ich selten bis gar nicht. Umso mehr gefiel mir die Aktion, den Film „Big Bad Wolves” im US iTunes Store zeitgleich zum US Kinostart leihen zu können. Habe ich gemacht. Hat sich gelohnt. Dieser Film hat eine Seele, so schwarz wie ein Stück Kohle und geniert sich nicht, trotzdem auch noch seinen Humor darin zu färben.

Im Film beobachte ich hauptsächlich drei Männer. Der eine ist Polizist, der andere Schriftsteller und Vater, der dritte ist ein mutmaßlicher Kinderschänder. Diese Dreiecksbeziehung entsteht wie folgt: Die Tochter des Vaters wurde brutal ermordet und der Polizist vereitelt durch Polizeigewalt die Beschattung des mutmaßlichen Täters. Letzterer kommt auf freien Fuß, ist für seine Umgebung von da an aber ein abgestempelter pädophiler Mörder. Der Polizist wird in Folge der Ereignisse suspendiert. Dann wird’s arg.

“Big Bad Wolves” spielt mit der Angst des Zuschauers. Bereits die handwerklich geniale Eingangsszene lässt zuschauende Eltern unruhig auf dem Sitz hin und her rutschen. Ich verrate euch was: Es wird nicht einfacher. Aber: Trotz einiger unangenehmer Folterszenen, die meiner Meinung nach gerne auch nur in meinem Kopf hätten stattfinden können, verkommt „Big Bad Wolves” zu keiner Zeit zum plumpen Torture-Porn. Diesbezüglich hatte ich nach dem Trailer große Angst. Nein, der Film überrascht hingegen mit seinen tollen Figuren und überdurchschnittlich guten Schauspielern, allen voran Tzahi Grad, eine Art israelischer John Goodmann).

„Big Bad Wolves” versetzt seine Figuren in eine Situation, die keine von ihnen realistisch zu lösen vermag. Und genauso geht es mir als Zuschauer, denn auch ich bekomme zu keiner Zeit handfeste Informationen über die Situation zugespielt. Das macht es intelligenter und dadurch ein Stück weit erträglicher als zum Beispiel „I Saw The Devil”. Es ist ein schweres, aber besonderes Filmerlebnis. Ein Kandidat für meine Jahres-Bestenliste.

Gunslugs

Am 21. Februar 2014 in spiel

Sorsum kennt ihr nicht. Sorsum war schön. Ehrlich gesagt, kenne ich Sorsum auch nicht richtig. Ich kenne dort nur ein einziges Haus. Das der Eltern eines Freundes. Ich habe viele schöne Erinnerungen an dieses Haus, denn dort haben wir, wenn sturmfrei war, mit dem Neo-Geo gezockt, Alkohol getrunken und Zeugs geraucht. Besonders toll war Metal-Slug auf dem Neo-Geo CDZ im Combat School Modus, wo wir uns um Highscores und Auszeichnungen duellierten.

Dann kam Metal Slug 2, Teil X und naja, dann wurde es mir irgendwann zu bunt. Metal Slug entwickelte sich zu einer Parade recycelter Grafikelemente. Eine traurige Geschichte, die leider noch nicht fertig geschrieben ist. SNK Playmore melkt die Metal Slug-Kuh weiterhin so hart, dass deren leuchtender Euter eigentlich längst die PETA auf den Plan hätte rufen müssen. Erstaunlicherweise finden sie immer noch Plattformen, auf denen es irgendeinen Teil von Metal Slug vorher noch nicht gab. Respekt.

Jetzt gibt es Gunslugs für die Playstation Vita und ist erstmals nach iOS und Android in einer für mich ernstzunehmenden Liga angekommen. Und es sieht aus wie ein Metal Slug Demake. Vom Absprung am Anfang eines Level via Fallschirm bis hin zum benutzbaren (wenn auch oft sinnlosen) Panzer, weckt dieses Spiel stetig Erinnerungen an den alten Titel der Ex-Irem Entwickler.

Und das alles in wunderschön einfacher Pixel-Grafik mit einem ganz wunderbaren Chiptune Soundtrack. Es soll ja Leute geben, die das als Trend abtun und darüber meckern, dass das jetzt jeder macht. Blödsinn. Pixel-Grafik ist eine Kunst, die niemals ausstirbt und das ist auch gut so. Und als Pixel-Schieber kann ich sagen, dass es, in manchen Fällen, auch noch vieles sehr viel einfacher macht. Dieser Punkt soll nicht verschwiegen werden. Und das spiegelt sich dann eben auch im Endpreis eines Produkts wieder.

Gunslugs bekomme ich im Playstation Store hinterher geworfen. Beinahe hätte mir Sony da noch was draufgelegt. Deswegen solltet ihr dieses Spiel auch einfach blind kaufen. Dafür bekommt ihr eine tolle Highscore-Jagd und viele Ideen, die über das Originalkonzept des Run’n’Guns hinausgehen. Zum Beispiel die vielen, an Videospiel-Klassiker angelehnten, bockschweren Minispiele, die es in Gebäuden zu entdecken gibt und für die ich immer ganz klassisch ein paar Goldmünzen dabei haben muss.

Gunslugs fordert, denn ich habe von Haus aus lediglich ein Leben und sogar für die Standard-Bewaffnung ist irgendwann die Munition alle. Designfehler ahoi. Dafür gibt es neue Spielfiguren, die ich auf dem Schlachtfeld befreien und so freispielen kann. Die fangen dann jeweils in dem Level an, wo ich sie aufgespürt habe. Eine klassische Level-Auswahl gibt es also nicht. Perfekt, um sich mal eben die Vita zu schnappen, ein paar Minuten zu spielen, ausgiebig zu fluchen und die Vita dann wieder wegzuschmeißen wegzulegen.

Und natürlich kann ich am Ende meine Punktzahl mit der meiner Freunde vergleichen. Dann kommt es wieder auf, dieses kleine bisschen Combat School-Gefühl. Als säße ich in Sorsum auf dem alten Ledersofa. Hach.

Inside Llewyn Davis

Am 16. Februar 2014 in film

Als ich gestern im örtlichen Programmkino mit meiner Fritz Kola Light und meiner Frau in die Sessel rutschte, um mit circa sechs weiteren Personen Inside Llewyn Davis zu einer fast schon respektlosen Zeit um 14:15 Uhr[(#footnote1) 1)] anzuschauen, wurde ich mir eines interessanten Gefühls bewusst: Ich machte mir nicht die geringsten Sorgen, dass das, was ich gleich sehen würde, nicht zwei wunderbare Stunden werden. Der Grund ist einfach. Es gibt keinen Coen-Film, den ich nicht genossen hätte. Es gibt solche und solche Filme in ihrem Repertoire, aber ich kann über keinen sagen, dass ich nicht durchgehend gut, manchmal witzig, manchmal abstrakt, unterhalten wurde. Das wünscht man sich doch im Kino.

Und natürlich musste ich mir keine Sorgen machen, denn schon Cast und Idee des Films sprachen mich voll an. Und dabei kann ich nicht einmal sagen, dass mir die Musik im Film großartig gefällt. Ich bin kein Fan von Dave Van Ronk, dessen Musik und Memoiren die Vorlage für Llewyn Davis waren und werde es auch jetzt nicht werden. Egal, denn im Film passt die Musik. Oscar Isaac spielt den schwierigen Kleinkünstler am Rand des Ruins super und gehört nach Drive (auch dort an der Seite von Carey Mulligan, die ebenfalls in Inside Llewyn Davis spielt) und dem von mir hochgelobten Sucker Punch eh zu meinen Lieblings-Schauspielern. Genau wie Justin Timberlake, mit dessen Musik ihr mich ebenfalls jagen könnt. Als Schauspieler ist er aber einfach großartig.

Ich habe ein Problem mit Biopics. Sie sind selten interessant (Hust! Dallas Buyers Club, Hust!), weil die Geschichten dahinter natürlich selten fürs Kino gemacht sind. Da lobe ich mir doch die Gebrüder Coen, die sich von den Lebensgeschichten anderer einfach nur inspirieren lassen und dann ihren eigenen Scheiß daraus machen. Und ihre kleinen Signaturen hinein puzzeln. Zum Beispiel einen jungen, noch unbekannten Bob Dylan, einen Haufen skurrile Charaktere und John Goodman. Himmel, jedes Mal, wenn ich ihn in den letzten Jahren in einem Film- oder Fernseh-Projekt sah, fragte ich mich ob er dieses Mal bei den Dreharbeiten dahinscheidet, so schlecht, wie der aussieht. Macht er natürlich auch bei Inside Llewyn Davis (fast) nicht.

Bleibt eigentlich nur noch eine Sache über, die ich mir wünschen würde: Das es dieses Mal nicht drei Jahre dauert, bis es was neues an der Coen-Front gibt! Blödsinn, ich weiß. Hetzen macht schon im Mainstream-Kino genug kaputt. Also sollen sie sich eben Zeit lassen, um mich dann bitte wieder so wunderbar zu unterhalten, wie sie es bisher immer gemacht haben. Ich warte. Danke.

Zur Ehrenrettung unseres großartigen Programmkinos muss ich sagen, dass Inside Lewyn Davis bereits vorher einige Wochen in der Original-Version zur Prime Time lief.(#reference1) ↩)

Takashi Miikes Ninja Kids

Am 8. Februar 2014 in film

Was zur Hölle habe ich da gerade gesehen? Nehmen wir einmal an, ihr alle kennt den Regisseur Takashi Miike. Sei es von damals, als er mich zum Beispiel mit „Audition”, „Visitor Q” und „Ichi the Killer” verschreckte und mit der Dead or Alive-Trilogie verzückte. Oder von vor ein paar Jahren, als er in akribischer Feinarbeit die Samurai-Klassiker 13 Assassins (Yay!) und „Hara-Kiri” (Nay!) neu verfilmte. Wenn ihr euch jetzt einmal vorstellt, dieser Mann würde einen beliebten Manga (relativ) kinderfreundlich verfilmen, was habt ihr da bitte schön für ein verschrobenes Bild im Kopf? Haltet das, und nehmt es mal zehn. Fertig. Dieses Wirrwarr ist tatsächlich „Ninja Kids!!!”.

Ein Film über eine Ninja-Schule, in der kleine Shinobi und Kunoichi lernen, tödliche Ninja zu sein. Kann ja nur gut sein! Das Wunder, das Miike dabei vollbringt ist, dass die Mischung aus Fäkal-Humor, Furz-Witzen und absurdem Slapstick als Realfilm irgendwie trotzdem liebevoll wirkt. Und wenn ich dachte, jetzt habe ich alles gesehen (Susumu Terajima als Ninjameister mit aufgemalten Schnurrbart), singt ein Frisör im Kabuki-Stil den Überfall auf seinen Frisörsalon vor.

Natürlich kommt auch ein japanischer Kinderfilm nicht ohne ein unglaublich zähes und unglaublich pseudo-dramatisches Finale aus. Ich bin schon in Kaugummis getreten, die spannender waren. Das ist aber alles egal, denn immer, wenn ich kurz vorm Schreien war, passierte etwas, das mich ungläubig auf den Fernseher hat starren lassen. Das Miike Trademark, der What-The-Fuck-Moment ist bei „Ninja Kids!!!” so allgegenwärtig, wie zum Beispiel beim ersten Dead or Alive. Nur in eine andere Richtung.

Das ist toll. Das ist so anders. Das ist … ich weiß es nicht! Ich fand’s einfach toll. Und noch etwas: Der Film hat mir wieder klar gemacht, dass ich wieder mehr japanisches Kino schauen muss. Mache ich. Versprochen.

Winter

Am 7. Februar 2014 in prosa

Winter. Früher habe ich Schnee immer gemocht. Heute hasse ich ihn. Früher hab’ ich immer Schneemänner gebaut. Heute mache ich aus Schnee Trinkwasser. Schöne Scheiße. Wasser! Alkoholisches kann ich aus Schnee nicht tauen. Wäre aber passender. Die Brünette hat aber Alkohol verboten. Die Brünette verbietet immer alles. Kein Alkohol, kein Golfspielen auf Dächern. Und vor allem nicht beides gleichzeitig. Zicke. Was steht sie auch direkt hinter mir! Eine Woche hat sie mich nur aus einem Auge heraus gemustert. Schöne Zeit! So ein Feilchen kann man mit Schnee auch gut kühlen. Ich lache ein bisschen in mich hinein. Schön. Jetzt guckt sie mich gerade wieder aus beiden Augen schief an. Man könnte meinen sie mag mich nicht. Ich lache wieder. Weil ich ja nicht den Schnee zum Trinkwasser machen sammele. Wenn ich wüsste, dass sie ihr Wasser aus meinem Eimer tauen würde, hätte ich ihr längst gelben Schnee gesammelt. Was ist die überhaupt so nervös? Es schneit und überall liegt Schnee. Wir sind seit einer Viertelstunde draußen und noch immer völlig ungestört. Es ist Winter, da sind sie langsamer und man hört ihre Schritte besser. Kein Grund nervös zu sein. Ah, jetzt flirtet sie wieder mit dem Dicken. Eine Eins mit Sternchen fürs Schneesammeln du alter Streber. Da hat er mal was gefunden, was er kann! Golf konnte er jedenfalls nicht. Mir ist langweilig. Und ich möchte besoffen sein. Endlich mal wieder richtig besoffen sein. Ich habe eine bessere Idee: Ich baue einen Schneemann! Ha! Soll sie ihr Wasser doch selber suchen. Ich baue hier und jetzt den größten Schneemann weit und breit. Aber ich hab’ kein Bock mich zu bücken. Ich fang einfach mit der Signatur an. Hier, mitten in den Schnee. Herrlich. Kalt, aber herrlich. Sie schreit wieder. So blöd. Jetzt dauert es höchstens noch drei Minuten und die Bastarde kommen wieder aus ihren Löchern geschlurft. Und ich bin natürlich wieder der Buhmann. Und jetzt motzt mich der Dicke auch noch voll. Wütend stapfe ich den anderen hinterher in den Unterschlupf. Früher war echt mehr Winter Wunderland, ey. Und in den Schnee pinkeln ist jetzt auch verboten. Olle Zicke!

Den Original-Artikel gibt es drüben bei David in den Kommentaren.