Captain America: The Winter Soldier

Am 10. August 2014 unter film

Geht doch, Marvel! Nach Iron Man 3 und Thor 2 ist der zweite Captain America jetzt schon die dritte Marvel-Verfilmung, die mir gut gefällt und in meinem Empfinden nicht einem Schienbeinbruch gleicht. Ein paar mehr Dialogzeilen ins Skript schreiben, ein aktuelles Thema (in diesem Falle Spionage und Überwachung) aufgreifen, die Klarnamen-Pflicht einführen und die Kostüme soweit verfeinern, bis fast keins mehr peinlich ist. Passt.

Am Ende bröckelt es dann hier und da ein wenig. Wenn der Captain of the Americas wieder den ollen blau-rot-weißen Schlüpfer überm Kopf trägt. Und jetzt mal ganz ehrlich, liebe Filmemacher: Niemand findet es noch spannend, wenn nach einem Countdown erst ganz zum Schluss zwischen der Eins und der Null die entscheidende Aktion, diesen zu stoppen, eintritt. Ganz im Gegenteil und ich hoffe, ich bringe jetzt und hier nicht das Weltbild ganzer Scharen von angehenden Filmschülern aus dem Konzept: Wir wissen alle schon vorher, dass zwischen der Eins und der Null alles gut wird! Gasp! Ganze Kinosäle voll Menschen würden sich verdutzt ansehen, wenn mal was bei Sekunde 23, 19 oder 12 passieren würde. Das wäre mal ein Knaller.

Ach, ich schweife ab. Winter Soldier mag ich, auch wenn die Klarnamen-Pflicht den Winter Soldier nicht als Winter Soldier deklariert und vielleicht deshalb die besorgten Marketing-Pfeifen in Deutschland nach einem neuen Titel hat suchen lassen: The Return of the First Avenger. Auweia! Schalten Sie also auch das nächstes Mal wieder ein, wenn Sie Doktor Bob sagen hören:

The Return of the Return of the First Avenger (OT: Cpt. America vs. Cpt. Canada - The Maple Soldier)


Dom Hemingway

Am 28. Juli 2014 unter film oberlippenbarthouse

Eigentlich ist alles, was in diesem Film nach den ersten fünf Minuten passiert irrelevant. Wegen eben dieser fünf Minuten. Die fucking fünf Minuten in Jude Laws (Film-)Leben schlechthin. Diese sind vornehmlich dem Schwanz seines Alter Egos Dom Hemingway gewidmet. Und mir war da schon klar, dass es mir scheiß egal sein würde, wie der Film weitergeht. Er hatte da diesen Schalter umgelegt, der mich nur noch grinsen ließ.

So ein bisschen hatte ich nach der großartigen ersten Hälfte des Films dann aber doch das Gefühl, dass da irgendwer immer dann auf die Bremse trat, wenn der Film damit drohte wieder krasser abzudriften. Das blöde daran: Zu Laws Rolle passt eigentlich nur “krass”. Das fühlt sich irgendwann in etwa so an, als würde der Regisseur mit einem tollwütigen Dobermann (Jude Law) Gassi gehen.

Bis das geschieht, ist Dom Hemingway einer dieser Typen, über den sich andere Typen in Filmen von Guy Ritchie und Matthew Vaughn krasse Geschichten erzählen, die dann in überzeichneten Retrospektiven eingespielt werden. Die heißen Bullet Tooth Tony, Boris the Blade oder eben Dom Hemingway. Dom Hemingway hätte die Geschichte hinter einer solchen Geschichte werden können.

Am Ende gewinnt dann aber weder Dom Hemingway noch der Zuschauer wirklich, weil der Film zwanghaft versucht, sich irgendwo in der Mitte einzupendeln, um es doch noch allen recht zu machen. Na toll.


Valiant Hearts: The Great War

Am 19. Juli 2014 unter spiel

UbiArt ist mein neues Lieblingswort in der Videospiel-Industrie. Es steht für wunderschöne, zweidimensionale Animationen aus dem Hause Ubisoft. Rayman Origins, Rayman Legends und zuletzt Child of Light sind die Wunschkinder dieser tollen Beziehung. Allesamt wunderschön, intelligent und sehr unterhaltsam. Bei Valiant Hearts geht es jetzt thematisch allerdings erstmals etwas ernster zu. Es teilt sich das Thema mit den Journalen und Nachrichtensendungen dieser Tage: Der Erste Weltkrieg, dessen Jahrestag sich Ende diesen Monats zum hundertsten Mal jährt.

Krieg ist eigentlich ein sehr heikles Thema. Wäre da nicht die Videospiel-Industrie, die die letzten zwanzig Jahre damit verbracht hat, das Thema Krieg in unseren Köpfen einmal komplett zu desensibilisieren. Der Erste Weltkrieg ist seltener Teil dieser Behandlung gewesen. Das wird auch Valiant Hearts (zum Glück) nicht ändern. Denn es ist kein gängiges Kriegsspiel. Hier kann ich niemanden wissentlich töten. Viel mehr erfahre ich die Leiden des Krieges an der eigenen virtuellen Person.

Als der deutsche Karl, der zu Kriegsbeginn von seiner Familie in Frankreich getrennt wird, diene ich als Soldat auf der deutschen Seite. Emile, seinen französischen Schwiegervater und ebenfalls eingezogen, bewege ich auf der französische Seite. Mit Anna, einer Sanitäterin mache ich mich auf die Suche nach ihrem von den Deutschen entführten Vater und mit Freddy, dem Amerikaner und meinem persönlichen Liebling, mime ich den Mann fürs Grobe.

Die Pfade dieser Figuren kreuzen sich im Laufe der Geschichte mehrmals und oft teilen sie sich dabei einen treuen Freund: Ein für den Einsatz an der Front ausgebildeter Schäferhund, der für mich Sammler-Gut ausbuddelt und hin und wieder auch mal Teil eines Rätsels Lösung ist. Diese Rätsel sind gerade so anspruchsvoll, dass ich sie trotz akuten Schlafmangels und mit tatkräftiger Unterstützung meiner Frau allesamt ohne Hilfe des Systems lösen kann. Das mag für Hardcore-Adventure Klicker zu wenig sein, passt mir aber sehr, sehr gut.

Valiant Hearts ist am besten als eine Mischung aus Point’n’Click Adventure und Interactive Drama zu beschreiben. Auf Objekt- und Spielmechaniken basierende Rätsel lösen sich ab mit Geschicklichkeitsaufgaben. Moment! Bitte kommen Sie zurück! Das klingt schlimmer als es ist. Genauer gesagt machen diese kleinen, oft nahtlos in den Spielablauf integrierten Minispiele einen Heidenspaß und viele von ihnen wären als eigenständige App auf Mobilsystemen locker noch ihr Geld wert.

Optisch ist Valiant Hearts schlicht Zucker. Akustisch auch. Wie ein zu einem belgischen Comic gewordener Jean-Pierre Jeunet Film präsentiert sich das Spiel und das wirklich einzige, was ich diesem negatives vorwerfen könnte, ist der knuffige Grafikstil, der auf der einen Seite zwar aussieht, wie ein Metal Slug bereits nach drei Teilen hätte aussehen sollen, auf der anderen Seite aber deutlich zu knuffig für das traurige Kriegsthema an sich ist. Metal Slug sollten wir nicht ernst nehmen, Valiant Hearts schon. Das fällt mir, obwohl ich mir der Tragik des Krieges und der Einzelschicksale im Spiel deutlich bewusst bin, angesichts dieser Präsentation merklich schwer.

Das heißt aber nicht, dass ich mir wirklich eine andere Optik gewünscht hätte. Dafür fiel mir im Laufe des Spiels viel zu oft die Kinnlade ob der Bildgewalt herunter. Zeppeline, Panzer und anderes Kriegsgerät sehen hier einfach gnadenlos toll aus. Vielmehr wünschte ich mir für das nächste UbiArt Projekt diese wunderschöne Grafik und Spielmechanik mit einem etwas fröhlicheren Thema. Schlicht, weil es für mich besser zusammenpasst. Trotzdem ist Valiant Hearts ein großartiges Spiel, dass ihr alle spielen solltet. Alle!

Ich hole mir derweil noch die fehlenden Trophäen. Das hat dieses tolle Spiel einfach verdient.


Under The Skin

Am 18. Juli 2014 unter film

Puh! Da ist er wieder, dieser eine Film. Der, der so gar nicht wie alle anderen Filme sein will. Der lieber gegen den Strom schwimmt. In diesem Falle übrigens rückwärts, im Wintermantel und ohne Hose. Sprich: „Under the Skin” ist anders. Da lacht der Nicolas Winding Refn in der letzten Reihe und verweist räuspernd auf seine von vielen ungeliebten Kinder Valhalla Rising und Only God Forgives. Da hat er recht. Under the Skin” von Jonathan Glazer reiht sich da nahtlos ein. Das bedeutet, er ist anstrengend, er ist verwirrend und er polarisiert, wo er nur kann. Das mag zickig sein, ist meiner Meinung nach aber auch nötig. Das Gleichgewicht der Macht und so.

Scarlett Johansson spielt etwas nicht Irdisches. Soviel ist klar, obwohl das auch wieder nicht klar ist. Denn solche Dinge werde nicht etwa groß und breit erklärt. Fakt ist, dass Johansson im Film sehr glaubwürdig ein Wesen spielt, das versucht, die Bewohner der Erde zu verstehen. Und diese zu Kniften für die Kollegen zu verarbeit.

Der Film vermittelt mit seiner Bildgewalt eine Ahnung, wie es sich für Fremde auf unserem Planeten anfühlen muss. Und warum die eigentlich gleich wieder umkehren würden, hätte sie nicht Hunger und längst keine eigenen Ressourcen mehr. Mal ist der Film dabei langatmig banal, mal maximal bizarr und mitunter auch mal erschreckend brutal. Oder er drängt uns hilflos in die Ecke, wenn Scarlett Johansson und der von Neurofibromatose stark entstellte Debütant Adam Pearson in unseren Köpfen mit unseren Gefühlen jonglieren als wären sie kleine Bälle. Und nebenbei wurde vieles auch noch mit versteckter Kamera gefilmt, was vor zwei Jahren glatt ein Internet-Meme hervorbrachte, weil niemand wusste, dass Johansson in Character war.

Es ist schwer zu verstehen, warum ich diesen Film mag. Auch für mich. Aber ich tue es. Irgendwie liegt es wohl daran, dass so wenig erklärt wird, aber dennoch vieles davon verständlich ist. Die Bildersprache dieses Werkes macht so manchen Dialog unnötig und das ist, wie ich finde, eine ganz, ganz große Kunst. Mit einer Empfehlung tue ich mich dennoch schwer, denn “Under the Skin” ist schon sehr, sehr speziell.


The Signal

Am 15. Juli 2014 unter film

Kurz und knapp zitiere ich an dieser Stelle einmal einen Freund:

Es gibt keine schlechten Focus Features Filme.

Diese Tradition wird auch mit The Signal fortgesetzt. Mehr braucht ihr nicht zu wissen. Weil ich auch nicht mehr wusste und der Film dann eine tolle Überraschung für mich war. Wie bitte? Ihr habt schon den Trailer gesehen? Na dann gebe ich euch noch einen leckeres Cocktail-Rezept für einen guten Filmabend mit auf den Weg:

  • ein Teil M. Night Shyamalan (gut abgehangen, nicht zu frisch!)
  • zwei Teile Shane Carruth (ganz fein gemahlen!)

Alles gut umrühren und auf Eis servieren. Lasst es euch schmecken!